Leichtigkeit im Widerstand - 14.2.2026
Es war letzte Woche. Meine Frau und ich hatten uns einen Konzertabend gegönnt. Es ging zu Herbert Grönemeyer aufs Expo-Gelände in eine ausverkaufte Halle. „Von allem anders“, so war das Motto des Künstlers, den manche mögen und manche nicht. Für manche singt er zu unverständlich und andere mögen den Musikstil nicht.
Über Geschmack kann man nicht streiten. Aber das Faszinierende des Abends abseits der Musik waren die Beiträge von dem inzwischen 69jährigend Grönemeyer zu den Themen Respekt und Gemeinschaft: Wie wichtig es sei, dass alle Menschen vernünftig und respektvoll miteinander umgehen und es keine Menschen zweiter oder gar dritter Klasse gibt. Eine Gesellschaft, die vielleicht immer weiter gespalten ist, müsse auf ihre Demokratie und ihre Werte aufpassen. Grönemeyer ergänzte die Warnung vor einem Rechtsruck, dessen Auswirkungen Deutschland noch von vor 90 Jahren kenne würde.
„Standing Ovations“ in der Halle und langanhaltender Applaus – für die Aussagen, die er traf und die klare Botschaft. 12.500 Menschen sind beieinander und sich dabei vollständig einig, was einen Gänsemoment erzeugte.
Und so reihte sich Grönemeyer ein in die Gilde der Prominenten, die ihre Bekanntheit nutzen, um sich querzustellen bei all dem Hass und der Verachtung, der von manchen Gruppen geschürt wird und sich in manchen Köpfen verfangen hat. Die Leichtigkeit der Musik, die Menschen tragen und berühren kann, ist Teil dieser Botschaft zum Widerstand. Ob Grönemeyer in Hannover oder Bruce Springsteen mit seinen „Streets of Minneapolis“: Es ist an der Zeit, etwas klarzurücken.
Und so passte es, dass das Konzert von Herbert Grönemeyer endete mit einem Kirchenlied inklusive der letzten Strophe: „So legt euch denn, ihr Brüder (und Schwestern), in Gottes Namen nieder; Kalt ist der Abendhauch. Verschon' uns, Gott! mit Strafen, und lass uns ruhig schlafen! Und unsern kranken Nachbar auch!“
Ein perfekter Abschluss, der die Nächstenliebe noch einmal zusammenfasst und die Besuchenden fast schon gesegnet in die Nacht entlässt.
Jörg Mecke, Prädikant im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf

Sie schlägt die Augen auf. Wie schön ist es, von einem warmen Sonnenstrahl im Gesicht geweckt zu werden. Kräftig streckt sie ihre Arme und Beine in alle Richtungen. Die Ruhe der Nacht hat gut getan und sie für eine kurze Zeit ihre Sorgen vergessen lassen. Endlich konnte sie mal wieder eine ganze Nacht durchschlafen. Sie schlägt die Bettdecke zurück, setzt sich auf und seufzt. Auf einmal werden ihre Glieder schwer wie Blei. Ach, lohnt es sich überhaupt aufzustehen? Seit fast einem Jahr ist sie auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Aber immer ist es das Gleiche. Auf ihre Bewerbung bekommt sie nur Absagen. Langsam verlässt sie der Mut. „Wird es mir überhaupt noch gelingen, wieder in die Arbeitswelt zu finden?“. Auf dem Weg ins Bad sieht sie noch einmal den Sonnenstrahl, der auf ihrer Bettdecke liegt. Sie lächelt. Wie fröhlich die kleinen Staubkörner in dem Licht tanzen. Im Badezimmer ist es kalt. Sie stellt die Heizung an. Zum Glück wird das Wasser in der Dusche schnell warm. Mit geschlossen Augen hält sie ihr Gesicht in den Wasserstrahl. „Es geht immer weiter“ hat ihre Oma immer zu ihr gesagt, wenn sie glaubte, die langen Schulwochen und die vielen Klassenarbeiten nicht zu schaffen. „Es geht immer weiter,“ spricht sie nun leise in den Wasserstahl hinein. Ihre Oma war eine Frau mit einem festen Glauben. Es faszinierte sie immer, wenn sie hörte, wie schwer ihre Oma es in ihrem Leben gehabt hat und wie stark sie der Glaube an Gott gemacht hat. Sie stellt das Wasser ab, greift nach ihrem Bademantel wickelt sich fest in den Frottierstoff ein. Auf dem Weg in die Küche zieht sie die Zeitung aus dem Postschlitz an der Tür. Als sie die Beilage der Zeitung herausnimmt, fällt eine Postkarte heraus. „Gott nahe zu sein ist mein Glück,“ liest sie halblaut. Sie lächelt und denkt wieder an ihre Oma. „Ja, Gott nahe zu sein ist mein Glück und es geht immer weiter.“ Gott sei Dank!