Professor Peter Kruse, ein Psychologe, hat einmal gesagt, dass man sich für komplexe Probleme nur Rat bei Menschen holen soll, die „an der Grenze zur Überforderung arbeiten“. Da Kruse selbst schon 10 Jahre tot ist, merkt man, dass das kein Zeitgeist ist, sondern ein grundsätzlicher Ratschlag. „An der Grenze zur Überforderung“ zu sein, ist keine ganz klare Definition, da das ein schmaler Pfad ist.
Die Menschen, die viele Schicksalsschläge in kurzer Zeit verkraften mussten, fragen sich auch mit einigem Abstand: Wie habe ich das nur geschafft? Die Eltern von Drillingen: Wie haben wir das hinbekommen? Und die, die zwischen Arbeit und Ehrenamt pendeln, wie zwischen zwei Berufen, bekommen mal bewundernd, mal sarkastisch die Frage Wie kriegst Du das nur hin?
Was ist schaffbar und was ist unschaffbar? Zunächst einmal wissen wir aus der Forschung, dass Menschen viel mehr verkraften, als sie denken. Wer denkt, er oder sie kann nicht mehr, kann sehr wohl noch mehr. Sicherlich nicht auf Dauer, aber doch für eine vorübergehende Zeit. Sonst geht es auf die Gesundheit – entweder körperlich oder seelisch. Dann ist das Fass sprichwörtlich übergelaufen und Körper und Geist wehren sich und wir kommen in Bereiche rein, die sich Burnout nennen.
Bis dahin geht aber eine ganze Menge. Und die Menschen, die es wirklich schaffen, knapp unter der Grenze der Überforderung zu bleiben, die wissen, wie man schwierige Situationen meistert. Sie sind gute Ratgeber, wie Peter Kruse meinte. Von ihnen kann man lernen, wie man den Alltag meistert, obwohl der nur 24 Stunden hat oder wie man die Aufgaben bewältigt, obwohl die Zahl der Hände bei zwei bleibt.
In der Bibel findet sich ein Buch über einen Mann, der sehr viel Last abbekommt und Übermenschliches ertragen muss: Hiob. Seinen Umgang mit schlechten und damit belastenden Nachrichten hat unsere Kultur so stark geprägt, dass selbst Menschen, die keine Beziehung zur Bibel haben, diesen Begriff kennen: Die Hiobsbotschaft.
Jörg Mecke, Prädikant im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf