Am Aschermittwoch hat die Passionszeit, auch Fastenzeit genannt, begonnen. Sie dauert bis Ostern und umfasst in etwa sieben Wochen. Und sie lädt ein, die Zeit bis zum Höhepunkt im christlichen Festkalender zur Vorbereitung zu nutzen. Früher haben die Menschen gefastet unter der Woche, aber nicht an den Sonntagen, die schon immer kleine Osterfeste sind. Viele fasten heute wieder, verzichten auf Fleisch, auf Alkohol, auf Süßigkeiten, auf Medienkonsum oder etwas anderes, was sonst vielleicht zu viel Raum einnimmt im eigenen Leben. Es geht um Verzicht, aber nicht um Selbstkasteiung, sondern um einen Zugewinn an Freiheit oder auch um die Orientierung an Jesus, der auf seinem Leidensweg auf vieles verzichtet hat. Um die Zeit noch geistlicher zu gestalten, kann man in den Evangelien die Passionsgeschichte Jesu lesen. Oder auch der Aktion „Sieben Wochen ohne“ folgen, die in diesem Jahr dazu aufruft „ohne Härte“ auszukommen. Nun klingt das aber missverständlich. Andere Verzichtsübungen enden mit Ostern, aber dieser Appell, ohne Härte auszukommen, reicht doch wohl über Ostern hinaus.
Andernfalls wäre mit der Aktion kein Fortschritt erreicht. Wir können uns also Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, wo wir auf Härte stoßen, die uns verstört, oder wo wir selbst anderen gegenüber zu hart auftreten. Ich stehe noch unter dem Eindruck der Winterolympiade, die am 22. Februar zu Ende gegangen ist. Wer es im Hochleistungssport zu etwas bringen will, muss sich selbst gegenüber ein hohes Maß an Härte aufbringen, auf vieles verzichten, enorm viel trainieren und eine hohe Schmerztoleranz haben. Anders kommt man nicht zum Erfolg. Aber auch hier muss man sich selbst mit den eigenen Grenzen im Blick haben, sonst wird es gefährlich, so wie bei Lindsey Vonn, deren schweren Sturz ich verstörend fand. Verstörend und ärgerlich finde ich auch die vernichtenden Kritiken, die im Nachhinein auf die Sportler und Sportlerinnen hereingeprasselt sind. In manchen Medien machte sich Untergangsstimmung breit, weil der Rang im Medaillenspiegel angeblich so enttäuschend war. Diese Art von Härte hat etwas Vernichtendes und ist unangebracht. Auch mit der Härte ist man also gar nicht so schnell fertig. Manchmal brauchen wir sie, um bestimmte Ziele zu erreichen. Und dann sind wir auch schnell wieder zu hart mit uns selbst. Und wer zu sich selbst zu hart ist, ist es oft auch gegenüber anderen. Und dann gibt es diese harten Reaktionen aus Enttäuschung, weil man sich gekränkt fühlt und das dann an anderen auslässt. Dabei leben wir doch alle davon, dass man uns auch mit Verständnis und Nachsicht begegnet. Darum ist mir diese Seligpreisung von Jesus auch eine der liebsten: „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.“ Ich wünsche Ihnen eine gefühlvolle Fasten- und Passionszeit!
Wiebke Dankowski, Pastorin in Dedensen-Gümmer