Vor vierzehn Tagen habe ich zum ersten Mal einen Sauerteig angesetzt. Ein kleines Glas, ein bisschen Mehl, ein bisschen Wasser – mehr nicht. Klingt erst einmal nicht spektakulär – aber wer das schon einmal gemacht hat, kann meine Begeisterung vielleicht nachvollziehen. Denn: In diesem Glas begann etwas zu leben. Jeden Tag konnte ich beobachten, wie sich der Ansatz veränderte. Er schlug Blasen, er duftete, er wollte „gefüttert“ werden. Aus trockenem Mehl und Leitungswasser wurde Leben. Wieder einmal ein Beweis dafür: Wachstum ist ein Wunder. Es braucht nicht viel – nur zwei Zutaten. Und: Dass ich ihnen meine Aufmerksamkeit schenke. Und Geduld habe. Und plötzlich entsteht etwas zuvor nicht Dagewesenes.
Der Wochenspruch für die kommende Woche lautet: „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lk 9,62)
Ein Pflug zieht eine Furche. Gerade bleibt sie nur, wenn der Blick nach vorn gerichtet ist. Wer zurückschaut, verzieht die Linie. Wer sich ablenken lässt, verliert die Spur. Im Bild des Sauerteigs gesprochen: Wenn ich nur Mehl und Wasser betrachte, kann ich nicht ahnen, was daraus werden kann. Ich benötige am Anfang eine Vision. Und Vertrauen. Erst wenn ich dranbleibe, wenn ich täglich hinschaue, entsteht etwas, das Kraft hat und Leben schenkt.
Vergangene Woche hat wieder ein Krieg begonnen. Wieder Bilder von Zerstörung, Angst, Flucht. In solchen Momenten fällt es mir manchmal schwer, nach vorn zu schauen. Der Blick zurück – auf das, was war, auf das, was verloren geht – zieht fast magisch an. Diesem Sog setzt Jesus etwas entgegen: Er erinnert, dass Nachfolge immer ein Weg nach vorn ist. Wer die Hand an den Pflug legt, richtet sich nicht an dem aus, was hinter ihm liegt, sondern an der Zukunft – an dem Ziel, das vor uns liegt.
Nicht, weil wir die Vergangenheit verdrängen sollen. Sondern weil Gottes Reich immer im Werden ist – wie ein Sauerteig, der das Ganze durchdringt, lange bevor man das Ergebnis sieht. Hoffnung wächst nicht aus dem, was wir kontrollieren können, sondern aus Gottes Verheißung, dass er Neues schafft, selbst dort, wo wir nur Mehl und Wasser sehen.
Lassen Sie uns das doch als Aufgabe annehmen für die kommende Woche: Unseren Blick nach vorn zu halten, im Vertrauen darauf, dass Gott aus kleinen Anfängen Großes wachsen lassen kann.
Dann kann, wie aus Mehl und Wasser ein lebendiger Sauerteig wird, aus unserer Hoffnung und unserem Tun und Beten, eine gerade Spur entstehen, in der die Saat aufgeht.
Pastorin Franziska Oberheide, Corvinus