Es war letzte Woche. Meine Frau und ich hatten uns einen Konzertabend gegönnt. Es ging zu Herbert Grönemeyer aufs Expo-Gelände in eine ausverkaufte Halle. „Von allem anders“, so war das Motto des Künstlers, den manche mögen und manche nicht. Für manche singt er zu unverständlich und andere mögen den Musikstil nicht.
Über Geschmack kann man nicht streiten. Aber das Faszinierende des Abends abseits der Musik waren die Beiträge von dem inzwischen 69jährigend Grönemeyer zu den Themen Respekt und Gemeinschaft: Wie wichtig es sei, dass alle Menschen vernünftig und respektvoll miteinander umgehen und es keine Menschen zweiter oder gar dritter Klasse gibt. Eine Gesellschaft, die vielleicht immer weiter gespalten ist, müsse auf ihre Demokratie und ihre Werte aufpassen. Grönemeyer ergänzte die Warnung vor einem Rechtsruck, dessen Auswirkungen Deutschland noch von vor 90 Jahren kenne würde.
„Standing Ovations“ in der Halle und langanhaltender Applaus – für die Aussagen, die er traf und die klare Botschaft. 12.500 Menschen sind beieinander und sich dabei vollständig einig, was einen Gänsemoment erzeugte.
Und so reihte sich Grönemeyer ein in die Gilde der Prominenten, die ihre Bekanntheit nutzen, um sich querzustellen bei all dem Hass und der Verachtung, der von manchen Gruppen geschürt wird und sich in manchen Köpfen verfangen hat. Die Leichtigkeit der Musik, die Menschen tragen und berühren kann, ist Teil dieser Botschaft zum Widerstand. Ob Grönemeyer in Hannover oder Bruce Springsteen mit seinen „Streets of Minneapolis“: Es ist an der Zeit, etwas klarzurücken.
Und so passte es, dass das Konzert von Herbert Grönemeyer endete mit einem Kirchenlied inklusive der letzten Strophe: „So legt euch denn, ihr Brüder (und Schwestern), in Gottes Namen nieder; Kalt ist der Abendhauch. Verschon' uns, Gott! mit Strafen, und lass uns ruhig schlafen! Und unsern kranken Nachbar auch!“
Ein perfekter Abschluss, der die Nächstenliebe noch einmal zusammenfasst und die Besuchenden fast schon gesegnet in die Nacht entlässt.
Jörg Mecke, Prädikant im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf