
Man muss kein Blitzmerker sein, um festzustellen, das Weihnachten vorüber ist. Epiphanias ist gewesen, und um es mit einfachen Worten der Ikea’ner zu sagen Knut ist vorbei. Tannenbaumweitwurf war am 5. Januar. So zumindest die Werbung. Der Baum ist also raus, obwohl ganz Hartgesottene die Weihnachtszeit bis Mariä Lichtmess am 2. Februar hinauszögern. Die Zeit der Geschenke unter dem Baum ist definitiv um. Und wenn man sich in der dritten Woche des Jahres kaum noch ein frohes neues Jahr wünscht, dann sind wir im Jahr 2026 angekommen. All die guten Vorsätze werden ganz blass angesichts der Nachrichten dieser Tage. Manch eine oder einer würden sogar lieber gleich die Decke über den Kopf ziehen. Doch sei jenen gesagt, dass diese Art der Vogel-Strauß-Politik noch nie zu etwas Gutem geführt hat. Also woher ein wenig Glückseligkeit nehmen und nicht stehlen?
Wir könnten ein Stück Schokolade essen. Doch das setzt an. Oder wir kaufen uns einfach glücklich. Konsum, vor allem hemmungslos erlebt, soll enorm die Ausschüttung von Glückshormonen stimulieren.
Nun denn, gehen wir einkaufen. Unlängst kam ich an einem Autohaus vorbei. Eines von der noblen Art. Sie wissen schon, aus Stuttgart mit P. Drinnen im sogenannten Show Room standen sportlich schöne Karossen, glänzend in tollen Farben. Es war schon nach Geschäftsschluss. So blieb uns nur, die Autos durch das Schaufenster zu bestaunen. Nicht weit von uns stand ein junger Mann in abgerissenen Klamotten. Er mochte so Anfang zwanzig gewesen sein. Die Hände hatte er zu einem Guckloch geformt, so dass ihn auch keine Spiegelung vom Objekt seiner Begierde ablenkte. Plötzlich sagte er: „Boah ey! Den hol ich mir.“ Stolze Ansage, ist doch gerade jenes Model in der Grundversion schon für 250.000 Euro zu haben. Ich mag mich ja täuschen, aber kann es sein, dass dann am Ende des Geldes noch viel Monat übrigbleibt? Groß ist die Chance, dass wir so auch nicht glücklich werden.
Vielleicht helfen ein Perspektivwechsel und ein Rückblick. Wie war das noch mit dem Christkind? Gott auf Erden, uns zum Heil. Von dem schreibt der Evangelist Johannes: „Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“ Das ist doch was. Das gibt’s kostenlos. Also ohne Geld, und wir können uns diese Gnade einfach so holen. Und wer weiß, vielleicht stellt sich ja dann dieses Boah-Ey-Gefühl ein. Versuch macht klug.
Ihnen ein schönes Wochenende.
Prädikant Holger Kipp