„Was ist eigentlich das Leben?“ fragt ein Buchfink, der oben auf einem Baum am Waldrand sitzt, unter sich eine große weite Wiese… So beginnt ein schwedisches Märchen, das ich neulich zufällig las und merkte, dass mich diese Frage berührte und sie mir eigentlich nie so richtig gestellt wurde. Sie gehört zu den ältesten und zugleich schwierigsten Fragen der Menschen.- In dem von mir total verkürzten Märchen-Text, der jetzt gerade so gut zum Frühlingsanfang passt , bekam der kleine Vogel viele Antworten.
Zuerst hörte er von einer Heckenrose, deren Knospe sich gerade entfaltete: “Das Leben ist eine Entwicklung“ – Ein Schmetterling, der von Blüte zu Blüte flatterte, rief entzückt „Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein“ – Eine Ameise, die sich unten am Boden mit einem Strohhalm mühte, seufzte „Das Leben ist nichts anderes als Mühsal und Arbeit“ – Das hörte eine Biene, satt vom Honigschlecken „Das Leben ist für mich ein Wechsel von Arbeit und Vergnügen“ – Ein Maulwurf steckte brummend seinen Kopf aus der Erde „Es ist ein Kampf im Dunkeln“ –– Ein Adler zog hoch am Himmel seine Kreise „Das Leben ist ein Streben nach oben und nach Freiheit“- Als es Nacht wurde, krächzte ein Uhu „Das Leben heißt: die Gelegenheit nutzen, wenn andere schlafen“ – Es war ganz still in Wald und Wiese, als sich plötzlich ein junger Mann, müde vom Feiern, ins Gras fallen lies „Das Leben ist das ständige Suchen nach Glück und eine lange Kette von Enttäuschungen“ – Schließlich stand die Morgenröte in ihrer vollen Pracht auf und sprach „ Wie ich der Beginn des neuen Tages bin, so ist das Leben der Anbruch der Ewigkeit“ - Damit endete das Märchen. Wie könnte wohl der Buchfink auf all diese Antworten reagieren? Halfen sie ihm? Mich hat die Vielfalt bewegt, und mir ist bewusst geworden, dass es auch für mich viele Antworten gibt und gab in den ganz verschiedenen Lebens -und- Alters-Situationen und Abschnitten. Die Hauptantwort ist aber „Mein/unser aller Leben ist Gottes Geschenk, und er hilft mir oder uns, es mit seinem Beistand anzunehmen und zu gestalten“. Ich mag dazu den Satz „Es ist schön, zu leben, weil Leben Anfangen ist – immer – in jedem Augenblick“.
Und dazu gehört der Glaube, die Kraft, die mir Halt geben kann, längst nicht immer gleich, oft auch schwankend, aber er ist mein Fundament. Das drückt auch das Lied aus “Gott gab uns Atem, damit wir leben, er gab uns Augen…Ohren… Worte… Hände…Füße…damit wir handeln…Er will mit uns die Erde verwandeln, wir können neu ins Leben gehn“. Und das immer wieder, mal mutig, mal verzagt, mal freudig, mal traurig, aber voller Zuversicht. Die wird uns auch in dem diesjährigen Passions-Motto „Mit Gefühl, 7 Wochen ohne Härte“ vermittelt, denn es lädt uns Tag für Tag zum mitfühlenden Umgang in unserem Leben ein! Wie gut, wenn es uns auch danach weiter begleitet, probieren wir es doch immer wieder aus!
U. Wiebe, Schloß Ricklingen