Verlangen nach dem Nichts - 11.2.17

Was Menschen wirklich bewegt, erfährt man manchmal, wenn man sie gefragt, sondern einfach nur liest, was sie von sich geben. Und so habe ich mal wieder im Gästebuch der Sigwardskirche geblättert. Es liegt im Eingangsbereich aus und da die Kirche jeden Tag geöffnet ist, kann sich jeder Besucher während des Besuches eintragen.

Es ist nicht nur interessant, wo die Menschen herkommen – aus ganz Deutschland, auch Frankreich oder Italien und sogar Japaner haben sich verewigt. Es ist auch faszinierend, was sie bewegt. Denn das sind nicht nur die Fresken in der Kirche, sondern auch (und gefühlt gleichwertig) die Atmosphäre und die Stille in diesem sakralen Raum.

Bei einer Gesellschaft, bei der sich alles schneller bewegt und sich jeder irgendwie daran gewöhnt hat, ist es bemerkenswert. Denn heute geht alles sofort, warten ist out. Die Erkenntnis ist: Stille hat einen Wert, einen Erholungswert für Geist und Seele. Einfach mal in eine Bank setzen und die Gedanken schweifen lassen. Vielleicht geht es in der Sigwardskirche sogar noch besser als beispielsweise in der Stiftskirche in Wunstorf, weil sie kleiner, man könnte fast sagen „intimer“ ist. Deswegen ist im Gästebuch auch immer das Wort „Kleinod“ zu lesen, ein Wort, was im normalen Wortschatz ausgestorben ist.

Diese Stille kann man gut eine Zeit aushalten, da sollte keiner drängeln. Wie lange eine Stille gut ist, hängt von jedem Menschen ab: Was wir erlebt haben, was uns bewegt, was vor uns liegt. Sie berührt jeden Menschen, egal welchen Glaubens und auch die Atheisten.

Für die Christen bietet die Stille aber noch etwas Besonders, dieses gewisse Extra. Bereits im Psalm 62 steht: Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Denn die Stille schafft Raum für das Zwiegespräch mit Gott und für das Gefühl der Geborgenheit. Auch das Verlangen nach dem materiellen Nichts ist in uns drin: Geborgenheit brauchen nicht nur Kinder sondern alle, immer wieder.

Probieren Sie es einmal aus: Es wird eine gute Zeit.

Prädikant Jörg Mecke, Idensen