Ostern für alle 31.3.18

Wir können uns nicht verstecken

vor den Dingen der Zeit

in den Glauben.

Aber auch nicht vor dem Glauben

in die Dinge der Zeit.

Auf dem hellen Eichensarg blinkt ein kleiner Silberlöffel. Zu ihren Lebzeiten hatte die Verstorbene verfügt: „Wenn ich einmal sterben werde, dann legt mir zum Abschied einen Dessertlöffel auf den Sarg.“ „Aber warum einen Nachtischlöffel, liebe Großmutter? Warum keine Blumen?“ Da hatte sie gelacht: „Wisst ihr, immer wenn ich beim Essen den kleinen Löffel vor meinem Teller liegen sah, dann wusste ich: das Schönste, das kommt noch. So ist es auch jetzt, wenn ich sterbe. Das Schönste kommt zum Schluss.“

Vor Tische sieht das Leben oft ganz anders aus. Sitzen wir erst festlich beieinander, so erkennen wir uns ganz neu. Wer bin ich? Und wofür stehe ich? Erzählen wir von dem, was wir erreicht, geschaffen und uns gelungen ist? Oder beklagen wir lieber unser Leid und das der Welt? Nur manchmal erklingt zwischen uns etwas ganz Neues. Es ist wie eine dritte Stimme. Etwas Erhabenes. Es lässt unsere Herzen höher schlagen. Unser Gemüt erhebt unsere Seele. Für Sekunden sind wir frei von Last und Stolz. Dann sind wir nur wir selbst.

„Siehe, das ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Wohlgefallen.“ (Matthäus 17,5) Gott, der so uns spricht, wirbt um uns und unser Leben. Nicht Ruhm noch Schmach ist ihm verheißen. Sondern ein Platz im Himmelreich. Sich daran zu erinnern, bedeutet Ostern zu feiern.

Pastor Tilman Kingreen, Hannover