Wenn die graue Theorie der Dogmatik versagt, hilft oft ein Blick vor die eigene Haustür. Wir Menschen aus Wunstorf und umzu haben schließlich das Steinhuder Meer direkt vor der Nase – und damit das perfekte Anschauungsmaterial für die Dreifaltigkeit. Nehmen wir doch einfach das Element, das unsere Region am meisten prägt: das Wasser.
Wasser ist ein faszinierender Stoff. Es kommt in drei völlig unterschiedlichen Zustandsformen vor, bleibt aber im Kern immer absolut dasselbe.
Da ist der er flüssige Zustand: Das ist das klassische Wasser, wie wir es im Steinhuder Meer vorfinden (wenn nicht gerade die Sonne den Schlamm freilegt). Es trägt die Boote, es erfrischt uns an heißen Tagen, man kann darin schwimmen, daran entlangflanieren, dabei ein Eis essen, ein Fischbrötchen oder ein kühles Getränk genießen. Das Wasser ist greifbar, lebendig und lebensnotwendig.
Der feste Zustand: Wenn es im Winter richtig knackig kalt wird, verwandelt sich das Wasser in Eis. Auf einmal kann man darauf laufen. Es wird fest, stabil und bietet ein verlässliches Fundament für Schlittschuhläufer.
Und der gasförmige Zustand: Steigt im Sommer der Nebel am frühen Morgen über den Wiesen des Toten Moores auf, sehen wir Wasserdampf. Er ist flüchtig, fast unsichtbar, zieht durch die Luft und lässt sich mit den Händen nicht greifen. Dennoch ist er da und verändert die gesamte Atmosphäre.
Sehen Sie? Drei völlig unterschiedliche Erscheinungsformen: Flüssigkeit, Eis und Dampf. Und doch würde kein Mensch behaupten, es handle sich dabei um drei verschiedene Stoffe. Es ist und bleibt nun einmal H2O. Genau so verhält es sich mit der Dreifaltigkeit. Gott zeigt sich uns als der Vater – der Schöpfer, der das große Ganze fest in den Händen hält, verlässlich wie ein dickes Wintereis. Wenn es denn einmal richtig friert, und das Eis tragfähig wird. Da hat Gott dem Wasser etwas voraus. Er ist auch im Kleinen treu und so gar nicht wetterwendisch.
Er zeigt sich uns im Sohn – Jesus Christus, der als Mensch aus Fleisch und Blut über diese Erde ging, greifbar, nahbar und lebendig wie das fließende Wasser. Und er zeigt sich uns im Heiligen Geist – der unsichtbaren Kraft, die uns begeistert, uns bewegt und wie ein frischer Wind oder feiner Nebel durch unser Leben weht, ohne dass wir ihn festhalten könnten. Wer also das nächste Mal am Ufer steht und auf die Wellen blickt, hat die beste Trinitatis-Predigt direkt vor Augen. Ganz ohne theologisches Diplom.
Ihnen ein herzliches Moin und ein gesegnetes Wochenende.
Prädikant Holger Kipp