Vom Scheitel bis zur Sohle – so ist ein Protestant

Michaelisempfang 2016 in der Wunstorfer Stiftskirche

180 Gäste beim Kirchenkreisempfang in der Wunstorfer Stiftskirche

„Wir sollen frei sein, um dem Menschen zu dienen“ – zehn Kinder singen Martin Luthers Grundidee in der Stiftskirche. Hinter Ihnen steht eine mannshohe Playmobilfigur, in der linken Hand eine Feder zum Schreiben, in der rechten Hand eine Bibel. Es ist Martin Luther als Spielfigur. Der Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf hat zum Michaelsempfang eingeladen, „eine gute Möglichkeit um sich seines lutherischen Profils zu vergewissern“, sagt Superintendent Michael Hagen.

Und so spielerisch wie die Figur hat Dr. Melanie Beiner von der Evangelischen Erwachsenenbildung den 180 Gästen die reformatorische Grundidee erklärt. Nach und nach zieht sie eine Schaufensterpuppe an: Auf den Kopf setzt Beiner der Puppe einen Hut mit Feder – die Feder als Zeichen dafür, dass Menschen sprachfähig sein sollten durch Bildung. Die Feder ist auch Zeichen der Freiheit: Vernunft statt Macht, Kritik statt Gehorsam, „das ist der protestantische Geist“, sagt die Rednerin.

Als Oberbekleidung wählt Beiner ein leichtes Hemd: Denn Protestanten sollten sich auch verletzlich und ohne dickes Fell zeigen können. „Allein aus der Gnade Gottes sind wir das, was wir sind“, betont die Theologin. Um den Hals legt sie der Puppe eine Kette mit einem Kreuz: solus christus (nur durch Christus) werden wir Freunde Gottes, sagt sie. Zum protestantischen Profil gehört auch immer harte Arbeit: so drückt sie der Schaufensterpuppe ein paar Sonnenblumen in die Hand. Denn jeder Prostestant ist auch ein Gärtner, der sich die Hände schmutzig macht, um  anderen Menschen zu helfen oder radikales Gedankenunkraut auszureißen. Das Schuhwerk ist leicht gewählt – ein Sommerschuh. Denn die Protestantin weiß: aufgrund des Glaubens steht sie auf festem Grund, müsse sich aber stets umschauen in der Welt, um den Glauben weiterzugeben. So wie Martin Luther, der einst vor 500 Jahren sagte: „Man muss dem Volk aufs Maul schauen.“ Durch diese Einstellung wurde die Kirche reformiert – vom Scheitel bis zur Sohle.