U n e r h ö r t! #z u h ö r e n - 18.8.18

„Unerhört!“ Was löst diese knappe Aussage in Ihnen aus? Für viele ist das wohl ein Ausdruck von Empörung – da gehört sich etwas nicht. Und tatsächlich, wenn wir uns in der Gesellschaft umschauen, ist vieles beklagenswert: Allein Erziehenden fehlt es an Geld und Unterstützung, Kinder wachsen in Armut auf, bezahlbarer Wohnraum wird zur Mangelware, Menschen stoßen bei ihren Arbeits- und Ausbildungsbemühungen auf große Hürden…

Empörung ist also durchaus berechtigt. Dass die soziale Ungleichheit wächst, meinen knapp 2/3 der Befragten nach einer repräsentativen Studie der Diakonie. Unter anderem aus diesem Grund hat die Diakonie Deutschland für die nächsten 3 Jahre eine Kampagne mit dem Obertitel „Unerhört!“ aufgelegt. Dabei geht es nicht alleine um den Hinweis auf die soziale Schieflage im gesellschaftlichen Gefüge. Der Begriff deutet auch darauf hin, dass da Menschen in ihrer Situation, mit ihren besonderen Erfahrungen und Fragen nicht gehört, nicht wahrgenommen werden – eben unerhört sind.  

Damit erschließt sich auch der zweite Begriff: Man muss sich Zeit zum Zuhören nehmen, um genau erfassen zu können, wie es jemandem geht, welche Hoffnungen und Wünsche er hat, was er gerne ändern würde. Erst danach hätten Hinweise und Ratschläge ihren Platz, und es könnten Handlungsschritte geplant werden.

Kontakt und Austausch finden heutzutage vermehrt in den sozialen Medien statt – das Raute-Zeichen (Hashtag) macht deutlich, dass die Diakonie die Diskussion auch auf diesen Kanälen sucht und ihn dort befördern möchte.

Die örtliche Diakonie hat sich dazu entschieden, das Motto „Unerhört! #zuhören“ für die Woche der Diakonie Anfang September zu verwenden. In vielen Veranstaltungen und Gottesdiensten wird es um das Zuhören gehen, um das Wahrnehmen von sozialen Fragen und Nöten. Das wird auf die bewährte „analoge Art“ geschehen, also im direkten persönlichen Miteinander - sicherlich authentisch, viel-leicht hier und da sehr berührend.

Ob analog oder digital, wichtig bleibt die Folgerung, dass es nicht beim Zuhören allein stehen bleiben kann, sondern dass nach guter christlicher Tradition den Worten Taten folgen müssen. Und das wäre dann vielleicht auch schon der Themenkreis für das nächste Jahr…  

Reiner Roth, Kirchenkreissozialarbeiter