Macht euch (nicht) selbst zum Affen - 3.2.18

Thomas GleitzErneut ist die Autoindustrie ins Gerede gekommen. Affen- und Menschenversuche sollten nachweisen, dass Abgase weniger bedrohlich sind, als angenommen. Zu Recht ist die Empörung über solche Versuche groß, zumal außer für PR-Zwecke kein Nutzen erkennbar ist. Eine neue Erkenntnis lässt sich so nicht gewinnen. Die Belastung durch Abgase ist seit Jahren offensichtlich zu hoch. Pflanzen, Menschen und Gebäude sind durch die Lasten unseres Individualverkehrs nachhaltig geschädigt. Die meisten von uns beteiligen sich aktiv an diesem Großversuch. Wenn ich mich an den Stadtgraben stelle und in die vorbeifahrenden Autos sehe, sitzt fasst immer nur eine oder einer darin. Schwere, geräumige Fahrzeuge werden bewegt, um eine Handtasche zu transportieren. Wir alle atmen als Versuchstiere die Abgase ein. „Macht euch die Welt untertan“, heißt es in der Schöpfungsgeschichte der Bibel. Gemeint ist aber nicht die gnadenlose Unterwerfung, sondern die verantwortliche  Fürsorge. Die gescholtene Industrie kann sich solche abscheulichen Versuche leisten, weil die Lobby für das Auto ungebrochen ist.  Wir kaufen und nutzen es weiter, selbst für kürzeste Wege. Wie wäre es darum, die kommende Fastenzeit zu einem anderen Selbstversuch zu nutzen: Sieben Wochen lang das Auto gar nicht oder nur für Strecken ab zehn Kilometern einsetzen? Ein Selbstversuch, der Abgase deutlich reduziert und die eigene Fitness voran bringt. Sieben Wochen von Aschermittwoch bis Ostern sind überschaubar. Vielleicht aber tragen sie dazu bei, dass wir auch in Zukunft das Loblied auf die Schöpfung singen können: „Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt.“ Psalm 104, 1

Pastor Thomas Gleitz, Stiftskirche Wunstorf