Geh aus mein Herz - 16.6.18

Geh aus mein Herz und suche Freud!

Der sommerliche Mai hat bei vielen schon Vorfreude auf den bevorstehenden Urlaub ausgelöst. In der Sonne liegen, relaxen, Zeit für sich und die Familie. Die meisten freuen sich auf die sommerliche Ferien- und Urlaubszeit. Viele planen Reisen zu sonnensicheren Zielen. Auch wenn die Standards der Hotels immer komfortabler werden, gehört ein gewisses Maß an Reduzierung dazu. Man rückt zusammen, nimmt nur das Nötigste mit. Mancher tauscht die festen Wände der eigenen Wohnung gegen Wohnwagen oder gar Zelt. Neugierig nehmen wir die Kultur und die Sehenswürdigkeiten der Reiseländer in uns auf. Leicht und beschwingt zieht es uns in die Welt. Seit Jahren gelten Deutsche als Reise-Weltmeister.

In den vergangenen Jahren kommen uns aus den Reiseländern immer mehr Menschen entgegen - Geflüchtete, die eine neue Heimat suchen. Das, was bei uns frühsommerliches Wohlbefinden auslöst, bewirkt anderenorts eine Verschärfung der Dürre. Trinkwasser ist knapp. Das wenige Wasser ist oft für die zahlungskräftigen Kunden in den Hotels reserviert. Ein blauer Hotelpool bringt höhere Einnahmen als ein grünes Feld.

So reisen die Einen mit Kreuzfahrtriesen in den Süden, die anderen mit Schlauchbooten in den Norden. Diese ungerechte Verteilung kann man nicht ignorieren. Selbst innerhalb Europas ist zu spüren, dass die Bereitschaft zur Solidarität nachlässt. Vom gemeinsamen Markt mit offenen Grenzen möchten alle profitieren. Die Lasten von Klimawandel und Flüchtlingsströmen sollen hingegen einige wenige alleine tragen.

Ich reise gerne, aber mein Herz reist mit. Mit offenen Sinnen nehme ich wahr, was in der Welt geschieht. Die Bibel spricht von Gott als die Liebe. Von dieser Liebe und Solidarität gerade gegenüber den Schwächsten will ich auch im Sommer erzählen. Ich selber kann und mag nicht ruhn…

Thomas Gleitz, Pastor an der Stiftskirche Wunstorf