Gebet ist kein Einzelsport - 13.7.19

Als Kind habe ich gedacht, dass Beten sei, als würde man einen Groschen in den Kaugummiautomaten werfen.  Oben wirft man das Gebet ein und unten kommt das erbetene Ergebnis wieder raus. Als würde man Gott beim Beten eine Wunschliste überreichen und der würde, ähnlich wie der Weihnachtsmann, diese dann erfüllen.

Doch wenn ich jetzt bete ist es anders. Ich bete für meine Familie und meine Freunde, und für die, die Schmerz und Leid in der Welt ertragen müssen. So bringe ich vor Gott, was mich bewegt. Aber manchmal fehlen mir auch die Worte.

Ich glaube, dass es im Gebet weniger um das geht, dass wir bekommen wollen, sondern um das, was Gott will. Denn das Gebet ist kein Einzelsport. Wenn überhaupt, dann ist es eher mit einem Staffellauf zu vergleichen. Es ist das, was wir füreinander und was wir für die Welt tun können. Wenn wir beten, halten wir uns und die Menschen, an die wir dabei denken, Gott hin. Man könnte sagen: Wir legen sie Gott ans Herz. Und dann geben wir unser Gebet an die nächste Person weiter, die dasselbe tut. Und diese Gebete, diese Zeiten, in denen wir andere Gott hinhalten, sind wie dünne Fäden, die uns mit Gott, aber auch untereinander verbinden. Wenn wir für jemanden beten, dann werden wir durch Gott mit dieser Person verbunden. Und durch diese Person werden wir wiederum mit Gott verbunden. Vielleicht sind diese dünnen Fäden, die uns untereinander und mit Gott verbinden, Gottes Weg unsere zerbrochene Menschheit wieder zusammenzunähen. Mit jedem Gebet füreinander, spinnen wir einen neuen Faden, der die Verbindung stärkt, zwischen uns und zwischen Gott.

Pastorin Marit Ritzenhoff, Luthe