Durstig - 30.12.17

Seine Kehle war trocken, der Schweiß lief seinen Nacken hinunter. Es war Hochsommer, 36 Grad. Brütende Hitze und ein schattiges Plätzchen suchte er gerade vergeblich. Für den tollen Ausblick hatte er schon gar kein Auge mehr. Er setzte einfach nur einen Fuß vor den anderen. Der Abstieg war fast anstrengender als der Aufstieg und er hatte kein Wasser mehr, die letzten Schlucke hatte er vor einer Stunde getrunken, jetzt war die Flasche leer, kein einziger Schluck war mehr übrig.

Die letzten Meter fühlten sich endlos an. Unten im Tal angekommen steht seine Freundin am vereinbarten Treffpunkt, ohne viel Worte, streckt sie ihm eine Flasche Wasser entgegen. Er lächelt sie dankbar an, genau das brauchte er jetzt.

In der Jahreslosung heißt es: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

Durstig, das war er wirklich. Er konnte sich nicht erinnern je so durstig gewesen zu sein. Sein ganzer Körper hatte sich nach Wasser gesehnt. Eine Zeit lang ging es noch ganz gut, aber er hatte gespürt, wie seine Kraft nachließ und seine Beine schwer wurden. Er trinkt in langen Schlucken die Flasche leer. Es dauerte nicht lange, dann spürte er, dass er sich erholt hatte und so konnten sie zusammen zurück zum Hotel gehen.

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Wenn man so richtig durstig ist und sich die Gedanken nur noch um Wasser drehen, dann merkt man, wie wichtig Wasser für das Überleben ist. Ohne Wasser stellt der Körper irgendwann seinen Dienst ein. Und Gott schenkt uns von diesem Wasser, das uns lebendig macht, das uns erfrischt und wieder neue Kraft gibt. Wenn wir ausgelaugt und kraftlos sind, weil wir Sorgen haben oder eine Krankheit uns schwächt können wir darauf vertrauen, dass Gott uns wieder neue Kraft gibt. Kraft, die uns auch Durststrecken überwinden lässt. Er gibt uns neue Lebensgeister und lässt uns den Weg weiter gehen.

Vikarin Ann-Karin Wehling