Das Jahr geht still zu Ende, nun sei auch still mein Herz (EG 63) - 28.12.19

Die Weihnachtsfeiertage liegen hinter uns. Für manch einen ist das Weihnachtsfest viel zu schnell verflogen, die Zeit mit der Familie zu schnell vergangen. Andere sehnen sich nach etwas Ruhe und Erholung.

In Gottes treue Hände leg ich nun Freud und Schmerz.

Die Zeit zwischen den Jahren ist nicht selten eine Zeit, in der wir nicht nur Pläne für das neue Jahr schmieden, sondern auch den Blick zurück wagen. Doch die Verlegenheit, die es mit sich bringt, wenn wir über das vergangene Jahr nachdenken, ist allenthalben mit den Händen zu greifen. Der Umwelt geht es immer schlechter, die Zahl bewaffneter Konflikte ist weiterhin alarmierend hoch und auch in Deutschland lässt sich das Thema Armut nicht mehr wegdiskutieren.

Warum es so viel Leiden, so kurzes Glück nur gibt?

Wenn ich so auf das vergangene Jahr zurückblicke, dann drängt sich mir ganz unweigerlich eine Frage auf, die mein dreijähriger Sohn immer wieder und mit aller Beharrlichkeit stellt – die Frage nach dem Warum. Im Laufe meines Lebens ist mir dieses neugierige Fragen zunehmend abhandengekommen.

So manches Aug gebrochen und mancher Mund nun stumm, der erst noch hold gesprochen: du armes Herz, warum?

Und so schwingt es bei jedem Jahresrückblick mit, doch kaum einer traut sich, es laut auszusprechen – wohlwissend, dass die Antwort auf das Warum in uns selbst schlummert. Wohlwissend, dass auch das kommende Jahr neue Fragen aufwerfen wird.

Hier gehen wir und streuen die Tränensaat ins Feld.

Wenn ich mich umdrehe und zurückschaue, dann sehe ich eine Reihe von Schreckensnachrichten aus dem vergangenen Jahr. Aber ich blicke auch zurück auf Weihnachten und auf das Licht, das Jesus in unsere Welt gebracht hat. Ein Licht, das sich nicht beirren lässt und unerbittlich dort scheint, wo es gebraucht wird. So verspricht es der Immanuel, der „Gott mit uns“: Siehe, ich bin bei euch, alle Tage bis an der Welt Ende. Und so blicke ich voller Hoffnung auf das neue Jahr.

Vikarin Hanna Lausen, Kirchengemeinde Kolenfeld