Dankbarkeit öffnet Fenster - 5.10.19

Wie geht das: ein langes und zugleich erfülltes Leben zu führen? Unsere Lebenszeit ist kostbar. Sie ist aber auch sehr kurz. Wie herrlich blühen gerade noch in Parks und Gärten die letzten Blumen. Äpfel fallen von den Bäumen. Wir sammeln sie in Körbe. In den letzten Sommersonnenstrahlen zieht der Wald sein goldenes Kleid an. „Nutzt eure Jahre“, ruft uns diese Natur zu. „Lebt.“ Wir leben nicht, weil uns glückliche Jahre versprochen wurden. Woher leitet sich dieser Anspruch ab? Wir leben, weil wir geschaffen wurden. Das Leben? Das sind wir. Wir sollen daraus etwas machen. Leben ist unsere Berufung. Leben ist unsere Mission. Leben beschreibt die Kunst, sich nicht ablenken zu lassen, sondern zu tun, was andere und mich erfüllt. Und wenn es hagelt, schneit und stürmt? Wenn Zeiten kommen, wo die Begeisterung nachlässt, die Erfolge ausbleiben und wo es Enttäuschungen gibt? Dann ist es an der Zeit, sich seiner bisherigen Lebensernte zu erinnern. Sie zu würdigen. Wir können sie nicht größer machen. Wir können aber viel dafür tun, dass sie nicht kleiner wird oder gar verkümmert. Früchte können verderben. Das gibt zu denken. Wir sollen unseren Lebensertrag einsetzen. Ihn mehren und der nächsten Generation zur Verfügung stellen. Damit andere satt werden. Der Apostel Paulus schreibt: „Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir liegt. (Phil 3,13)“ Am Erntedankfest schauen wir nach vorn. Es ist wie ein Fenster in die Zukunft. In großer Dankbarkeit für alles, was ist, leben wir erwartungsvoll. Lasst Eure Sorgen nicht zu groß werden. Das Leben schaut nach vorn. Bis zum Horizont. Dorthin, wo Himmel und Erde sich vereinen.   

Tilman Kingreen, Pastor in Wunstorf und Hannover