Dürfen wir zufrieden sein? - 24.6.17

Was für eine Frage! Wer etwas erreichen will, kann doch nicht zufrieden sein! Unzufriedenheit ist eine Triebfeder unserer Leistungsgesellschaft. Denn wer zufrieden ist, muss seine Leistung nicht weiter steigern. Aber die Leistung soll doch immer weiter gesteigert werden oder nicht? Und wer zufrieden ist, könnte keine großen Wünsche mehr haben, muss nicht noch mehr konsumieren. Werbung würde dann ins Leere laufen. Wer alles hat, was für das eigene Leben wichtig ist, muss nicht das kaufen, was gerade „in“ ist.

Im Blick auf Herausforderungen in unserer Gesellschaft kann niemand zufrieden sein. Engagierte Menschen können Veränderungen bewirken. Dabei ist niemand von uns in der Lage, die (ganze) Welt zu retten – wir können uns nur in dem Maße einsetzen, wie es uns möglich ist.

Und trotzdem ist die Frage berechtigt: dürfen wir zufrieden sein?

Ich meine: ja, wir dürfen zufrieden sein. Zumindest wenn wir haben, was wir zum Leben brauchen – und davon haben die meisten von uns genug. Und dann wäre Zufriedenheit zutiefst sinnvoll: der Drang, immer noch mehr anzustreben, wäre nicht mehr da. Und wer in dieser Weise zufrieden ist, kann in sich selbst ruhen, und vielleicht auch in Gott.

In den Psalmen, dem Liederbuch des Alten Testaments, findet sich ein Aufruf, zufrieden zu leben, weil Gott sorgt: „Sei nun wieder zufrieden, meine Seele, denn der HERR tut dir Gutes.“ (Psalm 116, 7).

Das Gute in Gott suchen und entdecken, kann helfen, innere Zufriedenheit zu finden.

So können wir auch zu neuer Motivation und Kraft kommen, um uns für nötige Veränderungen einsetzen und Probleme anpacken können. Zufrieden werden bedeutet schließlich nicht, seinen Egoismus zu pflegen, sondern einen inneren Ruhepunkt zu finden. Die gerade begonnenen Sommerferien sind eine gute Möglichkeit, Zufriedenheit zu suchen und einzuüben.

 

Das wünscht Ihnen Ihr Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren