Andachten 2018

Andachten im Wunstorfer Stadtanzeiger 2018

Wir haben eine Skulptur bekommen!

Der spanische Bildhauer M. Donato Diez hat sie gemacht und sie heißt „Familie“. Sie ist aus einem Walnussholz gearbeitet, es ist eine schlichte Figur, zwei Erwachsene und ein Kind davor. Aus einem Holz und ganz verbunden. Ich lese ein bisschen über den Künstler: „Der Mensch mit all seinen Facetten, wie er ist oder sein will, interessiert den Künstler“ schreibt eine Zeitschrift und: „Auf das Wesentliche, das Typische reduziert“ sind seine Figuren, zeitlose Prototypen.

Familie, dabei denke ich an enge Bindungen. Familie schafft Zugehörigkeit, sie trägt zum Selbstbild bei und sie bildet eine Basis für spätere dauerhaft angelegte Beziehungen. Die Familie, in der wir aufwachsen, prägt uns und unser Leben. Im günstigen Fall finden wir in ihr Geborgenheit, wie auch Wachstums- und Entwicklungsmöglichkeiten. Und entwickeln in ihr Vertrauen zu anderen wie auch Selbstvertrauen zu uns.

Erfahrungen von Brüchigkeit von Familie lässt D. Speck in seinem Roman „Bella Germania“ die Hauptdarstellerin so beschreiben: „Familien waren unbeständige Konstrukte auf Zeit, gebaut auf Gefühle, die vergehen, Hoffnungen, die verblassen und Konventionen, die zerbrechen.“ Familie wurde als wackelig erlebt. Man durfte sich nicht auf sie verlassen.

Jesus hat familienkritisch seiner eigenen Familie gegenüber seine Jünger und Jüngerinnen als wahre Familie bezeichnet.

In der Ev. Lebensberatung arbeiten wir mit Familien, mit Paaren und mit Einzelnen. Alle haben eine Familie, aus der sie kommen, eine Herkunftsfamilie. Viele setzen sich in der Beratung auch kritisch mit ihrer Familie auseinander und entscheiden, wie sie ihr eigenes Leben und ihr Familienleben gestalten möchten.

Ich betrachte die Skulptur und empfinde es so: Sie zeigt den Wunsch, Familie zu sein. Das schließt andere Erfahrungen ein. Sie passt zu uns.

Christine Koch-Brinkmann, Leiterin der Lebensberatung für Einzelne, Paare, Familien / Supervision der Evangelisch-lutherischen Kirchenkreise Grafschaft Schaumburg und Neustadt-Wunstorf.

Mich bedrückt das Geschehen in Münster. Weil ich als Seelsorger weiß, wie schwer es für Angehörige und Betroffene ist, ein solches Schicksal anzunehmen, wenn die Tat so sinnlos ist. Wenn Leben und Gesundheit von Menschen so wenig wertgeachtet werden, jemand so weit geht, um zuletzt die Aufmerksamkeit, die große Öffentlichkeit auf sich zu lenken.

Wir sollten besser miteinander umgehen. Wir sollten mit unserem Mitgefühl an der Seite der Opfer stehen, Ihnen durch Blumen und Worte Trost spenden, aber öffentlich möglichst wenig über die Motive und Lebensumstände des Täters spekulieren, reden und berichten. Das erst schafft eine Aufmerksamkeit, auch für andere.

Erschreckend, wie schnell Mutmaßungen als Gewissheiten gelten, wie Menschen ohne jede Kenntnis von Umständen und Hintergründen Schuldzuweisungen treffen und daraus Forderungen ableiten. Da war sofort wieder von ‚Merkeltoten’ die Rede.

Erschreckend, wie schnell Menschen urteilen, andere verurteilen, ausgrenzen wollen und für alles verantwortlich machen.

Das hilft den Opfern nicht und macht unser Leben nicht besser oder sicherer.

Wir werden nur in Frieden miteinander leben, wenn wir einander als Menschen achten, auch in unserem Anderssein.

Weder Aussehen noch Herkunft, weder Religion noch Tradition dürfen ein Grund sein, andere Menschen zu verachten, ihnen Gewalt anzutun.

In den evangelischen Kirchen feiern wir diesen Sonntag den guten Hirten.  Und Konfirmationen. Der Psalm 23 gehört zum Glauben aller Christen: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln!“ Darin hat Jesus sich erkannt, weil Gott sich um alle Menschen kümmert, sagt er von sich: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.“ (Johannesevangelium 10, 14+15). Und dann sagt er, seine Zuwendung gelte ebenso den anderen Schafen, die nicht aus diesem Stall sind.

Darum treten wir als Christen mit unserem Leben nicht gegen andere an sondern für andere ein. Suchen, was das Leben und Miteinander aller Menschen fördert und lebenswert macht.

Das Bild von Gott, dem guten Hirten aller Menschen, kann helfen uns nicht über andere zu erheben. Eine verbale Abrüstung im Reden übereinander hat Margot Käßmann gerade gefordert. Sie kann uns zu mehr Respekt und Achtsamkeit führen.

Einen gesegneten Sonntag und (besonders denen, die konfirmiert werden): Herzlich Gott befohlen!

Ele Brusermann, Pastor in Mandelsloh

Jetzt sagen sie wieder Ja. Die jungen Leute, die sich auf ihre Konfirmation vorbereitet haben. Ich bewundere sie oft.

Sie nehmen Kirche ernst. Mehr als das viele Erwachsene tun. Sie haben sich mindestens ein Jahr lang mit Glaubensfragen beschäftigt. Sie sind meistens pünktlich beim Konfirmandenunterricht gewesen. Sie sind mit der Kirchengemeinde weggefahren. Sie haben Gottesdienste besucht und womöglich sogar selber welche gestaltet. Sie haben in der Gemeinde mitgeholfen.

Nun lassen sie sich konfirmieren. Sie sagen Ja zu ihrer Taufe – und gern auch Ja zur Kirche, wenn diese ihnen nicht blöd gekommen ist.

Hier und da werden Jugendliche auch aus der Kirche hinauskonfirmiert. Da, wo sie immer als Störung und nicht als Bereicherung betrachtet wurden. Da, wo man ihnen keine Träne nachweint. Da wollen sie nicht bleiben. Dazu sagt niemand Ja.

Eigentlich komisch. Bei der Konfirmation werden die Jugendlichen besonders gesegnet. Segnen heißt in den alten Sprachen der Kirche – in Hebräisch, Griechisch und Latein – so was wie „Gutes sagen“ oder „loben“.

Wenn ab morgen in den Gemeinden Konfirmationen gefeiert werden, dann wünsche ich den Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass sie dort gelobt werden. Das ist gar nicht so schwer. Auch wenn sie manchmal laut sind oder frech oder unkonzentriert, eigentlich sind Jugendliche leicht zu loben. Alle! Die können was, die wollen was, die haben uns was zu geben: Lebensfreude, Power, Witz und Glauben. Dafür seien sie gelobt, wenn sie morgen oder an einem der nächsten Sonntage „Ja“ sagen. Dann werden sie spüren, dass sie gesegnet sind.

Loben Sie die Konfis! Und wenn es in Ihrer Nähe gerade keine Jugendlichen gibt, die konfirmiert werden? Weil die Jugendlichen gerade nicht im richtigen Alter sind. Oder katholisch. Oder muslimisch. Oder ohne Religion.

Macht nichts. Loben Sie auch diese Jugendlichen. Das kann nicht schaden. Vergessen Sie nicht: Ein Lob legt Segen auf einen Menschen. Wer könnte das nicht gut gebrauchen?

Andreas Behr, Dozent für Konfirmandenarbeit am RPI Loccum

Wir können uns nicht verstecken

vor den Dingen der Zeit

in den Glauben.

Aber auch nicht vor dem Glauben

in die Dinge der Zeit.

Auf dem hellen Eichensarg blinkt ein kleiner Silberlöffel. Zu ihren Lebzeiten hatte die Verstorbene verfügt: „Wenn ich einmal sterben werde, dann legt mir zum Abschied einen Dessertlöffel auf den Sarg.“ „Aber warum einen Nachtischlöffel, liebe Großmutter? Warum keine Blumen?“ Da hatte sie gelacht: „Wisst ihr, immer wenn ich beim Essen den kleinen Löffel vor meinem Teller liegen sah, dann wusste ich: das Schönste, das kommt noch. So ist es auch jetzt, wenn ich sterbe. Das Schönste kommt zum Schluss.“

Vor Tische sieht das Leben oft ganz anders aus. Sitzen wir erst festlich beieinander, so erkennen wir uns ganz neu. Wer bin ich? Und wofür stehe ich? Erzählen wir von dem, was wir erreicht, geschaffen und uns gelungen ist? Oder beklagen wir lieber unser Leid und das der Welt? Nur manchmal erklingt zwischen uns etwas ganz Neues. Es ist wie eine dritte Stimme. Etwas Erhabenes. Es lässt unsere Herzen höher schlagen. Unser Gemüt erhebt unsere Seele. Für Sekunden sind wir frei von Last und Stolz. Dann sind wir nur wir selbst.

„Siehe, das ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Wohlgefallen.“ (Matthäus 17,5) Gott, der so uns spricht, wirbt um uns und unser Leben. Nicht Ruhm noch Schmach ist ihm verheißen. Sondern ein Platz im Himmelreich. Sich daran zu erinnern, bedeutet Ostern zu feiern.

Pastor Tilman Kingreen, Hannover

Haben sie es schon mitbekommen? Die Vögel zwitschern morgens wieder! Nachdem die Kälte vergangen ist und die Tage langsam wärmer werden, erwacht die Natur schlagartig zu neuem Leben. Im März kommt (endlich!) der Frühling wieder. Dazu gehört es auch, dass man morgens wieder vom Gesang der Vögel geweckt wird. Die Vögel erinnern uns daran: Singen tut der Seele gut! Und es wirkt: Als kleiner Junge bin ich singend in den dunklen Keller gegangen – gegen die Angst. Als Pfadfinder habe ich am Lagerfeuer gesungen – von Träumen und Fernweh. Als Student habe ich im Uni-Chor gesungen – für die Gemeinschaft.

In der Bibel werden wir immer wieder dazu aufgefordert: „Singet dem Herrn in eurem Herzen!“ (Kol 3,16) Offenbar freut sich Gott, wenn ich singe. Es ist etwas ganz Persönliches zwischen ihm und mir. Musik hilft, meine Gefühle auszudrücken: Bin ich fröhlich, stimme ich ein Loblied für ihn an. Bin ich traurig, lege ich meine Sehnsucht nach Gott ins Lied. Mehr als Sprache es kann, erzählt Musik von der Nähe Gottes. Sie macht Mut, der stärkt. Sie verbreitet Fröhlichkeit, die ansteckt. Sie berührt das Herz – so sehr, dass sie andere Menschen erfasst und verbindet.

Und wenn ich nicht singen kann? Wichtiger als die Töne richtig zu treffen, ist für Gott die Einstellung des Herzens. Wo man singt, da lass dich ruhig nieder – böse Menschen haben keine Lieder. So heißt es im Volksmund und das bedeutet doch wohl: Sänger haben ein gutes Herz! Bin ich mit dem Herzen dabei, wenn ich singe? Dann darf ich auch krächzen. Meine ich ernst, was ich singe? Dann darf ich auch schief singen. Und wenn die Stimme einmal wirklich versagen sollte, dann summe ich still im Herzen mit.

„Singet dem Herrn in eurem Herzen!“ Lassen Sie sich anstiften dazu im aufbrechenden Frühling. Es gibt zahlreiche Gelegenheit: in der Kantorei, in Chören, unter Freunden, am Sonntagmorgen in der Gemeinde. Oder besuchen sie eines der zahlreichen Konzerte in der Stiftskirche oder anderswo und lassen die Seele baumeln beim Lauschen. Sie werden sehen: Es beswingt und erfüllt das Herz mit Fröhlichkeit.

Pastor Volker Milkowski, Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf

Schon morgens geht es los. Der Wecker klingelt um halb sieben. Verschlafen dreht sie sich um und denkt sich: „Nein, noch nicht, fünf Minuten sind noch drin.“ Sie findet die Schlummer-Taste und zieht sich die Decke nochmal über den Kopf. Sie hat eine Wahl getroffen, die fünf Minuten Dämmerschlaf heißen auch: fünf Minuten weniger Zeit für das Frühstück oder die Dusche.  

Und das geht den ganzen Tag so weiter. Eine Entscheidung nach der anderen.

Hirnforscher haben festgestellt, dass wir pro Tag rund 20 000 Entscheidungen treffen.

Das beginnt bei den Banalitäten des Alltags: Aufstehen oder liegen bleiben? Fahre ich mit dem Auto oder dem Fahrrad? Salat oder Currywurst mit Pommes? Nach der Arbeit noch zum Sport oder lieber auf das Sofa? Und noch vieles mehr.

Darüber hinaus gibt es weitreichende Entscheidungen, die wir treffen: Welchen Beruf will ich ausüben? Will ich eine Familie gründen? Wo und wie möchte ich wohnen?

Wir haben die Wahl auf dem Markt der Möglichkeiten – nie zuvor war Auswahl so groß wie heute.

Das führt auch dazu, dass manche Wahl zur Qual wird. Die schier unbegrenzten Möglichkeiten können uns überfordern, wir wägen das Für und Wider ab, vielleicht holen wir uns einen Rat ein und treffen erst nach reiflicher Überlegung eine Entscheidung.

Aber eine Wahl ist nicht nur eine Qual, es ist auch eine Möglichkeit sich damit auseinanderzusetzen, wofür wir stehen und was uns wichtig ist. Wir dürfen wählen und so uns und unsere Interessen einbringen.

Am Sonntag (11. März) werden in unseren Gemeinden die Kirchenvorstände gewählt. Hiermit möchte ich alle Wahlberechtigten bitten: Geben Sie Ihre Stimme ab und nehmen Sie Einfluss darauf, wer die Kirchengemeinde in den nächsten Jahren leiten wird. So können Sie mitgestalten und sich für die Dinge einsetzen, die Ihnen wichtig sind und den Ehrenamtlichen Ihrer Wahl Ihr Vertrauen aussprechen.

Ihre Vikarin Ann-Karin Wehling, Vikarin der Corvinus Kirchengemeinde Wunstorf

„7 Wochen ohne Kneifen“ – so lautet das Motto der Fastenaktion der evangelischen Kirche in diesem Jahr.

„Zeig Dich!“ Habe ich mir zusammen mit über 20 Schülerinnen und Schülern der Evangelischen IGS Wunstorf vorgenommen. Wir haben dazu im Mittagsband gearbeitet und uns überlegt, wie wir uns bis Ostern zeigen können. Zu den jeweiligen Ideen haben wir entweder Fotos gemacht oder geguckt, welche Bilder aus unserem Schulleben ‚uns zeigen’. Uns Gedankenanstöße geben – und uns sichtbar machen. 

Jeden Tag: Zeig Dich. Immer zu einem anderen Motto. „Zeig Dich – Du bist einzigartig“ ist zum Beispiel ein Plakat. Auf dem Foto sind viele Schülerinnen und Schüler, zu sehen – die in ihrer Verschiedenheit in die Kamera lachen. Und im Vordergrund macht eine Achtklässlerin gerade Handstand.

Ein anderes Plakat zeigt ein Foto, das beim Lebendigen Adventskalender im vergangenen Jahr entstanden ist – und auf dem viele fleißige Hände einen Adventskranz binden. Dieses Foto steht unter der Überschrift: Zeig Dich – bring Dich ein für die Gemeinschaft. Jeden Tag ist im Eingangsbereich der Schule ein neues Plakat zu entdecken. Und nach und nach stellen wir alle Fotos auch im Internet unter http://www.evangelische-igs-wunstorf.de/aktuelles/meldungen/2018-02-14_fastenzeit ein.

Zeig Dich! – Geh auf andere zu. Das war vor ein paar Tagen das Motto in dem Kundenstopper. Und dazu ein Bild vom Weltgebetstagslogo.

Zeig Dich! – Geh auf andere zu. An der Ev. IGS ist das ja sogar Konzept – dass Schülerinnen und Schüler auf einander zu gehen. Dass sie sich gegenseitig unterstützen und sich trauen, sich gegenseitig zu helfen, wenn jemand Hilfe braucht. Aber auch, sich zu melden und zu sagen, wenn sie selbst Unterstützung benötigen.

Zeig Dich - Geh auf andere zu: Am Weltgebetstag haben das viele, viele Menschen in den unterschiedlichen Gemeinden getan. Auch wir in der Schule haben mit einem Gottesdienst im Andachtsraum der Schule an die Menschen in Surinam gedacht, das dieses Jahr das Weltgebetstags-Gastgeberland ist.

Zeig Dich! - Geh auf andere zu. Das tut gut – hier vor Ort, zum Beispiel beim Gottesdienstvorbereiten und -feiern. Und weltweit, indem wir über unseren Tellerrand schauen und uns daran erinnern lassen, dass wir Menschen weltweit eine Gemeinschaft sind, Teil von Gottes Schöpfung.

Franziska Oberheide, Schulpastorin an der Ev. IGS Wunstorf

Erinnern Sie sich noch an die Werbung vergangener Tage, in der eine Frau wahrnimmt, dass die Wäsche nach dem Waschgang immer noch nicht ganz sauber ist und dieselbe Frau schemenhaft aus sich selbst heraustritt – quasi als eigenes Gewissen - und sich selbst fragt: „Hab ich etwa das falsche Waschmittel benutzt?“ Anfang des Jahres habe ich an einer 5-tägigen Schweigefreizeit teilgenommen. Obwohl meine Töchter spotteten, „wie ich das denn ohne zu reden 5 Tage aushalten würde“, muss ich sagen: Das war richtig klasse und erinnerte mich ein bisschen an diese Werbung. Denn es war eine Zeit des „Aus-Sich-Heraustretens“, des „Abstand-Zu-Sich-Selbst-Gewinnens“, in der mich Fragen bewegten wie z.B.: „Wie läuft es eigentlich in Ehe, Familie, Arbeit? Wie packe ich die Dinge an? Was habe ich mir anders vorgestellt? Wo bin ich unzufrieden, verrenne mich grade, was kann ich besser machen?“ und „Was beglückt mich?, Was läuft im Augenblick so richtig prima?“

Diese Zeit war wunderbar und belebt seitdem die Wochen danach. Noch jetzt zehre ich davon, denn so etwas schärft in angenehmer Weise den Blick/die Sinne für das alltägliche „Klein-Klein“.

Diese Woche hat die Passionszeit begonnen. Sie ist zwar keine intensive Schweigefreizeit, lädt aber in ähnlicher Weise dazu ein, mal einen gesunden Abstand zu sich selbst und dadurch neue Kräfte und einen schärferen Blick für den Alltag zu gewinnen. Dies geschieht, indem ich in diesen Wochen ganz bewusst den Blick über den eigenen Tellerrand werfe und auf ihn, den Christus schaue, wie er mit Menschen umgeht, was er sagt, wie er sie behandelt - wie er sein Leben einbringt und genau dadurch Leben freisetzt. Wer sich mit etwas Neugierde und Ausdauer darauf einlässt, der kann entdecken, wie fruchtbar das ist.

Impulse, wie man diese Passionszeit angemessen anpacken kann/ihr Gestalt geben kann, die werden Sie sicher in Ihrer Kirchengemeinde bei Ihrem Pastor/Ihrer Pastorin bekommen können.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine „belebende“ Passionszeit.

Ihr Pastor Claus-Carsten Möller, St. Johannes/Wunstorf

Thomas GleitzErneut ist die Autoindustrie ins Gerede gekommen. Affen- und Menschenversuche sollten nachweisen, dass Abgase weniger bedrohlich sind, als angenommen. Zu Recht ist die Empörung über solche Versuche groß, zumal außer für PR-Zwecke kein Nutzen erkennbar ist. Eine neue Erkenntnis lässt sich so nicht gewinnen. Die Belastung durch Abgase ist seit Jahren offensichtlich zu hoch. Pflanzen, Menschen und Gebäude sind durch die Lasten unseres Individualverkehrs nachhaltig geschädigt. Die meisten von uns beteiligen sich aktiv an diesem Großversuch. Wenn ich mich an den Stadtgraben stelle und in die vorbeifahrenden Autos sehe, sitzt fasst immer nur eine oder einer darin. Schwere, geräumige Fahrzeuge werden bewegt, um eine Handtasche zu transportieren. Wir alle atmen als Versuchstiere die Abgase ein. „Macht euch die Welt untertan“, heißt es in der Schöpfungsgeschichte der Bibel. Gemeint ist aber nicht die gnadenlose Unterwerfung, sondern die verantwortliche  Fürsorge. Die gescholtene Industrie kann sich solche abscheulichen Versuche leisten, weil die Lobby für das Auto ungebrochen ist.  Wir kaufen und nutzen es weiter, selbst für kürzeste Wege. Wie wäre es darum, die kommende Fastenzeit zu einem anderen Selbstversuch zu nutzen: Sieben Wochen lang das Auto gar nicht oder nur für Strecken ab zehn Kilometern einsetzen? Ein Selbstversuch, der Abgase deutlich reduziert und die eigene Fitness voran bringt. Sieben Wochen von Aschermittwoch bis Ostern sind überschaubar. Vielleicht aber tragen sie dazu bei, dass wir auch in Zukunft das Loblied auf die Schöpfung singen können: „Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt.“ Psalm 104, 1

Pastor Thomas Gleitz, Stiftskirche Wunstorf

1000 Musiker geben ein Konzert: Sie spielen „Learn to Fly“ von den Foo Fighters, eine amerikanische Rockband. Unter dem Titel „That‘s Live“ trafen sich weit mehr als 1000 Musikbegeisterte im Manuzzi-Stadion im italienischen Cesena. Gemeinsam gaben sie die größten Rocksongs der Geschichte zum Besten: Von „Born to be Wild“ bis „Seven Nation Army“, von „Come Together“ bis „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana war alles dabei. Und daraus wird eines deutlich: Wenn mehr als tausend Menschen mit ihren Instrumenten die komplette Arena eines Stadions füllen und dann im absoluten Einklang und mit sichtlich viel Spaß die größten Klassiker der Rockgeschichte spielen, ist Gänsehaut unausweichlich. Ein einmaliges Ereignis – das Organisator Fabio Zaffagnini mit einer starken Botschaft unterstrich: „Bleibt zusammen, keine Konflikte mehr und spielt Rock‘n Roll!“

Mitmachen, etwas zusammen auf die Beine stellen, sich für Frieden und Gerechtigkeit, für das Allgemeinwohl einsetzen – das ist eine wichtige Aufgabe von Kirche. Sie baut auf Christinnen und Christen, die Kirche gestalten, ihre Ideen und Begabungen einbringen und Verantwortung übernehmen. Zusammen einen guten Song spielen.

Am 11. März 2018 werden die Kirchenvorstände in Niedersachsens Kirchengemeinden neu gewählt. Allein in der Landeskirche Hannovers sind 14.000 Ämter neu zu besetzen, bei uns in der Liebfrauen- und Johannesgemeinde mehr als 20 neue Ämter. 

Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher entscheiden über Gebäude und Finanzen ihrer Gemeinde, über Personalplanung, Gottesdienstkonzepte, Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden und Partnern in Kommunen, Kultur, Schulen und Vereinen.

Etwas zu bewirken in Gemeinschaft mit anderen – das ist vielen Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern wichtig und wert, ihre Zeit und Kraft einzusetzen.

Alle Wahlberechtigten – und auch die, die erst 14 Jahre sind –  bitte ich: Begleiten Sie die Kirchenvorstandswahl am 11. März als Mitwirkende. Machen Sie Ihre Gemeinde stark, indem Sie die künftigen Akteure mit Ihrer Stimme unterstützen. Das wäre Rock´n Roll.

Pastor Marcus Buchholz, Pastor an der Liebfrauenkirche Neustadt

 

„Der Strohhalm kommt auch in die Vase. Da steht schon einer drin , den ich früher mal aus der Krippe mitnahm. Manchmal streichle ich ihn. Nun habe ich zwei, die mich hin und wieder aufrichten und mir Mut machen.“ Das sagte eine Besucherin beim Verabschieden nach dem Epiphanias-Gottesdienst, und sie war nicht die Einzige mit dem Halm in der Hand. - Im Mittelpunkt des GD hatte noch einmal die Krippe gestanden. Dazu gehörte die Geschichte vom Krippenspiel einer Gemeinde, in dem man die Besetzung von 3 Königs-Rollen vergessen hatte und spontan um Mitmach-Bereitschaft bat. - Bei uns waren nun die 3`Last minute-Könige`an die Krippe heran getreten. Sie kamen nicht mit kostbaren Geschenken, sondern mit leeren Händen und schilderten ihre jeweilige Lebenssituation. Der Erste legte seine Gehhilfe darauf ab und dankte dem Kind in der Krippe für die unerwartete  und so sehr herbei gesehnte Heilung „Ab jetzt sollst du mein Halt sein“. Der Zweite war eine Königin, die das erneute Ja zu ihrem anstrengenden, oft eintönig empfundenen, Familien-Alltag brachte .“Ich möchte dich, Kind in der Krippe, mit hinein nehmen in mein jetziges Leben.“ Der Dritte schilderte sein Leben voller Unruhe und Angst „Ich zweifle an so ziemlich allem, auch an dir, Krippenkind. Mein Herz ist voll Sehnsucht nach Vergebung, Versöhnung, Geborgenheit und Liebe. Ich bin gespannt, was du für mich bereit hältst.“ Tief beeindruckt von diesem unerwarteten Königs-Auftritt stand eine fast bedrückende, Sprachlosigkeit im Raum, bis Josef (das wurde bei uns nur erzählt) spontan zur Krippe ging, einen Strohhalm herausnahm, ihn dem 3.König in die leeren Hände gab und sagte „Das Kind in der Krippe ist der Halm, an den du dich klammern kannst.“ Weil die GD-Besucher spürten, dass wir alle mehr oder weniger Könige mit leeren Händen waren, trotz voller Taschen, kam es zu dem vorgeschlagenen Krippen-Gang, sich einen Strohhalm mitzunehmen. Uns allen wurde deutlich, dass es ganz und gar keine Schande ist, mit leeren Händen dazustehen, sondern geradezu die Voraussetzung dafür, dass man etwas entgegen nehmen kann. Gott beschenkt uns – und nicht nur zu Weihnachten- auch in diesem neuen Jahr!

Prädikantin Ursula Wiebe, Schloß Ricklingen

Aufbruchsstimmung: Das „Gloria“ der Engel zu Weihnachten steht mir noch vor Augen, in den Ohren und im Herzen. Aufbruchsstimmung: Nach knapp zweieinhalb Jahren geht meine Zeit als Vikarin und damit auch meine Zeit in der Region und im Kirchenkreis zu Ende. Umzug und Neuorientierung stehen an: Es geht nach Ströhen und Wagenfeld. Mit der Aufbruchsstimmung geht also auch ein Abschied einher: Ich mag keine Abschiede und doch gehören sie zu einem Aufbruch dazu. Mein Mann und ich packen also unsere Sachen – ich nehme mit: eine Taschenlampe und eine Straßen- und Wegekarte zur Orientierung; warme Decken und einen Tee für die Gemütlichkeit und vieles mehr. Mit im Gepäck auch die Erinnerung an zweieinhalb Jahre Kolenfeld – nach einer langen Wanderung stehen die Israeliten am Ufer des Jordans an der Schwelle zu dem Land, dass Gott ihren Vätern verheißen hatte. Sie waren aufgebrochen und hatten vieles erlebt. Es war streckenweise mühsam und holprig gewesen; andere Male war es fast wie von selbst gegangen. Sie hatten gemeinsam gelacht, aber auch manche Träne geweint. Häufig hatten sie sich gefragt: Wie mag es sein? Was hatten sie nicht alles durchgemacht und überstanden? Auch schöne Momente waren dabei gewesen; Momente der Gemeinschaft und der Geselligkeit. Jetzt standen sie am Übergang: Am Übergang ereilt sie die erneute Beistandszusage Gottes: „Sei nur getrost und unverzagt! Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut, denn ich der Herr, dein Gott, bin mit dir, wohin du auch gehst!“ Gott, der sie bis hierher geleitet und begleitet hatte, geht auch weiterhin mit. Er ist da im Übergang und über die Schwelle des Übergangs und des Abschieds hinaus – er ist mit Ihnen und Euch und mit mir im Jahr 2018 und spricht: „Sei nur getrost und unverzagt!“ Im Wissen darum lässt sich selbst ein Abschied leichteren Herzens nehmen. Am Übergang steht der Wunsch: „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand!“

Ihre und Eure Vikarin in Kolenfeld, Kerstin Wackerbarth