Andachten 2018

Andachten im Wunstorfer Stadtanzeiger 2018

„Der Strohhalm kommt auch in die Vase. Da steht schon einer drin , den ich früher mal aus der Krippe mitnahm. Manchmal streichle ich ihn. Nun habe ich zwei, die mich hin und wieder aufrichten und mir Mut machen.“ Das sagte eine Besucherin beim Verabschieden nach dem Epiphanias-Gottesdienst, und sie war nicht die Einzige mit dem Halm in der Hand. - Im Mittelpunkt des GD hatte noch einmal die Krippe gestanden. Dazu gehörte die Geschichte vom Krippenspiel einer Gemeinde, in dem man die Besetzung von 3 Königs-Rollen vergessen hatte und spontan um Mitmach-Bereitschaft bat. - Bei uns waren nun die 3`Last minute-Könige`an die Krippe heran getreten. Sie kamen nicht mit kostbaren Geschenken, sondern mit leeren Händen und schilderten ihre jeweilige Lebenssituation. Der Erste legte seine Gehhilfe darauf ab und dankte dem Kind in der Krippe für die unerwartete  und so sehr herbei gesehnte Heilung „Ab jetzt sollst du mein Halt sein“. Der Zweite war eine Königin, die das erneute Ja zu ihrem anstrengenden, oft eintönig empfundenen, Familien-Alltag brachte .“Ich möchte dich, Kind in der Krippe, mit hinein nehmen in mein jetziges Leben.“ Der Dritte schilderte sein Leben voller Unruhe und Angst „Ich zweifle an so ziemlich allem, auch an dir, Krippenkind. Mein Herz ist voll Sehnsucht nach Vergebung, Versöhnung, Geborgenheit und Liebe. Ich bin gespannt, was du für mich bereit hältst.“ Tief beeindruckt von diesem unerwarteten Königs-Auftritt stand eine fast bedrückende, Sprachlosigkeit im Raum, bis Josef (das wurde bei uns nur erzählt) spontan zur Krippe ging, einen Strohhalm herausnahm, ihn dem 3.König in die leeren Hände gab und sagte „Das Kind in der Krippe ist der Halm, an den du dich klammern kannst.“ Weil die GD-Besucher spürten, dass wir alle mehr oder weniger Könige mit leeren Händen waren, trotz voller Taschen, kam es zu dem vorgeschlagenen Krippen-Gang, sich einen Strohhalm mitzunehmen. Uns allen wurde deutlich, dass es ganz und gar keine Schande ist, mit leeren Händen dazustehen, sondern geradezu die Voraussetzung dafür, dass man etwas entgegen nehmen kann. Gott beschenkt uns – und nicht nur zu Weihnachten- auch in diesem neuen Jahr!

Prädikantin Ursula Wiebe, Schloß Ricklingen

Aufbruchsstimmung: Das „Gloria“ der Engel zu Weihnachten steht mir noch vor Augen, in den Ohren und im Herzen. Aufbruchsstimmung: Nach knapp zweieinhalb Jahren geht meine Zeit als Vikarin und damit auch meine Zeit in der Region und im Kirchenkreis zu Ende. Umzug und Neuorientierung stehen an: Es geht nach Ströhen und Wagenfeld. Mit der Aufbruchsstimmung geht also auch ein Abschied einher: Ich mag keine Abschiede und doch gehören sie zu einem Aufbruch dazu. Mein Mann und ich packen also unsere Sachen – ich nehme mit: eine Taschenlampe und eine Straßen- und Wegekarte zur Orientierung; warme Decken und einen Tee für die Gemütlichkeit und vieles mehr. Mit im Gepäck auch die Erinnerung an zweieinhalb Jahre Kolenfeld – nach einer langen Wanderung stehen die Israeliten am Ufer des Jordans an der Schwelle zu dem Land, dass Gott ihren Vätern verheißen hatte. Sie waren aufgebrochen und hatten vieles erlebt. Es war streckenweise mühsam und holprig gewesen; andere Male war es fast wie von selbst gegangen. Sie hatten gemeinsam gelacht, aber auch manche Träne geweint. Häufig hatten sie sich gefragt: Wie mag es sein? Was hatten sie nicht alles durchgemacht und überstanden? Auch schöne Momente waren dabei gewesen; Momente der Gemeinschaft und der Geselligkeit. Jetzt standen sie am Übergang: Am Übergang ereilt sie die erneute Beistandszusage Gottes: „Sei nur getrost und unverzagt! Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut, denn ich der Herr, dein Gott, bin mit dir, wohin du auch gehst!“ Gott, der sie bis hierher geleitet und begleitet hatte, geht auch weiterhin mit. Er ist da im Übergang und über die Schwelle des Übergangs und des Abschieds hinaus – er ist mit Ihnen und Euch und mit mir im Jahr 2018 und spricht: „Sei nur getrost und unverzagt!“ Im Wissen darum lässt sich selbst ein Abschied leichteren Herzens nehmen. Am Übergang steht der Wunsch: „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand!“

Ihre und Eure Vikarin in Kolenfeld, Kerstin Wackerbarth