Ich schaue aus meinem Zimmerfenster. Am Horizont formieren sich dunkle Wolken. Der Wind nimmt zu, die Bäume wiegen sich immer heftiger. Es sieht ganz danach aus, als würde sich etwas zusammenbrauen.
Unwillkürlich fällt mir das Santiano-Lied „Da braut sich was zusammen“ ein. Solche Vorboten kennen wir nicht nur vom Wetter. Auch im Leben ziehen manchmal dunkle Wolken auf: Konflikte oder die Unsicherheit angesichts der Weltlage. Eine beunruhigende Diagnose, Sorgen um die Zukunft.
In Psalm 107 wird von Seeleuten erzählt, die genau das erleben. Der Sturm peitscht die Wellen hoch, ihre Kraft schwindet. Ihre Angst wächst. Doch dann heißt es: „Da schrien sie zum HERRN in ihrer Not, und er führte sie aus ihren Ängsten. Er stillte das Unwetter, dass die Wellen sich legten." Auch die Jünger Jesu geraten auf dem See in einen schweren Sturm. Während sie um ihr Leben fürchten, schläft Jesus. Erst als sie ihn wecken, gebietet er Wind und Wellen Einhalt. Die Frage Jesu bleibt ihnen – und wohl auch uns – im Herzen: „Wo ist euer Glaube?“
Was für mich so viel heißt wie: „Wo ist euer Vertrauen?“ Das erinnert mich an ein anderes Santiano-Lied: „Im Auge des Sturms bin ich für dich da“ heißt es dort. Ein Satz, den ich gern mit Gott in Verbindung bringe. Mitten im Sturm gibt es einen Ort der Ruhe. So ist Gottes Nähe. Sie nimmt nicht jeden Sturm sofort weg. Aber sie schenkt Halt, wenn alles um uns ins Wanken gerät. Sie gibt Vertrauen, auch wenn der Himmel voller Wolken hängt.
Vielleicht braut sich auch über Ihrem Leben gerade etwas zusammen. Dann wünsche ich Ihnen diesen Ort der Ruhe in der Gewissheit, dass Gott Sie nicht allein lässt. Gott verspricht eben nicht ein sturmfreies Leben, sondern seine Gegenwart im Sturm.
Die Wolken vor meinem Fenster ziehen langsam vorbei. Ganz hinten im Horizont sehe ich Sonnenlicht. Eine neue Hoffnung für jeden neuen Tag.