Was braucht eine Stadt, damit Menschen nicht erst dann Unterstützung finden, wenn Probleme groß geworden sind? In der Begegnungsstätte Silbernkamp haben sich Bürgermeisterkandidaten der Stadt Neustadt über die Arbeit, die Angebote und die finanzielle Situation der Einrichtung informiert.
Eingeladen hatten der Diakonieverband Hannover-Land und die Begegnungsstätte. Diakonie-Mitarbeiterin Janet Breier und Begegnunsstätten-Koordinatorin Tina Heine führten durch die Räume und stellten die Angebote vor: offene Treffen, Gruppen für Kinder, Familien und ältere Menschen, Kreativ- und Bildungsangebote, Unterstützung im Alltag, Kooperationen im Stadtteil und viel Raum für ehrenamtliches Engagement.
Wie lebendig die Räume genutzt werden, zeigte sich schon während des Besuchs. In der gut ausgestatteten Küche traf sich gerade eine Selbsthilfegruppe Gruppe zum Austausch. Die Kandidaten konnten so direkt mit Nutzerinnen und Nutzern sprechen und erleben, was die Begegnungsstätte im Alltag bedeutet: ein Ort, an dem Menschen sich kennen, Hilfe finden, Ideen einbringen und Gemeinschaft erleben.
Dabei geht es nicht nur um Begegnung, sondern auch um Prävention. Der Blick auf den prall gefüllten Belegungskalender der Einrichtung und die Art der Angebote machten deutlich, dass Orte wie die Begegnungsstätte eine vorsorgende Funktion für die Stadt haben. Niedrigschwellige Angebote wie der Silbernkamp schaffen Kontakte, stärken Nachbarschaft und binden Menschen frühzeitig ein, bevor aus Einsamkeit, Überforderung oder fehlender Unterstützung größere Problemlagen werden. Prävention sei deshalb nicht nur sozial sinnvoll, sondern auch kommunalpolitisch relevant: Was früh aufgefangen wird, muss später nicht mit deutlich höherem Aufwand repariert werden, waren sich Gäste und Gastgebende einig.
„Hier geht es nicht um ein nettes Zusatzangebot“, sagte Superintendent und Vorstandsmitglied der teilfinanzierenden Stiftung St. Nicolaistift Rainer Müller-Jödicke. „Die Begegnungsstätte ist ein Stück soziale Infrastruktur. Sie stärkt Nachbarschaft, Ehrenamt und Teilhabe, bevor aus kleinen Belastungen große Probleme werden.“
Dass diese Arbeit nicht zum Nulltarif zu haben ist, machte Diakonie-Geschäftsführer Jörg Engmann in einem kurzen Vortrag zur Kostenstruktur deutlich. Die Begegnungsstätte benötigt jährlich rund 124.000 Euro. Größter Kostenblock ist das Personal mit etwa 43 Prozent. Dabei arbeitet die Einrichtung bereits mit sehr knapper Ausstattung: Für Leitung, Koordination und die Begleitung der zahlreichen Ehrenamtlichen steht nur etwa eine halbe Stelle zur Verfügung. Knapp 30 Prozent entfallen auf Miete und Nebenkosten für die gut 200 Quadratmeter großen Räume. Hinzu kommen tägliche Reinigung, Betrieb, Material und Verwaltung.
Finanziert wird die Begegnungsstätte aus mehreren Quellen. Die Stadt Neustadt beteiligt sich mit 20.788 Euro jährlich, dieser Zuschuss ist bis 2028 zugesagt. Weitere Mittel kommen unter anderem von LeineHeimat beziehungsweise Bauverein, der Diakonie als Träger, der Liebfrauenkirchengemeinde, der Diakoniestation und dem Nikolaistift. Auch geförderte Projekte und geringe Kursgebühren tragen zur Finanzierung bei.
Trotz dieser Bausteine bleibt eine Lücke von knapp 40.000 Euro im Jahr, beschrieb Engman. Das entspricht rund 30 Prozent des Finanzbedarfs. Diese Summe müsste am Ende die Diakonie als Träger auffangen. „Wir wollen deshalb Fundraising als zusätzliche Säule aufbauen.“ Kurzfristig werde das die Lücke aber nicht vollständig schließen können, machte Engmann deutlich.
Mehrere Kandidaten verwiesen im Gespräch auf die angespannte Haushaltslage der Stadt. Gerade deshalb, so wurde deutlich, werde die Frage nach dauerhaft tragfähigen Lösungen nicht einfacher. Denn: Über städtische Zuschüsse entscheidet am Ende der Rat der Stadt. Der Besuch machte aber einmal mehr sichtbar, worum es bei solchen Entscheidungen konkret geht: nicht um abstrakte Haushaltsposten, sondern um Orte, an denen Menschen Unterstützung, Kontakt und Gemeinschaft finden.
Der entscheidende Punkt für alle Beteiligten: Die Begegnungsstätte hat weniger ein Ausgaben- als ein Einnahmenproblem. „Bei Personal und Verwaltung bestehen kaum noch realistische Einsparmöglichkeiten, ohne Angebot, Verlässlichkeit und die Unterstützung der Ehrenamtlichen zu gefährden“, sagte Engmann. Spätestens für die Zeit nach 2028 braucht die Einrichtung deshalb eine tragfähigere Perspektive.
Die Begegnungsstätte Silbernkamp steht damit exemplarisch für eine kommunalpolitische Grundfrage: Was muss eine Stadt auch in schwierigen Haushaltszeiten verlässlich ermöglichen, damit soziales Leben vor Ort nicht ausdünnt und Probleme nicht erst dann bearbeitet werden, wenn sie teuer geworden sind?