Den Begriff „enkeltaugliches Leben“ hörte ich zum ersten Male vor einigen Jahren bei einer kirchlichen Trauung. Braut und Bräutigam waren schon viele Jahre zusammen, die Kinder schon fast im Erwachsenenalter. Nach der kirchlichen Trauzeremonie richtete sich der Bräutigam an seine Frau und sagte, dass er sich auch weiterhin bemühen werde, mit ihr gemeinsam ein enkeltaugliches Leben zu führen - was sie bis dahin auch in der Bewirtschaftung ihres landwirtschaflichen Betriebes machten.
Der Begriff „enkeltauglich“ kommt in der Bibel nicht vor. Wir finden aber gleich auf den ersten Seiten der Bibel, im Schöpfungsbericht, Hinweise zum Thema Nachhaltigkeit.
Dort stehen scheinbar ganz gegensätzliche Hinweise Gottes für unseren Umgang mit seiner Schöpfung. Im 1. Mosebuch , Kapitel 1,Vers 28 steht nach Erschaffung der ersten Menschen:
„Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan.“
Im zweiten Kapitel, Vers 15 des 1.Mosebuches steht dagegen: „Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.“
Was gilt denn nun: Bebauen und Bewahren der Schöpfung oder über die Erde herrschen und sie untertan machen?
Die Erde „untertan machen“ diente und dient immer noch als Rechtfertigung zur Ausbeutung der Erde. Weshalb sollte Gott uns Menschen einen Freibrief geben, die Erde auszubeuten? Dieses rücksichtslose Handeln entspringt aber unserer menschlichen Gier. Gott hat die Erde geschaffen, damit wir eine Grundlage für unser Leben haben. Aber mit der Zerstörung dieser Lebensgrundlagen hat Gott uns nicht beauftragt. Statt „untertan machen“ kann auch übersetzt werden: den Lebensraum verantwortungsvoll verwalten und gestalten.
Mit einer solchen Übersetzung stimmen die Aussagen in beiden Bibelstellen überein. Es sollte uns zum Umdenken veranlassen, dass wir vor ca. 2 Monaten, am 10.5. den für Deutschland berechneten Erdüberlastungstag hatten. An diesem Datum waren rechnerisch alle natürlichen Ressourcen verbraucht, die uns für das gesamte Jahr zur Verfügung stehen. Würde die gesamte Menschheit so leben wie wir in Deutschland, wären jährlich fast drei Erden notwendig.
Gott hat aber nur eine Erde geschaffen, es gibt keine weiteren in Reserve. Deshalb fordert Gott jeden von uns auf, mit seiner Schöpfung verantwortungsvoll umzugehen. Die Hitzewelle Ende Juni und der 5. Jahrestag von der Ahrtalflut sollten uns eine Mahnung sein, enkeltauglich zu leben..
Wilfried Dreyer, Prädikant Dedensen-Gümmer