Für ihren Roman „Die Lücken“ hat die Schriftstellerin Shida Bazyar den Deutschen Buchpreis 2026 erhalten. Landesbischof Ralf Meister gratuliert der Autorin, die bereits vor zehn Jahren mit dem Kulturförderpreis der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers ausgezeichnet wurde. Ihr neuer Roman beschäftigt sich mit Erinnerung, Verdrängung und der Frage, was Heimat bedeutet.
Die Schriftstellerin Shida Bazyar hat am Montag, 5. Oktober 2026, in Frankfurt am Main den Deutschen Buchpreis erhalten. Die Jury zeichnete ihren Roman „Die Lücken“ als besten deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung gehört zu den bedeutendsten Literaturpreisen im deutschsprachigen Raum.
Für die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers ist die Auszeichnung auch eine Bestätigung ihrer frühen Förderung der Autorin. Bereits 2016 hatte die Landeskirche Bazyar für ihren Debütroman „Nachts ist es leise in Teheran“ mit dem Kulturförderpreis geehrt.
Ein Roman über Erinnerung und verdrängte Geschichte
In „Die Lücken“, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, erzählt Bazyar von Menschen, deren Lebensgeschichten über Jahrzehnte hinweg mit einem fiktiven Ort im Hunsrück verbunden sind.
Im Mittelpunkt stehen jüdische Familien, Menschen, die während des Nationalsozialismus von der Verfolgung anderer profitierten, und Geflüchtete, die in Deutschland Schutz suchen. Der Roman verknüpft ihre Geschichten und zeigt, wie die Vergangenheit bis in die Gegenwart wirkt.
Dabei geht es auch um die Frage, wer in einer Gemeinschaft dazugehört, wer ausgegrenzt wird und welche Verantwortung Menschen für das Handeln ihrer Nachbarn tragen.
Landesbischof würdigt gesellschaftliche Bedeutung
Landesbischof Ralf Meister gratuliert der Autorin zu ihrem Erfolg und hebt die literarische wie gesellschaftliche Bedeutung des Romans hervor.
„Mit ihrem neuen Roman ist ihr ein Werk von hoher gesellschaftlicher und literarischer Relevanz gelungen“, sagt Meister.
Der fiktive Schauplatz Heimesbach stehe beispielhaft für Orte, die Teile ihrer Geschichte verschweigen und zugleich zur neuen Heimat für Menschen werden, die Schutz und Geborgenheit suchen.
Meister erinnert auch an Bazyars literarische Anfänge. Schon in ihrem Debütroman habe sie eine eigenständige Sprache entwickelt, die Herkunft, Heimat und persönliche Erfahrungen miteinander verbinde.
Literatur gegen Gleichgültigkeit
Auch die Jury des Deutschen Buchpreises hebt die gesellschaftliche Dimension des Romans hervor. Sie würdigt insbesondere die ungewöhnliche Erzählperspektive und die Verbindung unterschiedlicher Zeitebenen.
Die Geschichte wird unter anderem aus der Perspektive einer verstorbenen Erzählerin entwickelt. Durch den Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart entsteht ein vielschichtiges Bild des Zusammenlebens und der Verantwortung füreinander.
Die Jury bezeichnet das Werk als einen „Roman gegen Gleichgültigkeit“. ZDFheute
Shida Bazyar wurde 1988 in Rheinland-Pfalz geboren. Die Tochter iranischer Eltern studierte Literarisches Schreiben an der Universität Hildesheim. In ihren Romanen beschäftigt sie sich insbesondere mit Fragen von Herkunft, Zugehörigkeit, Erinnerung und gesellschaftlicher Ausgrenzung.
Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels jährlich den deutschsprachigen Roman des Jahres aus.
Quelle: Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers / Deutscher Buchpreis 2026