Mehr als 20 Jahre Klang für Wunstorf – Kirchenkreis- und Stiftskantorin Claudia Wortmann wird verabschiedet
An Ostern 2026 verabschieden der Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf und die Stiftsgemeinde Wunstorf ihre Kantorin Claudia Wortmann mit einem festlichen Gottesdienst um 10 Uhr. Wortmann prägte mehr als zwei Jahrzehnte das musikalische Leben an der Wunstorfer Stiftskirche und weit darüber hinaus. Die engagierte Musikerin war in dieser Zeit Kantorin, Konzertorganistin, Ausbilderin und Initiatorin anspruchsvoller kirchenmusikalischer Projekte.
„Zum kirchlichen Tasteninstrument habe ich eine besonders innige Beziehung“, sagt die Musikerin. Dabei reicht ihr musikalisches Talent weit über Tasten, Pedale und Register hinaus: Wortmann spielt Klavier, Geige, Posaune, Fidel, Portativ und Cembalo.
Seit 2003 ist die dynamische Frau Kantorin an der Stiftskirche und Kreiskantorin im Kirchenkreis. Ihre Liebe zur Musik zeigte sich aber bereits viele Jahre zuvor: Geboren 1963 in Stade war nach ersten musikalischen Schritten schnell klar, das Klavierspiel nur eine Zwischenstation sein würde. Die Orgel wurde für die junge Frau zur Leidenschaft. Ein erstes Engagement hatte sie bereits als 16-Jährige. Nach dem Abitur studierte sie Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Theater Hannover und schloss mit dem A-Examen ab. „Prägend war damals die Zusammenarbeit mit Harald Vogel. Er war Leiter der Norddeutschen Orgelakademie und begleitete mich künstlerisch und persönlich“, sagt Wortmann.
Eine Unterstützung, die in einem weiteren Schritt auch vielen anderen Musikern half: Im Kirchenkreis hat Wortmann mehr als 42 Schülerinnen und Schüler an der Orgel ausgebildet. „In den ganzen Jahren waren es mehr als 60 Personen, die ich unterrichten durfte“, sagt Wortmann. Die waren zum Teil nur wenig jünger als sie selbst. „Mit 24 habe ich einen jungen Mann in Ostfriesland begleitet, der etwa 18 war und nach der Orgelausbildung Musik studierte“, erinnert sie sich. Dieser Tage ist Wortmanns ehemaliger Schüler Kreiskantor im Norden Deutschlands. „Den Beruf übt er also sogar schon länger aus als ich“, sagt Wortmann.
Nach ihrer Tätigkeit an die Ludgerikirche in Norden (Ostfriesland) mit ihrer berühmten Schnitger-Orgel von 1688, ging es für Wortmann einige Jahre später in die USA und schließlich sogar nach Indien. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten arbeitete die Musikerin zuletzt als Music Director an der St. Andrew’s Church in Greencastle, Indiana. In der ehemaligen englischen Kronkolonie beschäftigte sie sich intensiv mit Orgeln aus ebendieser Zeit. Konzertreisen durch Europa, die USA und Indien sowie CD-Einspielungen – darunter das Gesamtwerk von Heinrich Scheidemann – dokumentieren auch noch heute ihren internationalen Anspruch.
In Wunstorf angekommen war Wortmann mehr als zwei Jahrzehnte weit mehr als bloße Organistin: Sie gestaltete Gottesdienste, leitete Chöre, verantwortete „Nachtkonzerte bei Kerzenschein“, unterrichtete Orgelschülerinnen und Orgelschüler und war Ansprechpartnerin für das Orgelstipendium des Kirchenkreises. Wortmann gründete und leitete auch etwa die Konzertreihe „Alte Musik Wunstorf“ und setzte damit einen klaren Schwerpunkt auf historische Aufführungspraxis und Orgelkultur.
Dabei reicht Wortmanns Repertoire weit über das der „Alten Musik“ hinaus und bringt manchmal überraschende Akzente: Wenn sie bei Schulführungen die Titelmelodie von „Star Wars“ auf der Orgel anstimmt, werden die Augen der Kinder groß – Vermittlung heißt für sie, Neugier zu wecken.
„Ich begleite die Predigt und lasse sie in der Musik aufleben“, sagt sie. Das Orgelspiel verstehe sie als Ausdruck ihres Glaubens. „Für mich ist Kirchenmusik kein Beiwerk, sondern integraler Bestandteil des Gottesdienstes“, sagt Wortmann. Der Klangraum Kirche, die mechanische Präzision der Instrumente, die körperliche Arbeit an Manualen und Pedal – „All das gehört für mich untrennbar zusammen.“
Dabei war auch persönlich ihr Weg nicht immer geradlinig. „Ich bin damals als vierfache Mutter nach Wunstorf gekommen und habe dann sehr intensive Arbeitsphasen durchlebt“, erinnert sie sich. „Allerdings musste ich auch lernen, mit meinen Kräften sorgsam umzugehen“, sagt Wortmann. Ihr Glaube, sagt sie, habe sie dabei „durch alle Stürme des Lebens geführt“.
Mit der Verabschiedung endet eine prägende Epoche kirchenmusikalischer Arbeit im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf. Claudia Wortmann hat Spuren hinterlassen – in Konzerten, in ausgebildeten Nachwuchsmusikerinnen und -musikern, in der Wertschätzung historischer Orgeln und im musikalischen Gedächtnis vieler Gottesdienstbesucherinnen und -besucher.
Ostern 2026 wird daher nicht nur ein liturgischer Höhepunkt, sondern auch ein Moment des Dankes für 20 Jahre engagierte Kirchenmusik.