
Wer alt wird, bleibt oft lange in seinem vertrauten Umfeld. Im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf leben mehr als 4.700 Menschen, die älter als 80 Jahre sind – etwa jedes siebte Mitglied. Viele von ihnen engagieren sich, besuchen Seniorenkreise und feiern Gottesdienste. Dennoch wächst mit dem Alter oft etwas anderes: Einsamkeit.
Der Kirchenkreis hat darauf reagiert – mit einer neuen halben Stelle für die Altenseelsorge. Sie wird von Diakonin Julia Hespe besetzt. Die 61-jährige Sozialpädagogin aus Poggenhagen ist keine Unbekannte. Bis vor zwei Jahren hat sie in einem Seniorenheim als Leitung des begleitenden Dienstes gearbeitet. Sie organisierte Gruppen- und Freizeitangebote, begleitete Ehrenamtliche, Praktikantinnen und Praktikanten und verantwortete Heimzeitung und Dekoration.
Bereits in dieser Phase ihres Arbeitslebens hat sie seelsorgerische Aufgaben in der Einrichtung übernommen und dies später auf eine zweite Einrichtung erweitert. „Diese Arbeit mit Bewohnern ist mir auch weiterhin wichtig. In den Häusern arbeite ich weiterhin für einige Stunden pro Woche“, sagt die Diakonin.
An ihrem neuen Platz übernimmt sie Pionierarbeit: Hespe konzipiert und strukturiert die Altenseelsorge für den gesamten Kirchenkreis neu – fachlich fundiert durch ihre seelsorgerische Ausbildung (KSA) und mit klarem Blick für die Realität älterer Menschen.
Der Bedarf ist eindeutig. Im Konzept des Kirchenkreises heißt es: Ältere Menschen wünschen sich Räume der Begegnung, seelsorgerische Besuche, verlässliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, eine bessere Vernetzung diakonischer Angebote und einen sensiblen Blick für Barrierefreiheit. Vieles gibt es bereits – Seniorenkreise, Besuchsdienste, Hospizarbeit, Beratungsangebote. Aber es fehlt an übergreifender Struktur und Koordination.
Genau hier möchte Julia Hespe ansetzen: „Mein Wunsch ist, dass Menschen – egal welchen Alters – nicht vereinsamen“, sagt sie. Das betreffe die häusliche Pflege ebenso wie professionelle Einrichtungen. Es gehe um mehr Miteinander statt bloßem Nebeneinander. Besuchsdienste sollen gestärkt, neue Projekte entwickelt, bestehende Initiativen wiederbelebt werden. Gemeinden sollen befähigt werden, tragfähige Strukturen aufzubauen, die ältere Menschen zuverlässig erreichen – auch ohne ständige persönliche Begleitung durch sie selbst. „Das kann ich mit einer halben Stelle nicht leisten“, sagt Hespe. Nachhaltigkeit ist deshalb Teil des Konzepts.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Vernetzung. Ehrenamtliche benötigen Begleitung, Qualifizierung und Austausch. Pflegende Angehörige benötigen Ermutigung und Information. Gemeinden brauchen Impulse, um generationenverbindende Projekte neu zu denken. Und die bestehenden Angebote im Kirchenkreis sollen stärker miteinander verbunden und in der Öffentlichkeit sichtbarer werden.
Gerade die Corona-Pandemie hat in vielen dieser Bereiche Spuren hinterlassen. Besuchsdienste sind eingeschlafen, Ehrenamtliche haben sich zurückgezogen, Kontakte sind brüchig geworden. „Wir brauchen wieder mehr Menschen, die sich engagieren“, sagt Hespe offen. Altenseelsorge sei keine Zusatzaufgabe, sondern Kern kirchlicher Verantwortung.
Ihr persönliches Leitmotiv ist dabei überraschend konkret: „Jede Person, mit der ich zu tun habe, soll einmal am Tag zum Lachen gebracht werden.“ Dahinter steckt eine klare Haltung. Seelsorge bedeutet für Hespe nicht nur Gespräch über schwere Themen, sondern auch Lebensfreude, Beziehung und echte Begegnung.
Mit der neuen Stelle reagiert der Kirchenkreis auf einen demografischen Wandel, der längst Realität ist. Die Landeskirche beteiligt sich an der Finanzierung, der Kirchenkreis ergänzt – so entsteht eine Diakoninnenstelle, die die Altenseelsorge konzeptionell zusammenführt und weiterentwickelt.
Julia Hespe beginnt ihre Aufgabe mit Erfahrung, Pragmatismus und einem klaren Ziel: eine flächendeckende, funktionierende Altenseelsorge, die Menschen trägt – zu Hause, im Heim, in der Gemeinde.
Damit niemand allein bleibt.
Kontakt:
Julia Hespe
Diakonin für die Altenseelsorge im
Ev.-luth. Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf
Sozialpädagogin
Mobil: 0151 72 45 18 39
julia.hespe@evlka,de