„Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ Dieser bekannte Vers aus dem ersten Petrusbrief (1. Petrus 5,7) begleitet uns durch das Wochenende – ein Wochenende, das in Wunstorf ganz im Zeichen der Weichenstellung steht. Morgen entscheiden wir bei der Kommunalwahl über die Zusammensetzung des Stadtrates, der Ortsräte und über die politische Spitze unserer Stadt.
Wahlkampfzeiten sind Zeiten der Debatten. Es wird um Parkplätze in der Fußgängerzone gerungen, über Gewerbeflächen gestritten und über die beste Zukunft für unsere Ortsteile diskutiert. Und hinter manchem lauten Wort im Wahlkampf verbirgt sich im Kern etwas ganz anderes: Sorge. Die Sorge vor wirtschaftlicher Unsicherheit, die Sorge um bezahlbaren Wohnraum oder die Angst, dass die eigene Heimat sich zu schnell verändert.
Politik versucht, diese Sorgen zu managen. Wahlprogramme versprechen Lösungen, und engagierte Frauen und Männer treten an, um Verantwortung zu übernehmen. Das ist gut und überlebenswichtig für unsere Demokratie. Aber Hand aufs Herz: Kann ein Kreuz auf dem Stimmzettel uns die tiefen, persönlichen Zukunftsängste wirklich nehmen? Kommunalpolitik kann Rahmenbedingungen gestalten, aber sie kann keine Lebensgewissheit schenken.
Genau hier setzt das Wort aus dem Petrusbrief an. Es fordert uns nicht zur Passivität auf. Es sagt nicht: „Es ist alles egal.“ Aber es lädt uns zu einer radikalen Entlastung ein. Das griechische Wort für „werfen“, das hier genutzt wird, beschreibt eine schwungvolle, endgültige Bewegung. Wie ein schweres Gepäckstück, das man von den Schultern gleiten lässt, dürfen wir unsere Lasten ablegen.
Wir dürfen die Sorgen um unsere Stadt, um unsere Familien und um uns selbst bei Gott abladen. Weil er für uns sorgt. Das verändert unseren Blick. Wer seine existenziellen Sorgen bei Gott weiß, muss den politischen Mitbewerber nicht mehr als Feind sehen. Er kann befreiter zuhören, kompromissbereiter verhandeln und gelassener morgen ins Wahllokal gehen.
Gehen Sie morgen wählen. Gestalten Sie unser Wunstorf aktiv mit. Aber gehen Sie mit leichtem Gepäck. Die ganz großen Lasten unseres Lebens müssen wir nicht im Stadtrat lösen – die dürfen wir getrost abwerfen.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Wahlsonntag
Holger Kipp, Prädikant im Kirchenkreis