„Oh, I sea an elephant, taking a shower!...“ Da sind auch Rehe am Wasser!...“Look here, an eagle!...Das sind sogar 2!...“ Es ging lebhaft zu, als die Brasilianischen Austausch-Schüler:innen, zusammen mit deutschen Mitschülern der IGS Wunstorf, unsere 332 Jahre alte Schloß Ricklinger Kirche erkundeten. Gegenstände, die sie sich in einem Symbol-Kasten ausgewählt hatten, versuchten sie, auf Bildern, Schnitzereien, dem Altar, dem Stuck oder sonst irgendwo im Kirchenschiff, zu finden. Das wurde ihnen vorher als ein biblisches Bilder-Buch, in dem es viel zu blättern und zu entdecken gibt, vorgestellt. Es erstaunte die Mädchen und Jungen, die solch bunte Vielfalt aus ihren schlichten Kirchen nicht kannten. Besonders das Paradies-Bild (mit Adam und Eva, dem Engel mit Schwert und der Schlange) fand viel Beachtung - mit dem im Hintergrund idyllisch gemalten See in einer grünen Aue mit den badenden Tieren und den duschenden Elefanten-Rüsseln. Ganz schnell waren auch die beiden Adler am Altar gefunden oder andere Such-Objekte. Begrüßt wurden unsere Besucher:innen mit einem Orgelspiel, dem sie aufmerksam lauschten, weil es von da oben, hoch über Altar und Kanzel, erklang. Ein Schüler hatte sich eine kleine Orgelpfeife ausgesucht und ein anderer eine Glocke. Sie waren nun gespannt, beides zu finden, und das Interesse, da hoch zu gelangen, war groß. So begann der Aufstieg zur Orgel – natürlich mit einem Kanzel-Abstecher. Einige freuten sich auch, wagemutig weiter hoch über das Tonnengewölbe zu gehen, um die Glocken zu sehen und zu hören. Aber die Orgel war der Hit und wurde bestaunt und ausprobiert, wobei der Organist geduldig auf Englisch die verschiedenen Funktionen erklärte. Bald erklangen die ersten Melodien, zaghaft leise probiert, dann mutig lauter und intensiver. Das wurde freudig beklatscht. Ich hatte das Gefühl, dass an diesem Nachmittag zwei `Paradiese` in unserer Kirche gefunden wurden: Ein klangliches und ein biblisch erdverbundenes: Lebenslust für Leib und Seele im `Garten Eden`, der Wonne oder Glück bedeutet. Es wächst miteinander, was Menschen glücklich und zufrieden macht. Darum erwähne ich nochmal unser Kirchen-Bild mit dem Paradies-Garten, wie er im 1. Buch Mose beschrieben wird. Da lesen wir, warum dieser von Gott in seiner großen Schöpfung so liebevoll angelegte Garten mit Adam und Eva und dem Sündenfall verschwand. Die Geschichte ist entstanden aus der Sehnsucht nach einem Paradies, in dem alles von Gott Geschaffene gut ist, aber die ersten Menschen hätten es durch ihr verbotenes Handeln für immer verdorben. - Es ist aber so beruhigend und tröstlich, dass Gottes Liebe und Fürsorge auch nicht in schwierigen Zeiten aufhört und er uns Menschen beisteht. So ließ er auch Adam und Eva nicht fallen und begleitete sie weiterhin. Es lohnt sich, den `Pardes`, wie die üppigen Fruchtgärten und Parkanlagen z.B. in Persien heißen, in den Sprachen und Träumen vieler Völker in der Erinnerung wach zu halten. –Um des Wassers und der Tiere, um der Sprache und um Gottes willen, müssen wir die Spuren des Verlorenen in unserer Gegenwart suchen. Lasst sie uns immer wieder finden!
Ursula Wiebe, Prädikantin aus Schloß Ricklingen