Und alles ist so, wie es einmal war. -7.12.19

Ich steh in der Kirche und will nach der Mittagsandacht die Türen schließen. Vor der Kirche steht unschlüssig ein lebensälteres Paar. Sie sind nicht von hier, so sagt sie, und sie möchten doch gerne noch einen Blick in unsere Kirche werfen. Natürlich öffne ich die Türen noch einmal. Wir kommen ins Gespräch und ich erfahre, dass die beiden eine Jugendliebe vereint hat. Dann, vor mehr als 50 Jahren, haben sie sich aus den Augen verloren. Beide haben geheiratet und beide haben ihre Partner wieder verloren. Dann waren sie allein. Aus einer Laune heraus hat SIE in diesem Sommer im Internet nach IHM gesucht. Und so hat SIE ihn wiedergefunden, ihre Jugendliebe. Spontan haben sie sich verabredet. 500 km waren dann für IHN kein Problem. Und dann stand ER vor ihrer Tür. Würde SIE öffnen und IHN hineinbitten, wie würde es sein, nach so vielen Jahren, so habe er sich unsicher gefragt. Und dann:  Ein Blick, ein Wort, ein vertrautes Lächeln. Alles sei wie damals gewesen, so sagen beide und lächeln sich zärtlich an. Sie haben dann auch noch einmal in den gesammelten Liebesbriefen gelesen, die SIE in einem Schuhkarton sorgsam verwahrt hatte. „Alles ist so, wie damals... und ich würde jedes meiner Worte heute wieder so sagen... wie damals“ versichert ER mir. Sie haben sich gesehnt und wiedergefunden. Und die ihnen verbleibende Zeit wollen sie jetzt dankbar gemeinsam verbringen.

Wir Christen warten ja auch... im Advent:  Auf die Ankunft Jesu Christi, dessen Geburt wir an Heilig Abend feiern. Die Wartezeit machen wir uns „schön“ und „gemütlich“... mit stimmungsvollem Kerzenlicht, mit Leckereien, mit Musik, Liedern und Geschichten. Auch die Lebendigen Adventskalender an den Abenden vor den Haustüren tragen zum Verkürzen der Wartezeit bei. Und dann....steht ER vor meiner Herzenstür. Aber, erkenne ich IHN überhaupt? Und..... lasse ich IHN ein? Und...ist dann alles so, wie es einmal war? 

Evangelisches Gesangbuch 152 :Wir warten dein, o Gottessohn, und lieben dein Erscheinen. Wir freuen uns mit kindlichem Verlangen...Was wird geschehen, wenn wir dich sehn`.....?

Nutzen wir die Adventszeit um uns gut vorzubereiten...auf die Ankunft Jesu Christi in unserem Leben. Zeit genug wird uns dafür gegeben... jedes Jahr wieder. Und wenn ER dann vor Ihrer Herzenstür steht, lassen Sie IHN unbedingt herein... und es kann alles so sein, wie es einmal war.

Frauke Harland-Ahlborn, Prädikantin der Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf