Miteinander statt übereinander oder gar gegeneinander! - 14.4.18

Mich bedrückt das Geschehen in Münster. Weil ich als Seelsorger weiß, wie schwer es für Angehörige und Betroffene ist, ein solches Schicksal anzunehmen, wenn die Tat so sinnlos ist. Wenn Leben und Gesundheit von Menschen so wenig wertgeachtet werden, jemand so weit geht, um zuletzt die Aufmerksamkeit, die große Öffentlichkeit auf sich zu lenken.

Wir sollten besser miteinander umgehen. Wir sollten mit unserem Mitgefühl an der Seite der Opfer stehen, Ihnen durch Blumen und Worte Trost spenden, aber öffentlich möglichst wenig über die Motive und Lebensumstände des Täters spekulieren, reden und berichten. Das erst schafft eine Aufmerksamkeit, auch für andere.

Erschreckend, wie schnell Mutmaßungen als Gewissheiten gelten, wie Menschen ohne jede Kenntnis von Umständen und Hintergründen Schuldzuweisungen treffen und daraus Forderungen ableiten. Da war sofort wieder von ‚Merkeltoten’ die Rede.

Erschreckend, wie schnell Menschen urteilen, andere verurteilen, ausgrenzen wollen und für alles verantwortlich machen.

Das hilft den Opfern nicht und macht unser Leben nicht besser oder sicherer.

Wir werden nur in Frieden miteinander leben, wenn wir einander als Menschen achten, auch in unserem Anderssein.

Weder Aussehen noch Herkunft, weder Religion noch Tradition dürfen ein Grund sein, andere Menschen zu verachten, ihnen Gewalt anzutun.

In den evangelischen Kirchen feiern wir diesen Sonntag den guten Hirten.  Und Konfirmationen. Der Psalm 23 gehört zum Glauben aller Christen: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln!“ Darin hat Jesus sich erkannt, weil Gott sich um alle Menschen kümmert, sagt er von sich: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.“ (Johannesevangelium 10, 14+15). Und dann sagt er, seine Zuwendung gelte ebenso den anderen Schafen, die nicht aus diesem Stall sind.

Darum treten wir als Christen mit unserem Leben nicht gegen andere an sondern für andere ein. Suchen, was das Leben und Miteinander aller Menschen fördert und lebenswert macht.

Das Bild von Gott, dem guten Hirten aller Menschen, kann helfen uns nicht über andere zu erheben. Eine verbale Abrüstung im Reden übereinander hat Margot Käßmann gerade gefordert. Sie kann uns zu mehr Respekt und Achtsamkeit führen.

Einen gesegneten Sonntag und (besonders denen, die konfirmiert werden): Herzlich Gott befohlen!

Ele Brusermann, Pastor in Mandelsloh