Zwischen den Zeiten - 7.5.16

Zwischen den Zeiten: Im Kindergarten Abschied gefeiert, nun aufgeregtes Warten auf die Einschulung nach den Ferien. Die letzte Abi-Prüfung geschrieben, bis zum Studium oder der Ausbildung dauert es noch ein paar Monate. Die Operation überstanden, in der Reha muss es sich aber erst noch erweisen, ob das Knie wieder wie früher wird.

Zwischen den Zeiten – das wäre auch ein passender Titel für den morgigen Sonntag. Der auf­erstandene Jesus hat sich an Himmelfahrt von seinen Jüngern verabschiedet und ist zum Vater zurückgekehrt. Der Heilige Geist ist noch nicht ausgegossen, Pfingsten hat noch nicht stattgefunden. „Zwischen den Zeiten“ bedeutet: Abschied und Warten auf Neues; Vertrautes loslassen, ohne zu wissen, was kommt; Freudiges Erwarten und Angst vor dem Unbekannten.

Einfach wird es nicht, das hat Jesus seinen Jünger angekündigt. An ihnen wird Anstoß genommen. Ja, sie werden verfolgt werden. Doch er lässt sie nicht allein. Damit sie Kraft und Zuversicht behalten, verheißt er ihnen „den Tröster“, den er vom Vater her senden wird. Jesus weiß: Damit sie in all den Anfechtungen Kraft und Zuversicht behalten, brauchen sie einen Beistand, einen Fürsprecher in Sprachlosigkeit und Anwalt in Not. Der Tröster, den Jesus verheißt, wird dafür sorgen, dass es weitergeht. Durch ihn wird Jesus weiter wirksam und auf neue Weise in ihren Herzen nahe sein.

Auch wir leben unser Leben und glauben unseren Glauben nicht selten in solchen Zwischen­zeiten. Drei Lebensbespiele sind anfangs genannt. Drei Glaubensbeispiele seien hinzugefügt: In diesen Tagen feiern viele Jugendliche Konfirmation. Der Konfi-Unterricht hat Spaß gemacht, aber nun stellt sich die Frage, ob die Gemeinde auch zukünftig eine Glaubensheimat bieten wird. Die Geburt des erstens Kindes ist eine Zeit des Umbruchs, auch religiöse Themen brechen vielleicht neu auf: Was bedeutet es für meinen Glaubensweg, wenn wir unser Kind taufen lassen? Und schließ­lich: Der Verlust eines geliebten Menschen bringt erst einmal alles aus den Fugen. Der Zweifel nagt, ob ich mich noch auf Gottes gute Führung verlassen kann.

Zwischen den Zeiten – im Leben und im Glauben – ist uns ein Tröster und Beistand ver­sprochen. Wo Liebe unser Handeln prägt, ist dieser Geist Gottes bereits spürbar. Aber auch dort, wo wir verzweifeln, bringt er unsere Not vor Gott und ist uns tröstend nahe.

Oberkirchenrat Dr. Oliver Schuegraf