Wort des Jahres 2018 „Heißzeit“ - 29.12.18

Das Jahresende ist nicht nur die Zeit der Jahresrückblicke: Auch das „Wort des Jahres“ wird gekürt. In diesem Jahr fiel die Wahl der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ auf das Wort „Heißzeit“. Grund dafür: Die extremen Temperaturen im Sommer und der Klimawandel. Eine "Heißzeit" kann aus Sicht von Klimaforschern selbst beim Einhalten aller ehrgeizigen Klimaziele nicht ausgeschlossen werden. Dabei würde sich die Erde langfristig um etwa vier bis fünf Grad Celsius erwärmen und der Meeresspiegel um 10 bis 60 Meter ansteigen. Davon sind die Experten des  Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung überzeugt. Das betrifft besonders die Ärmsten der Armen dieser Erde.  Der steigende Meeresspiegel, Dürren und Hurrikane zerstören ihre Lebensgrundlage. Auch wenn die wohlhabenden Länder, wie die verheerenden Waldbrände im Herbst dieses Jahres in Kalifornien zeigten, ebenso von den Folgen des Klimawandels betroffen sind.

Die Klagen der Menschen an den Küsten Indiens über den steigenden Meeresspiegel klingen uns in den Ohren. Sie appellieren an unsere Verantwortung. Wir haben nicht das Recht, die Erde auszuplündern. Sie wurde uns nur geliehen. Wir alle, die wir heute leben, verlassen sie eines Tages. Dann müssen unsere Kinder weitermachen und dann deren Kinder und so weiter. Wie sollen sie auf dieser Erde leben, die einmal so wunderbar geschaffen war? Das frage ich mich gerade auch in den letzten Tagen dieses Jahres. Dabei wurde uns Menschen der Auftrag gegeben, gemeinsam die Schöpfung zu bebauen und zu bewahren. Letzte Woche richtete der deutsche Astronaut Alexander Gerst eine Botschaft an seine Enkelkinder: Kurz vor seiner Rückkehr zur Erde veröffentlichte er einen Aufsehen erregenden Videoclip im Internet. Darin entschuldigt er sich für die Umweltzerstörung seiner Generation. „Im Moment sieht es so aus, als ob wir, meine Generation, euch den Planeten nicht gerade im besten Zustand hinterlassen werden.“ Die Menschheit sei gerade dabei, das Klima zu kippen, Wälder zu roden, Meere zu verschmutzen, die limitierten Ressourcen viel zu schnell zu verbrauchen und überwiegend unnötige Kriege zu führen. Gerst hofft, dass „wir noch die Kurve kriegen.“

Darum lassen Sie uns im kommenden Jahr neu lernen, was es heißt, Christ zu sein und in der Nachfolge von Jesus Christus zu leben. Der Hinwendung zu Christus folgt die Hinwendung zur Welt. Auch das Anliegen, für Klimagerechtigkeit, für Umwelt- und Klimaschutz einzutreten, bedeutet die Verantwortung aus Christus heraus in der Welt wahrzunehmen. Das ist der neue alte Anfangspunkt, gemeinsam die Schöpfung zu bebauen und zu bewahren. Ob wir die Kurve noch kriegen? Wir alle können etwas dazu beitragen, dem Klimawandel zu begegnen. Ideen dazu gibt es genug: Sei es die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder der Verzicht auf Plastiktüten und Plastikkapseln bei Kaffee. Wir müssen es im neuen Jahr nur tun Im Vertrauen auf Gott, der an seiner Schöpfung und ihren Geschöpfen festhält. So steht er zu uns, schenkt uns Menschen auch im Jahr 2019 immer wieder Verheißungen und Segen!

Michael Hagen, Superintendent