Wochenandacht

Auf dieser Seite sammeln wir die wöchentlichen Andachten im Wunstorfer Stadtanzeiger. Sie sind auch bei Radio Leinehertz zu hören. Im Bild unsere Sprecher Gunner Göers und Carlo Pengel.

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Auf den Straßen große Menschenmengen – im Moment völlig undenkbar. Niemand geht grade irgendwohin in einer großen Gruppe. Nachrichten kommen nach Hause über Internet und Fernsehen, Zeitungen und Anrufe. Bot-schaften machen sich breit: Überall auf der Erde ein Virus. Achtung! Die Wirkung: lebensgefährdend für ganz viele. Es hilft nur Abstand halten, Zuhause bleiben, wenig direkter Kontakt zu anderen Menschen. Es hilft auch ausschlafen, regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, …

Fastenzeit mal ganz anders?! Vieles hat sich verändert, was unser Leben sonst ausmacht oder leichter, schöner, angenehmer. Zeit zu fragen und Antworten zu finden darauf, was für unser Leben wirklich elementar ist, dringend nötig. Die Ergebnisse sind sicher nicht für alle ganz gleich.

Worum geht es wirklich? In den Gottesdiensttexten letzten Sonntag ging es um Recht und Gerechtigkeit, um Klage und Anfrage: Gott, wo bist Du? Ergreifst Du für mich Partei? Bist Du für alle da?

Hosianna = Hilf doch! Da stehen sie dicht gedrängt in den Straßen mit Palmen-zweigen und jubeln ihm zu indem sie bitten. Erwartung! Von dem, der da kommt im Namen Gottes, erwarten sie schlicht alles. Die Rückkehr in ihr Leben. Keine Besatzung, keine Einschränkung, Freiheit für den Gottesdienst, Feste und Feierlichkeiten; nicht mehr von Roms Gnaden nur die halbe Freiheit.

Wir stehen am Beginn einer neuen Woche. Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt. Ende.

„Hilf doch!“ Das wünschen wir uns in diesen Tagen. Impfstoff, Medikamente, Rückkehr in ein Leben ohne Beschränkungen. Es schleichen sich auch Fragen ein. Soll hinterher wirklich wieder alles so sein, wie vorher?

Fastenzeit, Zeit der Vorbereitung auf das nach dem Ende. Zeit zum Einüben der Zuversicht, die uns tragen wird schon hier und jetzt in den Einschrän-kungen, bei den einschneidenden Veränderungen. Gelegenheit zu schauen, was sein soll und werden kann und was wir gestalten können, grade weil Vieles nicht stattfindet, was sonst ablenkt. Im Moment ahnen wir mehr, als wir wissen, dass es hinterher kein weiter wie bisher geben kann und geben wird. Zu groß die Umwälzungen bis nach und nach das wieder werden könnte, was wir vor ein paar Wochen unseren Alltag genannt haben.

Wer ein Samenkorn in die Erde legt oder einen Kern, weiß, dass es Geduld braucht, bis daraus etwas wächst und Neues entstehen kann und noch mehr Geduld, bis das, was wächst selber Früchte bringt.

Jene, die einst: „Hilf doch!“ gerufen haben, hatten feste Vorstellungen, von dem, was werden sollte. Aber alles ist ganz anders geworden als gewünscht. Die Antwort auf die Frage, für wen Gott da ist und wem er hilft, hat noch eine Weile gebraucht. Ich bin nicht sicher, ob sie viel Gehör gefunden hat. Sie gilt immer neu. Für mich wird sie in zwei Namen deutlich: „Ich bin da. (2. Mose 3,14)“ und „Gott mit uns.“ Bleiben sie getragen und behütet in dieser Zeit von dem, der sich in unser aller Leben erweisen kann als der, der da ist und von dem, der mit uns ist und neu zu uns kommt, Jesus.

Diakon Heinz Laukamp, Idensen

Liebe Leserin und lieber Leser,

knapp zwei Wochen ist es nun her, dass mit der Schließung von Kindergärten und Schulen großflächige Maßnahmen zur Begrenzung der Ansteckung eingeführt wurden. Mir kommt das wie eine Ewigkeit vor. Die Nachrichtenkanäle sind voll. Die Nerven liegen blank. Es fällt schwer, zur inneren Ruhe zu kommen. Täglich werden wir mit neuen Informationen überschüttet. Täglich gibt es grausame Bilder aus Weltregionen mit schlechter aufgestellten Gesundheitssystemen. Menschen sterben, weil es für sie keine Krankenhäuser gibt. Menschen sterben auch, weil nicht alle Staaten so umfangreiche wirtschaftliche Unterstützungen zusagen können.

Mir ist es wichtig in diesen Zeiten auf die kleinen Lichtblicke zu sehen. Bei aller Vereinzelung erlebe ich Menschen, die sich auf den Straßen fröhlich zuwinken. Wir dürfen uns nicht die Hände schütteln, wahrnehmen dürfen wir uns doch. Nachbarn gehen aufeinander zu, bieten Einkaufshilfe an. Anfang der Woche haben deutsche Krankenhäuser schwerkranke Patienten aus Italien und Frankreich aufgenommen, weil bei uns noch nicht alle Kapazitäten gebraucht wurden. Immer mehr Menschen drücken in kleinen Gesten ihren Dank an die aus, die jetzt durch ihre Arbeit die systemrelevanten Bereiche am Laufen halten. Kirchengemeinden finden kreative Wege um über die neuen Medien stützende Angebote zu machen. Pastorinnen und Pastoren stehen im Chat oder am Telefon für Seelsorge zur Verfügung. Konzerne wie facebook und youtube, sonst nur am Erfolg orientiert, reduzieren freiwillig das Datenvolumen, damit wir verbunden bleiben können. Fast alle tragen die belastenden Einschränkungen des Alltags gerne mit, weil so die Chance besteht, dass die besonders Gefährdeten vor Ansteckung bewahrt und alle anderen vor Krankheitsverläufen ohne den Rückhalt eines freien Krankenhausbettes geschützt werden. Im Wochenspsalm 43 heißt es: „Gott, sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten!“ In vielen Regionen zünden Menschen abends um 19 Uhr eine Kerze an und stellen sie in ein Fenster zur Straße. Hier brennt Gottes Licht. Wir bleiben in der Hoffnung auf ihn verbunden!

Pastor Thomas Gleitz, Stiftskirche Wunstorf

Ausgerechnet diesmal war meine Andacht  schon seit  einigen Tagen fertig, als die traurige Landeskirchen-Entscheidung  und damit auch die unseres Kirchenvorstandes, kam, alle kirchlichen Veranstaltungen abzusagen. Mit den Worten „Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ wurde diese Mitteilung eingeleitet. Durch dieses tröstliche Wort ermutigt, beschloss ich, bei meinem Text zu bleiben: „Würden Sie uns einmal in Ihrer schönen Kirche führen? fragte eine nette Stimme am Telefon –„Wann soll es denn sein? kam meine Gegenfrage. – „Am 29.Februar, dem Geburtstag meines Mannes. Er wird dann 80, und wir würden gern mit unseren Gästen den Tag in Schloß Ricklingen beginnen. Gern sagte ich zu und merkte, dass mir die Sache mit dem Schaltjahr erst vor kurzem richtig bewusst geworden war, als ich nämlich gelesen hatte: 366 mal gibt es den Satz in der Bibel „Fürchtet euch nicht“,  für jeden Tag einen, plus einen für den Extra-Tag im Schaltjahr. Das fand ich interessant. Dieser Satz ist zwar ein sehr prägender, auch in meinem Leben, aber so oft erwähnt? Tatsächlich, ich fand ihn in vielen verschiedenen Kombinationen.- Als ich dem Jubilar gratulierte und seine Familie und die Gäste mit diesem Satz, etwas abgewandelt und erklärend, begrüßte, war mir plötzlich klar, dieser Satz hat auch unseren Kirchen-Erbauer berührt und für die von ihm ausgesuchten Wand- Bilder angeregt. Auf jedem unserer, von norditalienischen Malern gestalteten, Bilder könnte man irgendeiner Figur das gesprochene`Fürchtet euch nicht` zuordnen. Natürlich freute ich mich, als ein Gast Näheres über die Gemälde wissen wollte, ob es Fresken-Malerei, wie in Idensen, sei?“ Unsere Bilder sind zwar nicht unbedingt Kostbarkeiten, aber liebevoll von den damaligen Kunstmalern gestaltet worden und gut erhalten. Manchmal heißt es „Ihre Kirche ist ja ein richtiges Bibel-Bilderbuch.“ Mit der Geburtstagsgesellschaft kam ich kurz ins Gespräch über die Schaltjahre, die wir ja nur alle 4 Jahre erleben und die sich an dem Tag Geborene immer lange herbei sehnen. Der Jubilar meinte, es sei gar nicht so schlimm, denn die Freude auf den echten Geburtstag wäre jedes Mal besonders schön gewesen: “Eigentlich war ich dem Herrgott dankbar dafür und bin es heute auch wieder und fürchte mich ganz gewiss nicht vor dem, was auf mich zukommt!“ Ich überlegte, dass es diesen 29.Februar wohl schon 81 mal für unsere Kirche gegeben, und wie oft kam „Fürchtet euch nicht“ in den Gottesdiensten vor! Es hat Menschen beruhigt, getröstet und neue Hoffnung und Zuversicht schöpfen lassen- aber manche auch verängstigt, und das Gottvertrauen ins Wanken gebracht. Der Satz steht ja nie allein, denn ihm folgt oder geht voran doch fast immer eine Ergänzung:…denn ich bin mit dir...stehet fest…dein Herz sei unverzagt…seid getrost…glaube nur… Aber öfter ist es auch ganz anders formuliert, wie z.B: Der Löwe brüllt, wer sollte sich nicht fürchten oder: Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst… Eine kleine Auswahl aus den 366 `Fürchte dich nicht-Sätzen`, die in der Bibel an den unterschiedlichsten Stellen zu finden sind. Sie können uns sagen: Wir müssen uns nicht fürchten, Gott ist für jeden von uns da, auch wenn seine Wege unergründlich sind. Daran dürfen wir glauben. Wie schön ist es, dass trotz aller sonstigen Absagen unsere Kirche täglich von 11-18 Uhr (außer montags) geöffnet ist und zur stillen Einkehr einlädt.

Ursula Wiebe  Schloß Ricklingen

Liebe Leserin, lieber Leser,

ist das Glas halb voll oder halb leer? Auf den ersten Blick eine blöde Frage. Der gleiche Sachverhalt wird einfach anders beschrieben. Unterm Strich aber ist es schon ein Riesenunterschied, ob ich etwas eher positiv oder eher negativ empfinde.

Für mich ist das eine Frage der Haltung. Ich bin davon überzeugt, dass der Glaube an Gott uns in eine Haltung führt, in der wir zu danken lernen. Im zweiten Vers des  103. Psalms heißt es: „Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“.

Offensichtlich ist es kein neues Phänomen, dass Bitten und Klagen leichter über die Lippen kommen als der Dank. Da ist es gut, wenn der Psalmbeter uns an den Dank erinnert. Es ist so wenig selbstverständlich im Leben. Dass wir zu essen und zu trinken haben – Grund zum Danken!  Dass ich in einem Land lebe, in dem ich ärztlich versorgt werde, wenn es nötig ist – Grund zum Danken! Dass ich gesund und munter bin – Grund zum Danken! Dass ich einen Sohn habe, an dem ich mich (meist bis fast immer) freuen kann – Grund zum Danken! Dass ich eine Frau habe, die mich trägt und manchmal auch erträgt, mit der ich Leben teilen kann – Grund zum Danken! Sie merken: ich könnte die Liste noch lange fortsetzen. Ich möchte Sie ermutigen, mal für sich selbst eine Liste zu schreiben, wofür Sie dankbar sind.

Im christlichen Glauben haben wir für unseren Dank einen Adressaten: Gott. Ihm danken wir. Ich habe mir angewöhnt, das Gespräch mit Gott  mit dem Dank zu beginnen. Oft bedenke ich die Bitten des Vortages im Gebet – und danke dann für so manches, was sich gut entwickelt und ergeben hat.  Mich verändert das – und meinen Blick aufs Leben.

Natürlich: es gibt auch manches, was es zu beklagen und zu bitten gibt. Da können und sollen wir Gott ruhig in den Ohren liegen.

Aus einer Haltung der Dankbarkeit heraus lebt es sich gut und mit einer getrosten Zuversicht, die gelassen macht. Gott hat so oft geholfen – daraus erwächst das Zutrauen, dass er auch in der Krise wieder helfen wird. Das Glas ist eben doch halb voll! Gott sei Dank!

In diesem Sinn grüße ich Sie mit einem herzlichen „Gott befohlen“

Ihr Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen|Oberlandeskirchenrat

Sie war noch immer wie in einer anderen Welt. Und ihre Kleidung der schwarze Schutzpanzer um ihren Körper und ihre Seele.

Niemals könnte sie sich vorstellen, wieder bunte Farben zu tragen. Froh zu sein, zu lachen. Wann war das das letzte Mal möglich gewesen?

Eigentlich hatte es ihr immer Spaß gemacht, sich etwas Neues zum Anziehen zu kaufen.

Aber was gibt es schon für eine Auswahl, wenn doch alles nur schwarz sein muss – das hatte ihr ihre Freundin gestern noch mit hochgezogenen Augenbrauen gesagt. Sieht doch eh alles gleich aus – so schwarz.

Ja, vielleicht stimmte das auch. Also hatte sie sich gestern in der Stadt für einen Rock entschieden. In Dunkellila. Immerhin – hatte ihre Freundin gesagt. Und sie hatte ihn heute auch angezogen. Nur das früher so herrliche Gefühl, wenn sie das erste Mal etwas Neues anhatte, das war weg.

Tief in Gedanken versunken lief sie die Straße entlang – guckte nicht nach links und nicht nach rechts.

Im Augenwinkel fuhr eine Frau auf einem Fahrrad an ihr vorbei.

„Du siehst toll aus“ hörte sie plötzlich. Aus ihren Gedanken gerissen drehte sie sich um. Die fremde Frau auf dem Fahrrad war schon weitergefahren. Aber: Sie drehte sich ebenfalls noch einmal kurz um und winkte, bevor sie um die Ecke fuhr.

 

Am Mittwoch hat die Passionszeit begonnen. Diese Wochen im Kirchenjahr sind dazu da, um uns an die Leidensgeschichte Jesu zu erinnern. Daran, dass er durch Judas verraten wurde. Dass er zu Unrecht und durch die Stimme der Menge zum Tode verurteilt wurde. Dass er gequält wurde, gehänselt und gefoltert. Und dass er dann schließlich am Kreuz gestorben ist.

Die Zeit vor Ostern, diese 7 Wochen, tragen in der Kirche die Farbe Violett.

Unser Blick richtet sich in dieser Zeit auf Gottes Weg mit uns Menschen. Dass er den schwierigen Weg gewählt hat, um uns voraus und nahe zu sein. Für uns - das ist Seine Liebeserklärung an uns, dass Gott uns auch in den Abgründen unseres Lebens voraus geht und mit uns trägt, was wir ertragen müssen. Bis in den Tod.

Gleichzeitig dienen diese 7 Wochen dazu, unseren Blick auch nach innen zu richten. Seit 1983 gibt es zu dieser besonderen Zeit im Kirchenjahr eine Aktion der Evangelischen Kirche. Dabei steht jedes Jahr unter einem bestimmten Motto.

Zuversicht! 7 Wochen ohne Pessimismus. Schlägt uns die Evangelische Kirche in diesem Jahr für die Zeit bis Ostern vor.

Sieben Wochen mit Zuversicht den Alltag zu begehen - das ist in manchen Situationen wohl kaum zu ertragen. Und doch: ER trägt uns. Geht uns voraus. Und weckt in uns die Hoffnung.

Sie ging die Straße weiter. Eine Windböe fegte plötzlich die Straße entlang. Reflexhaft schnellte ihre Hand auf ihren Rock. Sie schüttelte ihre Haare im Wind.

Was für ein Tag. Sie musste plötzlich lächeln.

Franziska Oberheide, Schulpastorin Ev. IGS Wunstorf

„Ich könnte heulen, wie gemein die Menschen in der großen Politik sind. Könnte einem da nicht manchmal der Mut vergehen?“ Diese beiden Sätze sind nicht das Gejammer über unsere Politiker heutzutage, sondern stehen in einem Brief von Sophie Scholl.

Sophie, ihr Bruder Hans Scholl und einige andere leisten im „Dritten Reich“ Widerstand gegen Hitler. „Weiße Rose“ heißt ihre Untergrundgruppe in München, wo Hans und Sophie studieren. Heute ist der Todestag von Hans und Sophie. Am 22. Februar 1943 werden die Geschwister geköpft. Sie haben Flugblätter gegen Hitler ausgelegt. Einfach weil sie entsetzt waren über das tausendfache Sterben auf beiden Seiten der Kriegsfront. Als die deutsche Wehrmacht bei Stalingrad besiegt wird,  wagt die Widerstandsgruppe alles: Mitten in der Münchner Universität legen die jungen Menschen Flugblätter gegen Hitler aus. Nur wenig später werden sie verhaftet. Stundenlange Verhöre folgen. Erst einen Tag später erfahren die Eltern der Geschwister Scholl von deren Verhaftung. Vor dem Volksgerichtshof kommt es zum Verfahren. Der Anklagepunkt lautet: Hochverrat.

22. Februar 1943, 9 Uhr Verhandlungsbeginn. Die Eltern von Hans und Sophie werden aus dem Gerichtssaal gewiesen. Nach schneller Verhandlung ergeht gegen 14.30 Uhr das Todesurteil. Danach dürfen Sophie und Hans ihre Eltern noch ein letztes Mal sehen. Noch am selben Tag werden sie um 17 Uhr hingerichtet: zuerst Sophie, Minuten später Hans. Sophie war 21, Hans 24 Jahre jung.

Sophie weiß, was sie riskiert hat.

Sie schreibt in einem früheren Brief mit Bezug auf Jesus: „Wahrscheinlich hat es bisher nur ein Mensch fertiggebracht, ganz gerade den Weg zu Gott zu gehen. Aber wer sucht den heute noch?“ –

Meine Antwort heute ist: Ich schon.

Karin Puy

Hören können ist wichtig. Wir hören das Martinshorn, die Huppe, das Signal an der Ampel als Fußgänger, die Musik, die wir so sehr lieben und die Stimme der Menschen, die uns Gutes sagen.

Hören ist anstrengend. Wer eine fremde Sprache hört und sich schwer tut mit dem Verstehen, wer nicht mehr gut hören kann und sich schwer tut, sobald die Menschen zwar reden, aber einen nicht persönlich ansprechen oder auch nicht ansehen, wenn sie mit einem reden…

Zuhören ist mühsam. Es verlangt mir ab Dinge zu hören, die ich vielleicht gar nicht wissen wollte. Es nötigt mich, mich mit der Gedankenwelt von einem anderen Menschen auseinander zu setzen, die sich mir vielleicht nicht erschließt.

Hör hin. Hör zu. Hör mir doch mal zu! Sag nichts. Schweig! Nur wer schweigt, kann hören. Und nur wer ein offenes Herz hat, kann zuhören. Wenn wir mit anderen sprechen und unsere Antworten und Wünsche im Kopf haben, ja, wenn wir schon nur noch bestimmte Fragen stellen; dann sind die Antworten passend zu unserer Meinung, aber hinhören oder dem Gegenüber zuhören, das tun wir dann nicht mehr. Wenn wir schon den oder die reden hören, dann hören wir erst recht nicht mehr hin, weil wir meinen schon zu wissen, was gleich kommt. Und in aller Regel kommt etwas, wovon wir annehmen, dass es uns nicht interessiert, wir es schon kennen oder was sowieso und überhaupt absoluter Blödsinn ist. Vor allem aber ist es nicht, was wir hören wollen und somit haben wir den Widerspruch schon im Kopf.

Schweige und höre, neige Deines Herzens Ohr … Wir müssen unser Herz einschalten und nicht schon abschalten, noch bevor etwas gesagt wird.

Gestern war Valentinstag, Tag der Liebenden. Grade in Beziehungen ist das Zuhören und einander wahrnehmen besonders wichtig. Umso länger eine  Beziehung dauert, umso mehr verlassen wir uns darauf verstanden zu werden, legen den Worten vielleicht nicht mehr so viel Wert bei, glauben, blind ver-standen werden zu müssen, ohne unsere veränderte Lage, die sich wandelnde Liebe, die veränderten Bedürfnisse einander mitzuteilen. Manche hören dann auch nicht mehr hin oder glauben: Der/Die kriegt sich schon wieder ein.

Am Sonntag, geht es um das Zuhören um das Hinhören. Ganz besonders geht es natürlich um das Hören auf das, was Gott zu sagen hat. Die Geschichten erzählen von Erfahrungen: Mensch zu Menschen, Menschen mit Gott; der versucht Gehör zu finden, um durch sein Wort Frieden zu stiften. Sie erzählen von der Vergeblichkeit des Redens, wenn Menschen die Herzen verschlossen haben und sich auf nichts einlassen wollen.

Schweige und höre, lass Dich ein darauf konfrontiert zu werden mit Neuem, Unbekanntem, mit Dingen, die Dir nicht vertraut sind und die Dich fragend zurücklassen oder auch verunsichert. Neige Deines Herzens Ohr, damit Du und das Gegenüber eine Chance haben einander zu verstehen, wenn es anders ist als erwartet - fremd, was Dir begegnet. Schweige und höre, neige Deines Herzens Ohr, suche den Frieden. Wenn wir uns gegenseitig zuhören, mit unserem Herzen hinhören, um unser Gegenüber so zu verstehen, wie es Dinge meint; nicht wie wir denken, dass es sein sollte. Wenn wir uns einlassen können auf etwas, was uns nicht entspricht, dann ist Frieden möglich. Lassen wir uns nicht ein und haben keine Bereitschaft unser Herz zu öffnen, dann kann das Zusammenleben nichts werden. Dann erwarten wir immer, dass andere unsere Meinung haben müssen, so reagieren müssen, wie wir wollen und setzen uns und unsere Ansprüche absolut.

Damit es zum Hinhören kommt, haben wir uns Gedanken gemacht im Miteinander. Wenn sie etwas von den Ergebnissen mitbekommen mögen:

Sing&Praise, heute, 18:00h, Neue Kirche Idensen, zu „Schweige und Höre“ oder Punkt5, Sonntag 17:00h, Kirche in Dedensen

Heinz Laukamp

„Willkommen bei den Machern“ so begrüßt ein Landkreis seine Gäste. „Macher“ oder „Machende“ sind gefragt. Menschen, die das Leben meistern, die Leistung zeigen, die Probleme lösen, die ständig „unter Strom stehen“. Selbst Pausen dienen dazu, um sich selbst zu optimieren, um noch besser zu werden, die eigene Leistung zu steigern. Ich habe den Eindruck, dass eine solche Ideologie sogar bis weit in die ältere Generation hineinreicht. Als Rentner auch dann noch etwas für die Gesellschaft leisten. Im Alter kein „nutzloses Eisen“ sein, sondern sich selber einbringen. Das klingt gut und hat auch positive Seiten.

Aber kommt dabei nicht das zu kurz, was wir Seele nennen? Ist nicht auch eine Pause von nutzen, wenn es nicht zuerst darum geht, Kräfte zu sammeln, sondern einfach Pause, vielleicht sogar Schweigen und Stille?

Jemand sagte mir vor einiger Zeit: „ich freue mich auf den Gottesdienst, dann kann ich eine knappe Stunde abschalten, muss nichts leisten, sondern kann zuhören. Wenn ich will, kann ich mitsingen und beten. Auf jeden Fall kann ich zur Ruhe kommen.“

Der Gottesdienst bringt keine Leistungssteigerung, auch nicht im frommen Sinn. Mit anderen zusammen still werden, zuhören, singen und beten ist eher ein Innehalten, wie eine innere Bremse, wie ein Anhalten im Machen, in der Leistung.    

„Willkommen bei den Machern“ - im Gottesdienst gilt eher das Gegenteil Willkommen in der Pause. Und dann „Willkommen bei Gott“. Denn Gottesdienst ist weniger unser Tun, weniger unsere Leistung, sondern Gottes Gegenwart erleben und seine Liebe.

„Gott ist gegenwärtig, lasst uns anbeten“ so heißt es in einem alten Choral (Ev. Gesangbuch Nr. 165). „Machen“ können wir alle, mehr oder weniger. Wie wäre es mit einer Stunde Pause am Sonntagmorgen oder Sonntagaben – es gibt viele Gottesdienstmöglichkeiten rund um das Steinhuder Meer.  

Ihr Pastor Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

Viele haben die Berichterstattung über das Weltwirtschaftsforum in Davos verfolgt. Gleich am ersten Tag gab es ein Fernduell zwischen Greta Thunberg und Donald Trump. Die Kommentare von Beobachtern über Donald Trumps Äußerungen waren verheerend, zog er doch den Kampf von Greta Thunberg für den Klimawandel ins Lächerliche und nannte sie eine „radikale Sozialistin“. Natürlich ist es trivial, mit einem Alter von 73 Jahren über eine 17-Jährige zu urteilen, dass ihr die Erfahrung und ein Blick fürs Ganze fehlt. Im Fall einer vorhandenen Altersweisheit kann man auf Zusammenhänge hinweisen, aber niemals herabwürdigen.

Junge Menschen zu diskreditieren, ist völlig indiskutabel und ausgrenzend. Der daraus resultierende Frust, dass ein angestammtes System nicht wandelbar ist, führt auf Dauer meistens zur Resignation. Denn: Wer will auf Dauer für unfähig erklärt werden? So einen Fall kennt sogar die Bibel bei der Berufung des Jeremias: „Jeremia aber sprach: Ach, Herr Herr, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der Herr sprach aber zu Jeremia: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.“ (Jer 1, 6+7)

Sicherlich ist es fragwürdig, Greta Thunberg mit Jeremia vergleichen. Aber das, was passiert ist, ist eine Frage von Kultur. Junge Menschen sind genauso wertzuschätzen, wie ältere Menschen. Der Satz: „Sage nicht: ich bin zu jung“ kann genauso gut heißen „Sage nicht: ich bin zu alt“. Für ein Miteinander in der Gesellschaft zählt nicht das Alter, sondern der Wille, etwas gemeinsam zu bewegen. Das Alter kann keine Ausrede oder Begründung sein. Die Aufgaben, die vor uns als Gemeinschaft liegen, sind generationsübergreifend anzugehen und es zählt jeder Gedanke und jede helfende Hand.

Die einen machen das im Großen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, die anderen im Kleinen, in dem sie beispielsweise Menschen in Ausnahmesituationen beiseite stehen. Und das ist gut so, ob 17, 47 oder 77 Jahre alt.

Jörg Mecke, Prädikant im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf

Im Touristenbüro klingt alles ganz einfach: neben der Gondel, die den Berg hinauffährt, einfach rechts den Weg nehmen. Der Weg ist steinig, wie Stufen führen dicke Steine nach oben. Bereits nach 15 Minuten merken wir: dieser Weg ist nicht einfach. Die Sonne brennt auf den Nacken, in den Waden zieht es der Wind pfeift. Das Ziel, die Spitze des Berges ist noch weit entfernt. Zum Glück haben wir Wasser dabei – im Rucksack.

Ein Pfad geht in den anderen über. Die letzten dreihundert Meter sind anstrengend, 70 Grad Steigung. Das Wasser wird knapp, die Kräfte lassen nach. Wann ist endlich die Spitze des Tafelberges in Kapstadt erreicht. Wir fragen entgegenkommende Touristen: „Maximal noch 15 Minuten“, sagen sie. Wir, mein Sohn Jacob und ich, wir können nicht mehr. Dann endlich, die letzte Schneise zwischen Felsen: 100 Meter im Schatten, dann Sonne, wir sehen sie schon. Sie wird unsere Haut wärmen, uns Licht spenden. Wir hoffen darauf. Nochmal alle Kraft zusammen genommen, und tatsächlich, wir schaffen es.

Zusammen gehen wir Hand in Hand in die Sonne und wir haben den Tafelberg bestiegen. Nicht mit der Seilbahn, sondern zu Fuß. Aus dem Schatten ins Licht. Die Sonne bringt Hoffnung, schenkt uns Kraft und Wärme. Aus dem Schatten ins Licht – eine Erfahrung, die ich ab und zu im Leben mache. Aber diese Wandererfahrung auf den Tafelberg macht Mut. Jesus sagt: „Ich bin als Licht in die Welt gekommen, auf dass, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“ (Johannes 12,46)

Für den Rückweg bergab haben wir die Seilbahn genommen. Es war schon spät am Nachmittag.

Pastor Marcus Buchholz, stellvertretender Superintendent im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf

Haben Sie vor dem letzten Kauf einer Zahnbürste vielleicht erst einmal drei Testberichte gelesen, um zu wissen welche denn die Beste ist? Haben Sie heute schon in den Spiegel gesehen nach der Dusche und „Perfekt!“ zu sich gesagt? Das geht ja gar nicht!

Diese Erkenntnis geht verloren. Das „Perfekte“ ist ausdrücklich das Ziel unzähliger Anstrengungen geworden. Jeder Betrieb müht sich ununterbrochen darum, „die Prozesse zu optimieren.“. Das ist auch sicherlich manchmal sinnvoll. Die Feststellung „Nichts ist perfekt.“ – ist bei manchen längst ersetzt worden durch das überschwängliche „Nichts ist unmöglich.“. Firmen fordern von Ihren Mitarbeitern deren „Selbstoptimierung“. Doch ist das überhaupt erreichbar: die perfekte Version meiner Person? Klar, da fallen mir so perfekte Menschen ein wie Martin Luther King, Mutter Teresa und Jesus natürlich. Wie sieht der das eigentlich?  Der spricht auch von Vollkommenheit! Er ermahnt seine Nachfolger*innen: „Deshalb sollt ihr vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“ (Matthäus 5,48). Auch das noch! Wenn aber perfekt sein bedeuten würde: vollständig sein, zum Ziel gekommen sein, ganz sein? Dann wird aus dem Druck Perfekt zu sein, ein Werden, ein Zugehen auf Gott. Er ist das vollkommene Ziel, vollkommen liebevoll und barmherzig. Dann wird das perfekt sein, ein Weg zu mir und dem anderen. Das beginnt bei mir, beim barmherzigen Blick in den Spiegel am Morgen, setzt sich fort beim Blick auf meine Kinder, die das Zimmer nicht aufgeräumt haben, und endet bei der krummen Gurke auf dem Marktplatz. Also sowas!

Stefan Krüger

Liebe Leserin, lieber Leser,

„und Gott sprach: Es werde Licht!“, so steht es auf der ersten Seite der Bibel. Mit Licht hat es begonnen, das Leben auf der Erde. Ich empfinde den Januar immer als einen dunklen Monat. Die meisten Weihnachtsbäume sind nun abgeschmückt und auch die Kerzen und der Adventskram sind wieder im Karton verschwunden. Mir fehlen die Lichterketten und Schwippbögen, die so schön gegen die kurzen Tage angeschienen haben. Gegen diese Januar-Dunkelheit wollen die beiden Luther Künstlerinnen Angelika Dömland und Hildemut Bölsing anleuchten. „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg“, diesen Vers aus Psalm 119 haben sie sich zum leitenden Gedanken für ihre Ausstellung erkoren, die vom 12. bis 26. Januar in der Dorfkirche Luthe zu sehen ist. In ihren Bilder und Keramiken zeigen die Beiden bildhaft, wie Gottes Licht mit unseren Leben verbunden ist. Gott gibt Licht, in all das, was in unserem Leben dunkel erscheint. Durch Ihr Versprechen an uns, dass unsere ganze Existenz von Ihr gehalten wird, mit allen Entscheidungen, die wir treffen und allen Umständen, in denen wir uns vorfinden. Das ist das Wort, die frohe Nachricht, die in unser Leben leuchtet. Gott ist da. Auch in der Dunkelheit lässt Sie uns nicht allein.

Ihre Pastorin Marit Ritzenhoff, Luthe

Ein „moderner“ Mensch verirrt sich in der Wüste. Erschöpft von der Hitze sieht er in der Ferne eine Oase. „Aha, eine Fata Morgana,“ denkt er, „eine Luftspiegelung, die mich narrt.“  Er nähert sich der Oase, aber sie verschwindet nicht. Immer deutlicher sieht er die Dattelpalmen, das Gras und vor allem das Wasser. „Natürlich eine Hungerfantasie, die mir mein halb wahnsinniges Gehirn vorgaukelt“, denke er. „Sowas bildet man sich bekanntlich in meinem Zustand ein!“ Dann hört er sogar das Wasser sprudeln. Kurze Zeit später finden ihn zwei Beduinen. Tot. „Kannst du so etwas verstehen?“ sagt der eine zum anderen, „die Datteln wachsen ihm beinahe in den Mund. Und dicht neben der Quelle liegt er verhungert und verdurstet. Wie ist das möglich?“ Da antwortet der andere: „Er war ein moderner Mensch. Er traute seinen Augen nicht; er glaubte nicht einmal an seine 5 Sinne. Er hat sich zu Tode gezweifelt." 

Unglaube und Zweifel machen den modernen Menschen aus. Die Natur von uns Menschen ist so angelegt, dass wir für schlechte Nachrichten und Probleme empfänglicher sind als für Positives. In der menschlichen Entwicklungsgeschichte hat es sich bewährt, misstrauisch zu sein. Darum fällt es vielen schwer das Gute zu sehen und darauf zu vertrauen. Dabei können wir im Großen und Kleinen viel Positives erleben. Allein wieviel wurde jetzt zu Weihnachten wieder für Menschen in Not gespendet! Wieviele Menschen engagieren sich unermüdlich ehrenamtlich bei Feuerwehr und anderen Hilfsdiensten. Und viele Menschen in unserem Land sind trotz aller politischer Vorbehalte sehr wohl dazu bereit sich einzuschränken, damit diese Erde eine Zukunft hat.

Wir sollten das Wort „gut“ nur einfach öfter und bewusster verwenden. „Gut sein“ und „Gutes tun“ sind weltliche Formulierungen des Gebotes der Nächstenliebe. Manchmal liegen das Gute - so wie bei dem Menschen in der Wüste - zum Greifen nahe. Allem Misstrauen, allem Zweifel zum Trotz. Es ist nur wichtig, daran zu glauben. Falls uns das schwerfällt, dann können wir wie in der diesjährigen Jahreslosung zu Jesus rufen: „Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9,24). Jesus verkörpert, worum es im Glauben geht. Er hat Macht, Leben gut werden zu lassen. Darum ist es auch im neuen Jahr lohnenswert, sich beherzt für das Gute zu engagieren!

Michael Hagen, Superintendent