Wochenandacht

Auf dieser Seite sammeln wir seit Ostern 2015 die wöchentlichen Andachten im Wunstorfer Stadtanzeiger. Sie werden auch bei Radio Leinehertz zu hören sein. Im Bild unsere Sprecher Gunner Göers und Carlo Pengel.

Was für eine Frage! Wer etwas erreichen will, kann doch nicht zufrieden sein! Unzufriedenheit ist eine Triebfeder unserer Leistungsgesellschaft. Denn wer zufrieden ist, muss seine Leistung nicht weiter steigern. Aber die Leistung soll doch immer weiter gesteigert werden oder nicht? Und wer zufrieden ist, könnte keine großen Wünsche mehr haben, muss nicht noch mehr konsumieren. Werbung würde dann ins Leere laufen. Wer alles hat, was für das eigene Leben wichtig ist, muss nicht das kaufen, was gerade „in“ ist.

Im Blick auf Herausforderungen in unserer Gesellschaft kann niemand zufrieden sein. Engagierte Menschen können Veränderungen bewirken. Dabei ist niemand von uns in der Lage, die (ganze) Welt zu retten – wir können uns nur in dem Maße einsetzen, wie es uns möglich ist.

Und trotzdem ist die Frage berechtigt: dürfen wir zufrieden sein?

Ich meine: ja, wir dürfen zufrieden sein. Zumindest wenn wir haben, was wir zum Leben brauchen – und davon haben die meisten von uns genug. Und dann wäre Zufriedenheit zutiefst sinnvoll: der Drang, immer noch mehr anzustreben, wäre nicht mehr da. Und wer in dieser Weise zufrieden ist, kann in sich selbst ruhen, und vielleicht auch in Gott.

In den Psalmen, dem Liederbuch des Alten Testaments, findet sich ein Aufruf, zufrieden zu leben, weil Gott sorgt: „Sei nun wieder zufrieden, meine Seele, denn der HERR tut dir Gutes.“ (Psalm 116, 7).

Das Gute in Gott suchen und entdecken, kann helfen, innere Zufriedenheit zu finden.

So können wir auch zu neuer Motivation und Kraft kommen, um uns für nötige Veränderungen einsetzen und Probleme anpacken können. Zufrieden werden bedeutet schließlich nicht, seinen Egoismus zu pflegen, sondern einen inneren Ruhepunkt zu finden. Die gerade begonnenen Sommerferien sind eine gute Möglichkeit, Zufriedenheit zu suchen und einzuüben.

 

Das wünscht Ihnen Ihr Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

Es gibt viele Türen: Der Großteil davon wird jeden Tag ein paarmal benutzt. Ebenso die Schlüssel, die dazu gehören. Es gibt auch Türen, die sind so fest verschlossen, als wären sie seit Jahren nicht mehr geöffnet worden. Als wäre der passende Schlüssel nicht mehr vorhanden. Wo aber Türen einladend offen stehen, können sich Menschen begegnen. Und wenn die „Tür“ zwischen zwei Menschen offen ist, kann echte Begegnung stattfinden. Doch manchmal fallen Türen zwischen Menschen ins Schloss. Die Menschen verschließen sich voreinander, finden keinen Zugang mehr zueinander. Begegnung findet nicht mehr statt. Der „Schlüssel“ passt nicht mehr, die Tür lässt sich nicht mehr öffnen. Vielleicht will man sie gar nicht mehr öffnen oder manch einer merkt es gar nicht, dass er eine Tür zugeknallt hat. Traurig ist es dann, wenn niemand versucht, die zugeschlagene Tür wieder einladend zu öffnen. Wenn keiner versucht eine Begegnung zu ermöglichen.

Aber nicht nur zwischen Menschen können Türen zufallen, sondern auch zwischen Gott und uns Menschen. Bei ihrer Konfirmation bekräftigen  Konfirmanden das Versprechen, das ihre Eltern und Paten bei ihrer Taufe gegeben hatten. Sie sagen „Ja“ zu einem Leben mit Gott. Nichtsdestotrotz  fällt für viele danach die Tür zu Gott ins Schloss. Sie finden keinen Zugang mehr zu ihm, halten die Verbindung mit ihm für überholt. Sozusagen nicht mehr zeitgemäß. Manchmal  - nach Jahren -  merkt manch einer, dass da eine Tür zu Gott ist, eine Tür die man selbst öffnen kann. Zu der sie selbst den Schlüssel haben. Dieser Schlüssel heißt Vertrauen, Vertrauen in Gott, der uns auf allen Wegen unseres Lebens begleitet. Auch wenn wir es oft nicht wahrnehmen. Mit diesem Schlüssel des Vertrauens kann die Tür zu Gott wieder geöffnet werden. Gott schlägt keine Tür zu. Und mit dem Schlüssel des Vertrauens kann auch die Tür zu anderen Menschen wieder geöffnet werden.

Jeder Tag bietet die neue Chance, nach den Schlüsseln für die ins Schloss gefallenen und somit verschlossenen Türen zu suchen. Ein solcher Schlüssel kann die Bereitschaft zur Vergebung sein, kann neues Vertrauen, ein Lächeln, ein klärendes Wort sein. Und ein Gebet, ein Gespräch mit Gott.

Marlene Richter, Prädikantin, Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf

In dieser Woche und erst Recht heute, am Sonnabend, müsste man es eigentlich spüren: die Kirchen müssten herausgeputzt sein, die Kirchenvorsteher und Ältesten müssten bei Prozessionen anzutreffen sein, die Pastoren und Bischöfe müssten, mit aufgekrempelten Ärmeln, die Kirchenräume noch einmal durchputzen, Plakate müssten aufgehängt, flammende Reden zur Zukunft der Kirche gehalten werden, Diskussionsgruppen aller Altersstufen müssten über die Zukunft ihrer Gemeinden diskutieren, Jugendgruppen müssten Pläne schmieden, um sich vorzubereiten auf die baldige Übernahme der Verantwortung in ihrer Kirche …

Warum? Nun, am Sonntag wird Trinitatis gefeiert. Der lateinische Name lässt die Bedeutung nur schwer erkennen: das Fest der Dreieinigkeit. Was damit gemeint ist, wird im Vergleich zu den großen Kirchenfesten gern unterschätzt. Mit dem Trinitatissonntag beginnt nämlich das sogenannte Halbjahr der Kirche. Weihnachten kommt Gott auf die Erde, uns nah und erkennbar. Ostern überwindet er den Tod und macht mutig gegen alles Todbringende und Angstmachende auf der Welt und Pfingsten schüttet er seinen Geist auf die aus, die in diesem Geist leben und wirken wollen. Von Weihnachten bis Pfingsten - das nennt man das Halbjahr des Herrn - macht Gott sich der Welt bekannt, sagt wer er ist, was er will und wovon wir leben können. Danach, also ab Trinitatis, gilt: Selber machen! Es ist ein bisschen so, wie mit dieser Baumarktwerbung: Respekt wer’s selber macht! Die Kirche soll von diesem Wochenende an sich selbst ausprobieren, soll reden und handeln, wie Gott gehandelt hat. Sie hat sein Wort, seine Macht, seinen Geist.

Tut sie das? Eine kleine Gruppe von Verantwortlichen tut es. Sie denkt, plant, organisiert und arbeitet eigenverantwortlich, manchmal begeistert, manchmal mit Mühe. Aber beim Blick auf die ganze Gemeinde habe ich oft den Eindruck, dass Menschen sich den Glauben, das Angebot der Gruppen und Kreise eher vorsetzen lassen wie eine Mahlzeit, die andere gekocht haben.

So ist aber Kirche nicht gedacht. Dafür hätte sich keiner ans Kreuz nageln lassen müssen.

Ich stelle mir vor, dass Gott freundlich auf die herab sieht, die in seinem Sinn einfach loslegen und höre ihn allen mutigen und fleißigen Verantwortlichen seiner Kirche zuflüstern: „Respekt, wer’s selber macht!“

Pastor Axel Sandrock, Hagenburg

Liebe Leserinnen und Leser,

jedes Jahr zu meinem Geburtstag erzählen mir meine Eltern, wie sie begonnen hat, meine Geschichte hier auf Erden. Da fallen so Sätze wie: „Jetzt sind wir ins Krankenhaus gefahren.“ Oder „Weißt Du noch, wie lange wir spazieren gegangen sind? Die Flure rauf und runter.“ Aber irgendwann – und besonders als Teenager habe ich diesen Zeitpunkt sehr herbeigesehnt - heißt es dann: „Jetzt warst du da. Herzlichen Glückwunsch!“ 

Wenn wir Geburtstag feiern, dann feiern wir den Tag, an dem unser Leben begonnen hat. Der Tag an dem es los ging, mit unserer Geschichte hier auf Erden. Auch die christliche Kirche hat einen solchen Geburtstag, an dem ihre Geschichte begann. Jedes Jahr an Pfingsten feiern wir ihn.

Es ist eine Geburtstagsfeier ohne Torte und Geschenke, aber dafür mit viel Musik und festlichem Rahmen in unseren Gottesdiensten. Auch wir erinnern uns gerne an das, was damals geschah und erzählen die Geschichte dieser ganz besonderen Geburt:

Die Jünger Jesu warten in Jerusalem. Sie wissen nicht genau, was da auf sie zukommt, noch wann es los gehen wird. So üben sie sich in Geduld und laufen die Straßen Jerusalems auf und ab. Der Geist Gottes wird kommen, soviel hatte ihnen Jesus noch verraten, bevor er in den Himmel aufgefahren war. Er soll sie für ihre neue Aufgabe bereitmachen, in aller Welt die frohe Botschaft von Jesu Sieg über den Tod zu verkünden. Und dann, endlich, als alle zusammensitzen, geht es los. „Plötzlich setzte vom Himmel her ein Rauschen ein wie von einem gewaltigen Sturm; das ganze Haus, in dem sie sich befanden, war von diesem Brausen erfüllt. Gleichzeitig sahen sie so etwas wie Flammenzungen, die sich verteilten und sich auf jeden Einzelnen von ihnen niederließen. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt, und sie begannen, in fremden Sprachen zu reden; jeder sprach so, wie der Geist es ihm eingab.“ (Apostelgeschichte 2,2-4; Neue Genfer Übersetzung)

Das berichtet die Apostelgeschichte über die Geburt der Kirche. Sie kam in die Welt, indem Gott seinen Geist zu den Jüngern schickte, so dass das Wort sich ausbreiten konnte. Die frohe Kunde ging von Jerusalem hinaus in alle Welt. Und so lebt die Kirche seitdem als ein Ort, an dem die frohe Botschaft weitergegeben und gelebt wird. Nicht nur hier in Wunstorf, sondern überall auf dieser Welt. Und auch nach fast 2000 lebt sie mit jeder und jedem von uns weiter. Jedes Jahr und jeden Tag aufs Neue – eine ganz eigene Geschichte, die es sich lohnt, immer wieder zu erzählen.

Pastorin Marit Ritzenhoff

Jedes Jahr wenn sich der Frühling breit macht, dann ist sie wieder da, die große Frage: „Ob ich wohl dieses Mal einen Maikäfer entdecke?“ In Kindestagen, da ließen sich die „Burschen“ ja fast gar nicht blicken. Nur die Alten erzählten von Maikäferplagen vergangener Tage. In den zurückliegenden Jahren tut sich nun aber was. Wohl nicht in jedem Frühling, jedoch immer häufiger entdecke ich welche. Manch einen finde ich nur noch erdrückt auf Straße und Bürgersteig. Um so größer ist dann meine Begeisterung, wenn tatsächlich so ein „Geselle“ brummend an mir vorbeischwebt.
Vier Jahre brauchen sie unter der Erde, um dann das Licht der Welt zu erblicken. Und nur vier Wochen später ist es um sie geschehen. Was für ein Aufwand - wie viel Energie und Vorbereitungszeit um grade mal vier Wochen so etwas wie „Insektenkönig der Lüfte“ zu sein! Aber während ich das schreibe, denke ich: So ganz anders ticken wir Menschen auch nicht. Ganz abgesehen von der langen Vorbereitungszeit, die wir brauchen, um Schule, Berufsausbildung oder Studium zu einem krönenden Abschluss zu bringen: Wie oft schlummern auch sonst Ideen, Hoffnungen, große und kleine Ziele über Jahre hinweg in uns, gären so vor sich hin und absorbieren zwischenzeitlich eine Menge Energie. Und längst nicht alles was wir so erwartungsvoll aushecken erweist sich dann im Nachhinein als so genial, wie wir uns das vorher versprochen haben – manches verliert relativ schnell seinen Glanz, anderes ist gar nicht erst lebensfähig. Aber neben all dem, was da glanzlos am Boden liegen bleiben mag, brummt dann doch der ein oder andere „Geselle“ an uns vorbei und begeistert uns – gelingt uns das ein oder andere unserer Ziele recht gut und erfreut je länger desto mehr das Herz.
Ich mag an dieser Stelle das Gebet des König Davids (Psalm 139,23-24), der mit einer gesunden Skepsis sich selbst und den eigenen Vorstellungen und Plänen gegenüber die Worte spricht: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich´s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Wege.“

Pastor Claus Carsten Möller, St. Johannes Wunstorf

 

Vier Tage war ich gerade zu Gast bei den Schwestern der 'Communität Kloster Wülfinghausen'. Das Leben dort ist klar strukturiert: Im Kloster geben Gebete zu festen Zeiten jeden Tag einen klaren Rhythmus; liturgische Gesänge verleihen diesen Gebeten einen besonderen Charakter. Gebete und Gesänge schaffen wiederum den Rahmen für den Inhalt der Tage: sich im Stillsein zu üben, in sich hinein zu hören, sich Gott zu öffnen und das eigene Leben betend vor Gott zu bringen.
Stille, das ist für mich eine Herausforderung, ganz klar. Gefühlt bin ich ständig am Reden, stehe laufend im Kontakt mit anderen per Telefon, Mail, Whats-App. "Stille ist mehr als nicht zu reden," sagen die Schwestern. "Stille ist schweigen und sich ganz auf sich und auf Gott zu konzentrieren." Deshalb sei es wichtig, alle Außenreize abzustellen.
Diese Stille musste ich erst mal für mich ermöglichen. Zuerst landeten mitgebrachte Bücher im Koffer, danach habe ich das Handy ausgestellt.
Als zweites habe ich nicht mehr mit den anderen Gästen geredet, außer zu den dazu verabredeten Zeiten, und mich auf das eingelassen, was in der Stille geschieht.
Für mich war das eine facettenreiche Erfahrung: Entlastend war es, nicht im ständigen Austausch sein zu müssen, nicht immer neue Infos zu hören und zu verarbeiten. Stattdessen konnte ich einfach nur da sein, einfach schmecken, sehen, riechen, fühlen. Bereichernd war es, den Gesang der Amsel, den Duft des Flieders, den Geschmack des Croissants intensiver wahrzunehmen. Wohltuend und heilsam war es, zur Ruhe zu kommen, Gedanken, Gefühle und Erinnerungen aufsteigen zu lassen und das alles im Gebet vor Gott zu bringen: als Klage oder Bitte, als Dank oder Lob. Dazu beigetragen haben auch die biblischen Impulse und Gespräche mit den Schwestern.
Vier Tage in der Stille, das ist eine intensives Erlebnis. Es lohnt, sich darauf einzulassen.
Dazu gibt es in Wülfinghausen zahlreiche Angebote, zu finden sind sie unter www.kloster-wuelfinghausen.de.
Vielleicht ist ja etwas für Sie dabei.

Pastorin Susanne Sander, Schloß Ricklingen

Stefan KrügerLautet das Sprichwort nicht „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?“ Den gewohnten Wortlaut des von Erwachsenen abgenutzten und von Jugendlichen wohl kaum geliebten Spruchs, kann man einfach ändern und so vielleicht für eine alternative Alltags-Haltung sorgen. Wenn wir doch einfach „nur“ die Einstellung vertreten würden, dass das Vertrauen bei jungen Menschen und auch in den Beziehungen zwischen Erwachsenen eine wichtigere Rolle spielt als die gegenseitige Kontrolle. Vertrauen ist besser!

Menschliches Miteinander beruht auf Vertrauen. Das fängt in der Familie an, setzt sich unter Freunden, Nachbarn und Bekannten fort und endet beim Zusammenleben in Stadt und Land. Ohne Vertrauen ist kein Miteinander möglich. Und je mehr Misstrauen unseren Alltag bestimmt, umso mehr wird Vertrauen zum gefragten und kostbaren Gut.

Dem Arzt Vertrauen schenken, dass er die richtige Diagnose stellt, den Rettungskräften vertrauen, wenn sie helfen wollen, den Polizisten vertrauen, wenn sie schützen wollen. Der Lehrerin das Kind anvertrauen, der Nachbarin den Schlüssel zur Wohnung.

Einfach so, ohne Kontrolle. Das ist zu schwierig? Sie haben zu viel Enttäuschung erlebt?

Frère Roger, Gründer der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, schrieb einmal: „Das Vertrauen ist der Anfang aller Dinge.“  Seien Sie also mutig und wagen Sie wieder einmal Vertrauen. So kann manche Beziehung wieder neu begonnen werden.

Jesus hat schon zu seinen Lebzeiten auf Erden neues Leben in die Beziehungen von Menschen gebracht. Sein bevorzugtes Mittel dafür war das Vertrauen, das er Gott und Menschen entgegenbrachte. „Glaube“ sagte er zu dem Kranken, „und du wirst leben.“ Zu Petrus sagt er nur “Komm“ und solange Petrus vertraute, ging er nicht unter. Sein Zweifel ließ ihn erst die vielen Wellen im Leben sehen, der Sturm der Entrüstung über naives Gottvertrauen im Ohr, verstellte ihm den Blick auf Jesus. Und er wird doch gerettet, weil Jesus ihn sieht, ihm nahe ist.  Glauben heißt Vertrauen und bedeutet, dem Guten eine Chance zu geben.

Schenken Sie den Menschen in Ihrer Umgebung, so weit möglich, Vertrauen. Schütteln Sie Hände, üben Sie Gastfreundschaft. Suchen Sie das offene Gespräch, hören Sie zu. Machen Sie deutlich, dass Ihr Gegenüber Ihnen vertrauen kann, zeigen Sie so, dass echte Gemeinschaft gelingen kann. Vertrauen ist besser- für uns alle.

Von Diakon Stefan Krüger, Wunstorf

... und das nicht nur im Ostergottesdienst! Der liegt zwar schon länger hinter uns, aber mich interessierte, wie es zu dem Osterlachen kam, von dessen vereinzeltem Aufleben in Gemeinden ich gelesen hatte: Im 14.Jahrh. ging es los und war bis ins 19.Jahrh. weit verbreitet am Ostersonntag. Luther tat es als albernes Getue ab, und es war ihm ein Dorn im Auge, wenn die Pastoren auf der Kanzel Handstand machten, Grimassen zogen, zweideutige Witze erzählten, wie Gänse schnatterten oder immer Kuckuck schrien. Oft beförderten sie auch laut gackernd ein Ei unter ihrem Talar hervor oder krochen auf allen Vieren quiekend durch die Kirche.

Er lehnte nur diese Auswüchse ab, Humor im Gottesdienst aber nicht: „Wenn Gott keinen Spaß verstünde, so möchte ich nicht im Himmel sein.“

Aber was sollte das Osterlachen eigentlich bewirken ? Der Grundgedanke war : Die Erlösung durch die Auferstehung Christi betrifft den Menschen mit Leib und Seele. Die Osterfreude soll zum Ausdruck gebracht werden. Es symbolisiert den Sieg über den Tod. Ich fand eine Erklärung des Tübinger Theologen Kuschel : Die Auferstehung Christi lässt sich als Gottes Gelächter über den Tod verstehen. Liturgie und Lachen müssen sich keinesfalls ausschließen. Er bedauert, dass kirchl. Autoritäten heute in vielen Fragen oft nicht den geringsten Spaß verstehen und unter Christen mehr gezittert und gezetert als gelacht wird.

Dabei spricht Jesus für den Himmel in Luk.6, 21 „Ihr werdet lachen“

Aufklärung und Rationalismus verbannten sogar in manchen Gegenden schon ab 18.Jahrh. solche ganzheitliche Osterfreude aus der Kirche. Sie klingt aber heute noch in einigen Psalmen und Chorälen an. „Da wird unser Mund voll Lachens sein und unsere Zunge voll Rühmens oder im Lied „Auf, auf, mein Herz mit Freuden“, im 5. Vers „Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem großen Zorn…“ Natürlich bin ich bei meinen Erkundungen auf Witze gestoßen, die auf der Kanzel erzählt wurden, wie z.B: Über dem Portal einer großen Kirche steht „Das ist Gottes Haus, die Tür zum Himmel“- an der Tür „Während der kalten Jahreszeit bleibt diese Tür geschlossen.“

Ein Student, 1.Sem. im Predigtnachgespräch, hart diskutiert „Ob es die Auferstehung wirklich gibt, Herr Pfarrer, werden wir hier nicht entscheiden. Also sterben wir erstmal, und reden dann weiter.“

Im Examen sitzt ein ziemlich hoffnungsloser Fall, zus. gesunken vorm Prof. „Sie wissen ja überhaupt nichts - Können Sie wenigstens einen einzigen Satz aus dem NT auswendig ? Zaghaft „Ja: Doch Freuet euch in dem Herrn“-“Naja, und vielleicht noch einen anderen Satz ?“ Da strahlt der Kandidat „Und abermals sage ich, freuet euch.“-- Möge die Osterfreude uns immer begleiten!

Ursula Wiebe, Prädikantin

Als ob jemand die Welt retten könnte, mal eben im Vorübergehen. Aber die Tendenz ist da: das Leben ist grenzenlos. So sieht es jedenfalls aus, das ist ein Lebensgefühl in unserer Gesellschaft. Da wird maximaler Einsatz im Beruf erwartet. Überstunden sind selbstverständlich.  Oder da hat jemand viele hundert „FreundInnen“ bei Facebook und verbringt jeden Tag mehrere Stunden am Laptop, um Nachrichten und Mitteilungen zu lesen. Andere verhalten sich nicht nur sportlich, sondern betätigen sich beinahe grenzenlos im Sport, ohne Profi zu sein.

Unsere Welt ist grenzenlos geworden. Wir setzen alles ein für den Beruf, für die Familie, für die Freizeit, leben grenzenlos. Das kann durchaus lange Zeit funktionieren. Bis dann doch die eigenen Grenzen erreicht sind, bis Körper und Seele dieses grenzenlose Leben nicht mehr mitmachen. Hoffentlich geschieht das nicht in Form eines Zusammenbruches oder durch Depressionen, Notwendig ist eine massive Lebensänderung, nämlich durch das Wahrnehmen der eigenen Grenzen.

Denn wir haben Grenzen, jede und jeder von uns. Grenzen der Möglichkeiten, aber auch Grenzen der Belastung. Diese können sehr verschieden sein.

Unser Leben kann eher gelingen, wenn es gelingt, die eigenen Grenzen anzuerkennen und mit ihnen zu leben. Das kann bedeuten, immer wieder bewusst Pausen einzulegen, Auszeiten zu planen oder kreativ tätig zu werden.

Übrigens: auch berühmte Männer und Frauen hatten und haben Grenzen. Sogar Jesus. Mitten im Trubel zog Jesus sich zum Gebet in die Einsamkeit zurück: „Und als Jesus sich von ihnen getrennt hatte, ging er hin auf einen Berg, um zu beten.“ (Lukas 6,46) Er leistete sich das, obwohl Menschen ihn suchten und von ihm Hilfe erwarteten.

Wenn Jesus solche Pausen nötig hatte und damit seine Grenzen beachtete, wieviel mehr gilt das dann  für uns!

Eine gute Woche wünscht Ihnen Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

 

 

Manchmal kommt er im Gespräch, manchmal unter der Dusche, manchmal in der Stille: Der Geistesblitz. Da ist sie, die Idee, etwas Neuartiges, etwas anders zu machen. Der Gedanke nimmt Formen an und wir immer präziser. Das ist noch nicht anstrengend, nur aufreibend. Das Anstrengende folgt erst noch: Anderen Menschen davon zu berichten, „Du, ich habe da eine Idee“. Das gibt es viele unterschiedliche Reaktionen, von „Ja, das hast Du recht“ bis „das klappt doch nie“. Das negative Feedback überwiegt meistens, aus ganz unterschiedlichen Gründen: Manch einer ärgert sich, nicht selber darauf gekommen zu sein, andere sehe ihre eigenen Grenzen zu eng und projizieren das auf den Ideengeber. Das schafft Frust, wenn die Idee totgeredet wird, bevor sie überhaupt ausprobiert wurde. Was ist denn möglich, was kann denn gelingen? In einem dörflich geprägten Umland von Wunstorf gibt es wenige Sponsoren und somit nicht so viel Anschubfinanzierung. Aber dafür viele Menschen, die selbstverständlich mit anpacken, die sehr hilfsbereit sind. Also: Warum nicht versuchen?  Was hält uns ab?

In der Bibel steht im Matthäusevangelium im 17. Kapitel: Jesus spricht: Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.

Wie häufig haben wir das vergessen? Und dass, obwohl wir beim Osterfest letzte Woche genau an dieses Unmögliche, dass Berge und Steine versetzen kann, erinnert haben. Wie häufig zweifeln wir unseren Glauben und die Hilfe an? Der Versuch macht doch nach dem Volksmund klug. Der Glaube versetzt nicht nur Berge, sondern auch die eigenen Grenzen, Neues und Anderes erfolgreich auszuprobieren. Der christliche Glaube ist ein Glaube der Chancen und weniger der Risiken und das kann zu einer unheimlichen Stärkung der inneren Haltung verhelfen. Man sollte sich nur fernhalten von negativen Menschen: Die haben für jede Lösung ein Problem.

Jörg Mecke, Prädikant aus Idensen

„Nicht alle, die sterben, weinen, aber alle weinen, die geboren werden.“ Mit diesem sinnfälligen Satz versucht der Philosoph und Theologe Marsilio Ficinos im 15.Jahrhundert von Norditalien aus das dunkle Tor zum Mittelalter zuzustoßen. Endlich soll das Licht der Renaissance das Herz der Menschen erreichen. Die Seele des Menschen will er aufrichten. So wie es die zu Herzen gehenden Predigten Martin Luthers in Wittenberg bald vermochten. Man will das Mittelalter hinter sich lassen. Hatte es doch so viel Krieg, Angst, Pest und Gewalt über die Menschheit gebracht! Es hatte die Seelen verdunkelt. Die Welt sehnt sich nach Sinn und Schönheit. Ja, zu jedem Menschenleben gehört, dass uns auch Leid und Angst widerfährt. Schon zur Freude beim ersten Anblick eines Neugeborenen wird das Weinen des Kindes mitgeboren. Leben gibt es nicht ohne sein Gegenstück, den Tod. Mit beidem müssen wir uns auseinandersetzen. Doch auf welche Seite schaue ich zuerst. Wem schenke ich mein Herz? Dem Leben oder dem Tod? Dem Lachen oder dem Weinen? Manchmal vergeht einem das Lachen. Da erscheint einem sogar diese moderne Welt des 21.Jahrhunderts recht mittelalterlich. Etwa, wenn wir sehen, wie immer wieder Wellen von Gewalt über diesen Globus rollen und die Religion den Ideologien dienstbar gemacht wird. Wenn wir ständig diese modernen Todestänze sehen, sinkt uns der Mut. Wir sehnen uns nach einem Licht in unserer Seele. Wir brauchen diesen hellen Schein, der in uns leuchtet. Es geht um uns. Worauf vertraust Du? Wem glaubst Du? Vielleicht dem, der sagt: „Ich bin das Licht der Welt“? (Johannes 8,12) Nun, der so von sich spricht: Er war tot gewesen. Doch Gott hat ihn auferweckt. Jesus fiel ins Dunkel. Und er stand auf im Licht. Er lebt. Jesus hat das ewige Gesetz dieser Welt sichtbar gemacht. Darum nennt man ihn Christus, den Gesalbten Gottes. Durch ihn erkennen wir immer wieder neu, dass hinter allem Abgründigen in diesem Leben am Ende ein ewiges Licht leuchtet. Man kann es mit dem bloßen Auge nicht erkennen. Man kann es aber glauben. Ostern ist ein Herzensfest. Gottes Licht leuchtet in uns. Wir nennen dies Glaube. Oder Liebe. Oder Hoffnung. Es sind diese Drei! Sie sind das Wichtigste in unserem Leben. Sie machen unser Leben hell.

Timan Kingreen, Pastor in Wunstorf und Hannover

Als er kam wurde er begeistert begrüßt. Die Leute erwarteten viel von ihm.  Einer der den Mund aufmachte. Der die Dinge beim Namen nannte. Keine Scheu hatte die Herrschenden anzugehen. Der für die Menschen des Volkes da war. Sie verstand, und sie verstanden ihn. Dachten sie. Es hatte sich herumgesprochen, dass er die kleinen Leute beachtete. Dass er für Kranke da war, für Leidende ein Ohr hatte, sich gegen Unrecht einsetzte. So feierten sie ihn. Bereiteten im einen großen Empfang, dem neuen Hoffnungsträger.

Und dann tat er, was er sagte. Räumte auf mit alten Vorstellungen, mit gewohnten Traditionen, mit dem vertraut Üblichen. Keine Opfer mehr! Er schmiss die Tische der Geldwechsler um, jagte die Händler aus dem Tempelhof, ließ die Opfertiere frei. Randale im Heiligtum.

‚Wie?’, fragten die Menschen, ‚Sollen wir kein Fest mehr feiern wie immer, gibt es keinen Opferbraten mehr wie seit Moses Zeiten, kein Festtagslamm?’

Und die Herrschenden gewannen wieder die Macht zurück, streuten falsche Informationen, verbreiteten Lügen über ihn, kippten die Stimmung.

Plötzlich schrien die ersten: ‚Kreuzigt ihn!’, dann alle. Da hatten die Mächtigen leichtes Spiel.

Und seither fragen sich und mich immer wieder Menschen, warum Gott das zulässt, soviel Leid und Unrecht in der Welt, Krieg und Zerstörung, Hunger und Ungerechtigkeit und diese schlimme Krankheit.

Müsste er da nicht eingreifen, wenn es ein liebender Gott ist?

Hat er doch, sage ich dann, er hat doch seinen eigenen Sohn geschickt, als Mensch unter Menschen. Aber die haben ihn ans Kreuz genagelt.

Und tun es noch und immer wieder. Wo sie nicht Mensch unter Menschen sind, sondern sich selbst als besser sehen, besser als die anderen.

Wo wir weggucken, wenn Menschen leiden, hungern. Wo wir Ängste schüren vor dem Fremden. Wo wir meinen, wir wären gerecht, aber so viele andere ungerecht.

Wenn das Volk entscheiden soll, dann gilt nicht Recht und Gesetz, zählen nicht Fakten und Wahrheiten. Dann wird Stimmung gemacht, werden Ängste geschürt, Gefühle manipuliert, Lügen verbreitet. Dann muss ein einfaches Ja oder Nein reichen, ein schnelles Dafür oder Dagegen.

Als wenn die Welt so einfach wäre. Darum ist das Sichabgrenzen und andere Ausgrenzen, das Trennende immer naheliegender, als das Miteinander, das Menschliche. Denn die Suche nach dem Gemeinsamen, dem Verbindenden braucht einen eigenen Standpunkt und die Anerkennung des anderen. Dann gibt es ein Leben miteinander, als Mensch unter Menschen.

Zwischen dem jubelnden Einzug Jesu, dem ‚Hosianna dem Sohne Davids’  und dem aufgebrachten ‚Kreuzigt ihn!’ lagen nur wenige Stunden. So schnell kann sich Volkes Meinung drehen. Um was drehen wir uns, und was dreht uns in dieser Karwoche, auf Ostern hin?

Ele Brusermann, Pastor im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf

Ich schaue mir gerne gute Filme an mit Szenen aus dem Leben gegriffen. Echt und anschaulich, weil das Leben genauso sein kann. Neulich habe ich in unserem Ort eine solche Szene gesehen und miterlebt. Filmreif oder auch ein Motiv für einen Maler, der den beeindruckenden Moment im Bild festhält. Eigentlich war der Alltag noch grau in grau. Die Straße, der Fußweg, die Hauswände, vorbeifahrende Autos und die ältere Frau auf der anderen Straßenseite mit ihren grauen Haaren. Plötzlich kommt Farbe ins Bild: Ein roter Luftballon wird auf dem Fußweg vom leichten Frühlingswind sanft vorwärts getrieben. Die Grauhaarige hat ihn im Blick, freut sich und ist doch gleichzeitig besorgt, er könne auf die Straße getrieben werden und durch Autoräder zerplatzen. Mit leicht gebeugten Knien und ausgebreiteten Armen geht sie voran, als wolle sie den kleinen roten Ballon schützen - retten - fangen. Und dabei bewegt sie sich elastisch und behände. Sie wirkt auf einmal beschwingt, dynamisch und jung. Viel jünger als sie vorher aussah. Dieser rote Luftballon hat Farbe in ihr Leben gebracht. Welch eine Szene! Das Rot lässt das Grau verschwinden. Gibt wieder neuen Schwung. Genauso empfinde ich es, wenn ich die ersten Frühlingsblumen mit ihren leuchtenden Farben sehe. Die Natur erwacht, bricht auf. Nach der dunklen Jahreszeit, nach dem kalten, farblosen Winter erfreuen wir uns wieder am Licht, der Wärme und an der reichen Schöpfung Gottes, die uns in Bewegung bringt, uns Kraft gibt, beflügelt und das Grau aus unserem Leben vertreibt. Welch ein Geschenk! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund wieder fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler.(Ps.103, 2-5) Wie gut passt dieses alte Wort aus dem Psalm Davids in unsere jetzige Zeit! Die Passionswochen nähern sich dem Ende. Die Zeit des Verzichts, des Wartens und der Trübsal haben wir bald überstanden. Sie muss dem nahestehenden Aufbruch zu etwas Neuem und der großen Freude, die wir mit der Auferstehung Jesu Christi erleben, weichen.

Angelika Dömland, Prädikantin in Luthe

Im Zentrum der Schule gelegen – und trotzdem ein Ort der Ruhe. Ein Raum mit hellem Holzfußboden, großen Stufen um darauf zu sitzen, an einer Seite mit einer kompletten Glasfront, die den Blick auf den dahinterliegenden Garten frei lässt. In dem Garten steht eine Eiche – gepflanzt, als die Schule in den 70er Jahren gebaut wurde.

Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen. Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. (1. Mose 2,8-9a.15)

Am 24. April ist es endlich soweit: Die Schülerinnen und Schüler und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ev. IGS ziehen in den Neubau ein. Viele Jahre und Monate haben wir gewartet – waren gespannt und neugierig. Und jetzt ist der Zeitpunkt gekommen: Das neue Gebäude wird nach den Osterferien unser neuer Arbeits- und Lernort sein.

Einen ersten Eindruck haben wir in der vergangenen Woche bekommen, als wir die neuen Räumlichkeiten besichtigen durften. Alles ist in frischen Farben gehalten – hell und weit.

Und direkt gegenüber dem Haupteingang – abgehend von der Pausenhalle, liegt der Andachtsraum. Ein Ort – anders als die anderen Räume der Schule. AndernOrts.

Hier ist Platz: Für einen ganzen Jahrgang – zum Andachten feiern. Für größere Gruppen – vielleicht zum Musizieren. Für einzelne Klassen – um anders zusammenzukommen – zum Beispiel auch bestimmte Dinge des Sozialen Lernens einzuüben. Und für Einzelne – um im Alltag der Schule einmal einen Ort der Ruhe zu finden, eine Kerze anzuzünden, ins Gespräch zu kommen.

Wir als Schule bekommen neue Räumlichkeiten.

Für uns alle ist das wie ein Geschenk. Und gleichzeitig auch: Verantwortung. Das, was gut ist, mit hinüber zu nehmen und zu erhalten. Und Neues zu schaffen. Zu bebauen und zu bewahren.

Franziska Oberheide, Schulpastorin Evangelische IGS Wunstorf

Was können Sie besonders gut und was traust Du Dich öffentlich? Manche können gut ein Instrument spie-len, andere sind handwerklich geschickt, die Eine hat einen grünen Daumen und der Andere ist ein groß-artiger Bäcker feiner Torten. Manche haben eine tolle Stimme und können wunderbar vorlesen oder singen. Manche haben ein gutes Händchen im Umgang mit Kindern und andere können gut mit älteren Menschen. Was immer wir können: Andere profitieren davon. Es spielt keine Rolle, ob andere sich nicht trauen, oder es nie probiert haben – wer in Erscheinung tritt mit seinen Gaben, den fragt man danach an.

Was bringen Sie, was bringst Du ein? Manches ist vielleicht nicht so offensichtlich. Einige Menschen sind echte Stimmungskanonen. Das fällt auf. Andere sind ausnehmend freundlich. Das fällt zunehmend auch auf; denn die Gegensätze im Aufeinandertreffen von Menschen werden größer.

Einige Menschen nehmen sich bewusst zurück. Sie sind gute Vermittler und können Streit schlichten. Und viele werden sie kennen, die, die mit ihrer zugewandten Art anderen Menschen Mut machen und die, die für ein gutes Betriebsklima sorgen – nicht als laute Stimmungskanonen, sondern eher im Hintergrund.

Es lohnt sich, mit offenen Augen durch´s Leben zu gehen und die Vielfalt der Begabungen von Menschen zu entdecken, genau hin zu sehen, was jemand mit bringt und einbringen kann. Es geht allerdings nicht immer nur darum, was jemand einbringen kann. Manchmal muss es darum gehen, hinzusehen, was Men-schen brauchen, damit es ihnen gut geht. Oft brauchen wir dafür mehr als unsere Augen. Die Frage dessen, was wir sehen und entdecken, ist in weiten Teilen eine Frage dessen, was wir zu entdecken vermögen, eine Frage von eigener Haltung und Einstellung.
Der kommende Sonntag heißt nach einem Psalmwort, Okuli: Meine Augen sehen stets auf den HERRN. Wir sind gefragt, wonach und wohin wir uns ausrichten und manchmal auch angefragt zu prüfen, ob unsere Blickrichtung stimmt. Da ist es selbstverständlich, dass wir an unsere eigenen Grenzen stoßen und ab und an werden wir merken, dass unsere Blickrichtung eine Änderung vertragen könnte. Manchmal stehen wir vielleicht allzu sehr selbst im Mittelpunkt unseres Sehens auf die Welt. Manchmal, haben wir uns vielleicht auch aus dem Blick verloren und es tut gut zu wissen, dass jemand auf uns schaut. Wenn ich meinen Blick auf ein Gegenüber richte, so bekomme ich meist eine “Antwort”. Ich bleibe nicht unangesehen, sondern ernte eine Reaktion. Das kann mal eine kritische Betrachtung sein und mit Anfragen verbunden, es kann ein Lächeln sein und Freundlichkeit, es kann auch Lob sein, das mich stärkt. Wenn mein Gegenüber mich gut kennt, dann wird es eine Mischung aus allem werden. Gott sieht uns voll Güte und Liebe an. Er sieht uns an, wie wir sind. Wohin blicken Sie – wohin blickst Du?

Diakon Heinz Laukamp

Einem glücklichen Menschen steht die Welt offen. Er verlässt verschlossene Räume. Er atmet gern im Freien frische Luft. Er grüßt die, die ihm begegnen. Er lässt offenen Kontakt mit anderen zu. Ohne Scheuklappen. Sieht nicht nur die Oberfläche. Er ist offen für neue Erfahrungen. Darauf fußt doch sein Glück: Er kann sich frei bewegen und entfalten, und er ist in einem offenen Kontakt verbunden mit anderen Menschen. Und mit Gott. Die Lebensfreude hat viel Raum. Und ich?

Ich stehe doch hier vor dieser verschlossenen Tür. Ich klingel. Ich klopfe an. Es rührt sich nichts. Es ist nichts zu hören. Ich komm da nicht rein. Die Begegnung findet nicht statt. Keine Begrüßung. Kein freundliches Wort. Kein Händeschütteln. Nach dem heftigen Meinungsstreit, der nicht ohne persönliche Beleidigungen ausgekommen ist. Leider! Und jetzt ist da verletztes Schweigen. Wie lange?

Dann geh ich mal wieder. Ich gehe, ohne dass wir uns wieder vertragen haben. Nein, hier und jetzt zähle ich nicht zu den Glücklichen. Da ist was kaputt gegangen. Ob das wieder in Ordnung zu bringen ist? Oder wird sich jeder in seine Kammer zurückziehen? Tür zu. Mauer gebaut. Glück ade.

Ich weiß: ich lebe jenseits von Eden. Und doch bleibt da diese Einladung Gottes, durch die Tür zu gehen, die Jesus Christus uns aufgemacht hat. Die Einladung Gottes, den Frieden im Auge und im Herzen zu behalten, den er uns schenkt. Durch den, der in allen Konflikten geduldig geblieben ist, offen geblieben selbst gegenüber dem, der aggressiv und unversöhnlich handelt. Der daran gestorben ist. Der sich aber nicht erst am Ende als der Glückliche und Lebendige

zeigt. Die Tür zum Frieden steht offen. Da bekomme ich vielleicht sogar wieder offene Augen für den anderen hinter der Tür. Das kann mich glücklich machen.

 

Wochenspruch zum kommenden 2. Sonntag der Passionszeit „Reminiszere“ (Gedenke, Gott, an deine Barmherzigkeit): Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.      Brief an die Römer 5, 8

Pastor Hartmut Peters

Mit der Passionszeit hat am Aschermittwoch auch die Fastenaktion „7 Wochen Ohne“ der evangelischen Kirche begonnen. Seit mehr als 30 Jahren lädt „7 Wochen Ohne“ dazu ein, die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern bewusst(er) zu erleben und zu gestalten. Millionen Menschen lassen sich jährlich durch die Fastenaktion der evangelischen Kirche ein wenig aus ihrem alltäglichen Trott bringen. In diesem Jahr steht die Passionszeit unter dem Motto: „Augenblick mal! – Sieben Wochen ohne sofort“.

So begleitet mich in dieser Woche der Spruch des Philosophen und Autoren Manfred Hinrich: „Hetz mal den Apfel reif!“ Diesen Spruch musste ich auch erst zweimal lesen, bevor ich diesen und das dazu gehörigen Bild eines kleinen Zweiges eines Apfelbaumes mit zwei kleinen und wahrscheinlich noch nicht ganz reifen Früchten verstand. „Hetz mal den Apfel reif“ – schlagartig wurde mir die Unmöglichkeit dieses Vorhabens deutlich. „Alles hat seine Zeit“ ist die Woche vom 1. bis 7. März 2017 weiterhin überschrieben und ich möchte ergänzen: Alles braucht nun einmal seine Zeit. So braucht der Apfelbaum die Frische des Frühlings und die Wärme des Sommers, im Laufe derer er aufblühen kann und seine Früchte heranreifen. Und im Spätsommer dann, wenn die Abende schon wieder kühler werden und sich das Laub beginnt bunt zu färben, ist es soweit: Die Äpfel werden geerntet und Mensch erfreut sich ihrer einmaligen Frische, ihres süßen Saftes und ihres vollmundigen Geschmacks.

„Hetz mal den Apfel reif“ – wie der Apfel seine Zeit braucht zu reifen, so hat auch jedes andere Ding unter der Sonne seine Zeit. Geben wir doch ein jedem seine Zeit und versuchen erst gar nicht den Apfel reif zu hetzen; zumindest sieben Wochen ohne SOFORT.

Und so grüßt Sie aus Kolenfeld und wünscht „Gutes Gelingen“

Ihre Vikarin Kerstin Wackerbarth

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! - deshalb sind sie einfach 'mal stiften gegangen …

Sie, das sind die Gründungsmitglieder der Stiftung 'Zukunft mit Kirche', M. von Hugo, K.-R. Zöllner, W. Küthmann und G. Rohe-Kettwich, die auch heute noch dem Vorstand der Stiftung angehört. Über 10 Jahre ist das jetzt her. Mittlerweile ist die Stiftung eine unverzichtbar für die Arbeit in den dazugehörigen Kirchengemeinden in Bokeloh, Dedensen, Gümmer, Idensen-Mesmerode, Kolenfeld, Luthe, Munzel-Landringhausen, Schloß Ricklingen und Wunstorf. Motiviert hat die damaligen Stiftungsinitiatoren, kirchliche Arbeit und engagierte Projekte nicht am fehlenden Geld scheitern zu lassen. Stattdessen sollen diese langfristig gesichert und interessante Angebote durch Zuschüsse unterstützt werden. Schwerpunkte sind dabei die Jugendarbeit, Kirchenmusik und Diakonie.
In diesem Sinne hat die Stiftung viel Gutes ermöglicht. Über 55 Projekte wurden bezuschusst, wie die Konfirmanden-Ferienseminare in Altenstein oder Südtirol, gospel-workshops oder die Kalender 2016 von 'Kurze Wege'. Mehr als 2000 Jugendliche und Erwachsene profitierten davon. Das kann sich wirklich sehen lassen.
Dieses Engagement soll weiter ausgebaut werden. Dazu ist vor allem eins nötig: Zustiftungen für die Stiftung, um noch mehr gute Arbeit fördern zu können, Menschen im Glauben zu verwurzeln und für christliches Leben zu begeistern.
Deshalb lässt 'Zukunft mit Kirche' wieder von sich hören: am Samstag, den 4. März 2017 lädt sie zum Benefiz-Konzert der Gruppe str8voices ins Stadttheater Wunstorf ein. Viele Menschen sollen angesteckt werden, selber Gutes zu tun: Gerne durch Zustiftungen, gerne durch ehrenamtliches Engagement für die Stiftung, gerne durch interessante Projekte.
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!
Ich arbeite übrigens gerne im Vorstand der Stiftung mit M. Gröne, D. Otte, G. Rohe-Kettwich und J. Rohrbach zusammen.
Und ich freue mich schon, Sie am 4. März beim Konzert zu treffen!

Pastorin Susanne Sander, Schloß Ricklingen

Du, Gott, hör mal - so haben wir unsere Kirche für Knirpse an diesem Sonntag überschrieben.

Es geht ums Beten, also um alles, was wir Gott erzählen möchten. Ich finde es wichtig, Kindern das Beten nahe zu bringen. Es tut gut, zum Beispiel abends zu beten und damit über alles, was uns am Tag ausgefüllt hat, nachzudenken, es Gott anzuvertrauen und nicht mehr allein damit zu sein. Eine alte Dame sagte: „Ohne mein Abendgebet kann ich nicht einschlafen. Ich bete für jede und jeden aus meiner Familie.“ Viele Menschen teilen nicht mehr diese Erfahrung und finden es schwierig, Gott von sich zu erzählen. Vielleicht sind sie nie damit vertraut geworden.

Da mag helfen, was wir mit Kindern und Konfirmanden dazu überlegen: wie geht es mir, wenn ich mich freue und was sage ich dann? Wenn ich traurig oder verzweifelt bin - wie kann ich das in Worte fassen? Wie beschreibe ich es, wenn ich zum Beispiel einen Sonnenaufgang in den Bergen großartig finde? Und was liegt mir alles auf dem Herzen, für mich und für andere? So kommen wir auf vier verschiedene Dimensionen des Gebets: Dank und Klage, Lob und Bitte, bzw. Fürbitte. Die Kinder und Konfirmanden fädeln dazu Perlen auf in den Farben rot für Dank, blau für Klage, gelb für Lob und grün für Bitte/Fürbitte. Dann  können sie anhand der Farben überlegen, ob es etwas gibt, worüber sie sich gefreut haben und wofür sie danken möchten. Oder es fällt ihnen etwas ein, was sie sich wünschen für sich oder andere. Ihre Gebete sind oft eindrücklich: „ Bitte, mach dass Opa gesund wird und wieder mit mir Fußball spielen kann.“  „Es ist klasse, dass ich eine so gute Freundin gefunden habe – lieber Gott, vielen Dank dafür, dass wir uns begegnet sind.“  Eine goldene Perle gehört immer dazu als Gottesperle, damit wir wissen, zu wem wir beten.

„Du, Gott, hör mal“, versuchen sie es einfach: erzählen sie Gott, was ihnen gerade auf dem Herzen liegt – allein für sich oder auch am Sonntag gemeinsam im Gottesdienst. Ich bin mir sicher, Gott hat große Ohren und ein großes Herz für Sie.

Ihre Christa Hafermann, Pastorin in Kolenfeld

Was Menschen wirklich bewegt, erfährt man manchmal, wenn man sie gefragt, sondern einfach nur liest, was sie von sich geben. Und so habe ich mal wieder im Gästebuch der Sigwardskirche geblättert. Es liegt im Eingangsbereich aus und da die Kirche jeden Tag geöffnet ist, kann sich jeder Besucher während des Besuches eintragen.

Es ist nicht nur interessant, wo die Menschen herkommen – aus ganz Deutschland, auch Frankreich oder Italien und sogar Japaner haben sich verewigt. Es ist auch faszinierend, was sie bewegt. Denn das sind nicht nur die Fresken in der Kirche, sondern auch (und gefühlt gleichwertig) die Atmosphäre und die Stille in diesem sakralen Raum.

Bei einer Gesellschaft, bei der sich alles schneller bewegt und sich jeder irgendwie daran gewöhnt hat, ist es bemerkenswert. Denn heute geht alles sofort, warten ist out. Die Erkenntnis ist: Stille hat einen Wert, einen Erholungswert für Geist und Seele. Einfach mal in eine Bank setzen und die Gedanken schweifen lassen. Vielleicht geht es in der Sigwardskirche sogar noch besser als beispielsweise in der Stiftskirche in Wunstorf, weil sie kleiner, man könnte fast sagen „intimer“ ist. Deswegen ist im Gästebuch auch immer das Wort „Kleinod“ zu lesen, ein Wort, was im normalen Wortschatz ausgestorben ist.

Diese Stille kann man gut eine Zeit aushalten, da sollte keiner drängeln. Wie lange eine Stille gut ist, hängt von jedem Menschen ab: Was wir erlebt haben, was uns bewegt, was vor uns liegt. Sie berührt jeden Menschen, egal welchen Glaubens und auch die Atheisten.

Für die Christen bietet die Stille aber noch etwas Besonders, dieses gewisse Extra. Bereits im Psalm 62 steht: Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Denn die Stille schafft Raum für das Zwiegespräch mit Gott und für das Gefühl der Geborgenheit. Auch das Verlangen nach dem materiellen Nichts ist in uns drin: Geborgenheit brauchen nicht nur Kinder sondern alle, immer wieder.

Probieren Sie es einmal aus: Es wird eine gute Zeit.

Prädikant Jörg Mecke, Idensen

Der erste Monat des neuen Jahres ist vergangen. Fast alle guten Vorsätze gelten jetzt als gescheitert. Mehr Sport, weniger Essen, mehr Zeit mit Kindern oder Freunden - all das verliert sich, wenn nach dem Jahreswechsel der Alltag wieder beginnt. Da kann ich noch so motiviert in das neue Jahr gestartet sein, spätestens nach dem ersten Ausrutscher werden die meisten Vorsätze wieder aufgeben. „Ich bin ja doch zu schwach!“ Viele haben es ganz aufgeben, ihr Leben ändern zu wollen. Nach vielen vergeblichen Versuchen bleibt man lieber im alten Trott.

Dass es auch anders geht, erzählt die Bibel. Ganz bewusst haben die Verfasser der biblischen Bücher auch das Scheitern festgehalten. An diesem Sonntag wird von Petrus erzählt. Er sieht Jesus auf dem Wasser gehen und lässt sich von ihm auffordern, das auch zu tun. Und tatsächlich: die ersten Schritte gelingen. Dann kommen die Zweifel. Zu bedrohlich der brodelnde See um ihn her. Petrus beginnt zu sinken, bis Jesus die Hand ausstreckt und ihn rettet. Es geht natürlich in der Geschichte nicht um die Fähigkeit über das Wasser zu laufen. Das Bild der Jünger im Schiff ist ein Bild für die frühe Gemeinde in den Stürmen der Zeit. Petrus verlässt die Sicherheit des Gewohnten. Mutig stellt er sich den Herausforderungen des Lebens. Damit macht Petrus mir Mut. Die ersten Schritte sind möglich und auch das Scheitern ist keine Katastrophe. Gottes Hand ist da. Sie gibt Halt und hilft beim nächsten Schritt.

Ich bin dankbar, dass unsere Vorfahren die Geschichten des vermeintlichen Scheiterns bewahrt haben. Was den großen Helden der Vergangenheit erlaubt war, ist auch mir erlaubt. So kann ich nach dem Scheitern neu beginnen, mir neue kleine Schritte vornehmen

Pastor Thomas Gleitz, Stiftskirche Wunstorf

Das Erstaunen über dieses wunderbare Erlebnis ist auch Tage später zu spüren, als sie ihre Zeilen an eine Freundin schreibt: „Das Blitzeis am Samstag überraschte uns nach einem Spaziergang in der Eilenriede. Wir schafften es noch bis an einen Ampelmast. Daran hielten wir beide uns fest. Die Füße rutschten hin und her. Wir hörten, wie Radfahrer stürzten, aber konnten überhaupt nicht helfen, weil wir – selbst an die Ampel geklammert – keinen sicheren Stand fanden. Da kam uns eine rettende Idee: Als wir gerade überlegten, wie wir die Schuhe ausziehen könnten, ohne hinzufallen, fuhr neben uns ein großer Mercedes in die freie Parklücke. Ein junger Mann stieg aus. Sicheren Schrittes kam er auf uns zu und fragte, ob er uns helfen könne. Zurück auf dem Fahrersitz fuhr er behutsam ganz dicht an uns heran und half uns nacheinander auf die Rückbank seines Autos. Seine Frau drehte sich vom Beifahrersitz um und erklärte, dass sie gerade aus Hildesheim gekommen seien, um in Hannover essen zu gehen. Wir beide stellten uns vor, die Hildesheimer nannten nur eben ihre Vornamen. In der Aufregung hatte ich sie auch gleich wieder vergessen. Vorsichtig kurvte der Fahrer um die nächsten Straßenecken, immer unseren Anweisungen folgend, bis vor unseren Hauseingang. Einzeln leitete uns dieser Unbekannte auf die trockenen Stufen und wartete, bis wir die Haustür sicher hinter uns verschlossen hatten. Wir haben uns zwar bedankt. Doch sind wir durch auf den Schreck nicht auf das Selbstverständliche gekommen, auf sein Nummernschild zu sehen. Aber wir sind sicher, dass die beiden ihre Flügel im Kofferraum verpackt hatten.“

„Denn Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten, auf allen Deinen Wegen.“ (Psalm 91,11) Manchmal wird dieser beliebteste Taufspruch unserer Zeit auf ganz eigene Weise Wirklichkeit.

Mögen wir in diesen Tagen spüren, wann Engel an unserer Seite sind, die ihre Flügel im Rucksack oder Kofferraum verborgen halten, und wann es an uns ist, sich unserer Flügel zu erinnern.

Eine behütete Woche wünscht Ihnen Ihre Dr. Vera Christina Pabst, Pastorin in Bokeloh und Wunstorf

Eine Hochzeit. Viele von Ihnen werden mehr als nur eine im Leben erlebt haben. Mach jüngere sind sicher auch schon bei einer gewesen. Als Kind war ich super gespannt, wie es sein würde in der Kirche, wer alles dabei aus unserer weit verstreuten Familie, gespannt auf Tanz, Musik und Essen. Es gab immer von allem im Überfluss, vorallem Essen und Trinken. Großartig die Mitternachtsbuffets und Torten. Auch Weihnachten ist bekannt für zu viel Essen, zu viel Süßes und die Kilo, die man am Ende mehr auf die Waage bringt. Aber Weihnachten ist vorüber. Die Weihnachtsbäume haben viele Wohnzimmer verlassen und der Alltag ist wieder da. An machen Türen sieht man frische Spuren – weiße Kreide auf dunklem Grund. “CMB” - Christus schütze dieses Haus – und die Jahreszahl 2017. Was bleibt von Weihnachten? Geschenke? Eine Begegnung mit den Weisen aus Persien? Eine Erinnerung an die eigene Kindheit? Leuchtende Kinderaugen, etwas von dem Frieden, der Freude der Weihnacht und der Idee, dass Jesus, dass Gott uns nahe gekommen ist?
Heute oder morgen einen Sitzplatz in einer Kirche zu bekommen, dürfte nicht allzu schwer sein. Zumindest einfacher, als am Heiligen Abend. Vielleicht eine gute Gelegenheit sich schon mal wieder auf zu machen. Die Lieder werden immer noch von der Freude erzählen, die Gottes Anwesenheit in der Welt auslöst. Es ist wie bei einer Hochzeit. Es wird getanzt, gelacht, gesungen und getrunken und mittendrin ist der, von dem alle Freude ausgeht. Er feiert und ist bester Dinge. Etwas ganz Neues nimmt seinen Anfang. Offen und doch undeutlich sichtbar tritt da jemand auf. Nicht der Bräutigam des Festes, ein anderer. Na, klar, die, die da feiern kennen den Nachbarn und Freund, Angehörigen im weiteren Sinne. Da passiert, was so gar nicht zu einem solchen Fest passt: die Vorräte gehen zur Neige. Unverzeihlich. Doch bevor es bemerkt wird, ist die Abhilfe schon geschehen. Kein Eklat beim Fest. Statt dessen ist alles noch besser. Etwa 600 Liter großartigen Weines stehen zur Verfügung, zu einem Zeitpunkt, wie die der Erzähler der Geschichte unverblümt wissen lässt, da es weniger Qualität auch schon getan hätte - die Leute also schon genug hatten. Wer weiß, vielleicht geht es manchen auch grad so – genug des Trubels, der Alltag darf gern wieder Einzug halten. Vielleicht ist es aber auch Zeit, sich zurück zu lehnen und den Alltag einfach noch warten zu lassen und zu genießen, dass es ruhiger geworden ist und man einen Blick auf all den geschenkten Überfluss werfen kann. Zeit um zu feiern, dass das Leben voll sein kann mit Freude und Güte und Frieden mitten im Alltag. Vielleicht ist das Fest jetzt erst richtig schön, wo die ganze Vorbereitung vorbei und alle Anspannung weg ist und der Blick frei auf den, von dem wir alles haben – Jesus.

 Diakon Heinz Laukamp

Beim zweiten Anflug schafft es das Baby. Zielsicher landet es auf der Stange des Futterhäuschens. Da sitz schon die Frau Mama. Und das ist der Beginn eines lehrreichen Tages. Die erste Lektion ist: Da gibt es einen Ort, an dem  (fast) immer Futter zu finden ist. Den Weg dahin hat die Mutter gezeigt. Die zweite Lektion lehrt, dass Nahrung nicht immer aus weichen Teilen besteht. Bis zu diesem Morgen hat die Mutter Larven und ähnliches Weichgetier gesammelt, um es in der aufgesperrten gelben Pastille zu versenken. So ein Kind im Wachstum ist ständig hungrig. Und mangels Zähnen zum Zerkleinern der Mahlzeit wird nur geschluckt. Vielleicht ist das das Geheimnis des schnellen Wachstums. Jetzt pickt sie ein Körnchen heraus, entspelzt es,  bevor es – nicht ohne auffordernden kindlichen Pieps – im Schnabel des Kindes landet. Und noch ein Drittes lernt das Kind: Ein Futterplatz gehört einem nie allein. Da kommen ebenfalls hungrige Verwandte angeflogen. Mit Gezeter und Geflatter werden sie von der Mutter vertrieben. Schließlich denkt sie an ihr Kind zuerst. Gefüttert werden muss so lange, bis ein gewisser Sättigungsgrad erreicht ist. Das Kind macht den Abflug auf die Zaunstange. Mutter hinterher. Sie hat noch ein Körnchen im Schnabel. Das soll dem Heranwachsenden zu gute kommen. Diese Szene am Futterplatz auf dem Balkon an einem sonnigen Morgen  erinnert mich an das Buch des Propheten Jesaja, 49,15: ‚Doch der Herr sagt: „Bringt eine Mutter es fertig, ihren Säugling zu vergessen? Hat sie nicht Mitleid mit dem Kind, das sie geboren hat? Und selbst wenn sie es vergessen könnte, ich vergesse euch nicht.“ Nicht nur ein Vogelkind wird auf den ersten Schritten auf dem Lebensweg begleitet. Auch wir Menschenkinder dürfen uns der Fürsorge sicher sein, vom ersten bis zum letzten Atemzug und sogar darüber hinaus.

Helga Kaiser, Prädikantin