Wochenandacht

Auf dieser Seite sammeln wir die wöchentlichen Andachten im Wunstorfer Stadtanzeiger. Sie sind auch bei Radio Leinehertz zu hören. Im Bild unsere Sprecher Gunner Göers und Carlo Pengel.

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„Wenn man so will, bist du das Ziel einer langen Reise. Die Perfektion der besten Art und Weise, in stillen Momenten leise, die Schaumkrone der Woge der Begeisterung, bergauf, mein Antrieb und Schwung.“

Mit diesem Lied „Ein Kompliment“ von den Sportfreunden Stiller haben wir die Andacht für den 5. Jahrgang in der ersten Februarwoche begonnen.

Am 30. Januar hatte es Zeugnisse – bei uns an der Ev. IGS Lernentwicklungsberichte – gegeben. Das ist für die Schülerinnen und Schüler immer ein aufregender Moment: Eine offizielle Beurteilung, in der steht, wie ich mich im letzten halben Jahr geschlagen habe. Eine Beurteilung der Leistungen. Schwarz auf weiß.

Eine Beurteilung – und gleichzeitig auch eine Anerkennung für das, was geleistet wurde. Hoffentlich haben alle Kinder und Jugendlichen in ihren Zeugnissen auch Lob gefunden. Und Hinweise darauf, was sie besonders gut gemacht habt.

Lob ist wichtig. Jeder Mensch braucht lebenslang und regelmäßig die Bestätigung von anderen: „Das hast du gut gemacht!“, „Das kannst du so toll!“, „Danke für deine Hilfe!“ Und seien es noch so selbstverständliche Kleinigkeiten: Wir können einander gar nicht oft genug positive Rückmeldung geben. 

Wurden Sie heute schon gelobt?

Das, was jeder Mensch kann und wie er oder sie ist, das ist einmalig und kann kein anderer. Jede und jeder hat eigene Stärken – jede und jeder bringt etwas Eigenes für sein Umfeld mit – in der Familie, in der Schule, bei der Arbeit, in der Gesellschaft.

Haben Sie heute schon jemanden gelobt?

Indem wir uns gegenseitig Komplimente machen und anerkennen, dass der andere etwas besser kann als ich selbst, indem wir das machen, geben wir Segen weiter. Und machen den Segen spürbar. Oder, wie Paulus schreibt: „Liebt einander von Herzen als Brüder und Schwestern, und ehrt euch gegenseitig in zuvorkommender Weise.“ (Rö 12,12 GN)

Am Ende der Andacht habe ich den 5.klässlern Komplimente mitgegeben – ausgedruckt auf bunte Zettel. Da stand zum Beispiel:

Du kannst gut zuhören! Du bist ein guter Freund! Du hast Humor! Oder: Du bist mir schon mal eine Hilfe gewesen – danke!

Die Schülerinnen und Schüler haben diese Komplimente bekommen – aber nicht für sich selbst. Sondern zum Weiterverschenken. Sie waren aufgefordert, das Kompliment dann hier an der Schule an jemanden zu übergeben. Oder aber mit nach Hause zu nehmen, um dort jemandem etwas Schönes zu sagen.

Segen geben tut gut – dem Nächsten – und mir selbst.

Franziska Oberheide, Schulpastorin an der Ev. IGS Wunstorf

Liebe Leserinnen und Leser,

von Jesus wird dieser Satz überliefert: „Eure Rede sei Ja ja, nein, nein; was darüber ist, ist vom Bösen.“  Diese Aussage steht in der Bergpredigt, Matthäus Kapitel 5,  Vers 37. Im ersten Moment klingt dieser Satz selbstverständlich: wie soll es denn auch sonst gehen? Bis vor Kurzem erschien mir dieser Bibelvers so. Verständlich, aber nicht unbedingt wichtig.

In den Medien und in Gesprächen habe ich in den letzten Jahren häufiger von „es soll sein“, „vermutlich“ oder ähnliche Worte gehört, obwohl in der Angelegenheit, um die es ging, beweisbare Fakten vorlagen. Soll in einem solchen Fall die Wirklichkeit verschleiert werden? Oder wird eine unklare Ausdrucksweise gewählt, um sich nicht festzulegen?

Eine solche unklare Ausdrucksweise findet sich auch in Zeitungen, besonders in sozialen Medien. Was steckt dahinter? „Fake-News“, also Falsch-Nachrichten? Oder wird nur das als Wahrheit, als Fakt angesehen, was dem einzelnen Menschen nützt?

Manche mögen einwenden, dass man in manchen Fällen sogar von „sollen“ sprechen muss, wenn es  um Tatvorwürfe gegen Beschuldigte geht, das Gericht die Schuld aber noch nicht festgestellt hat. Das ist hier nicht gemeint.

Es geht um Redeweisen im Alltag. Warum scheint es leichter zu sein, eine Tatsache mit einem „sollen“ zu bezweifeln oder zu verschleiern als sich festzulegen? Ist das ein Ausdruck von Unsicherheit? Oder von Vorsicht, keinen eigenen Standpunkt zu nennen, der angreifbar machen könnte?

Auf unklare Aussagen kann sich letzten Endes niemand verlassen. Darum ist es besser, möglichst wenig – und wenn wirklich überlegt – mit „sollen“ zu beschreiben statt als Fakten zu benennen.

So treffen uns die Worte Jesu. Er erwartete damals eine eindeutige Rede, eine klare Aussage und kein Verstecken. Klar Worte können zum Leben helfen.

Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

Game of Thrones in der Bibel: David war auf der Flucht vor Saul. Saul war König, aber sein General David war zehnmal so erfolgreich in der Schlacht. Saul schlug tausend, aber David zehntausend, so sangen es die Fans.

Und David floh vor Saul und kam zu König Abimelech. Auf der Flucht vor Saul kommt David zu einem anderen König. Aber der Gesang ist schon vor ihm da.

Die Großen des Abimelech wittern eine Bedrohung für den Thron.

Und was tut David? Er stellt sich dumm. Er stellt sich sogar wahnsinnig. Er tobt. Er rennt gegen den Türrahmen. Er sabbert in seinen Bart.

Als das der König sieht, herrscht er seine Großen an: Ihr seht doch, dass der Mann wahnsinnig ist. Warum habt ihr ihn zu mir gebracht?

Und dann fügt er hinzu, und das ist mein Lieblingssatz der Geschichte: Habe ich denn zu wenig Wahnsinnige, dass ihr mir diesen bringt?

David wäre also in guter Gesellschaft. An Wahnsinnigen mangelt es nicht bei Hofe. Aber er ist nicht willkommen. Und so macht er sich wieder auf den Weg.

Und bei einer Rast setzt er sich hin und schreibt ein Lied. Und darin heißt es: Suche Frieden, und jage ihm nach. (Die Bibel, Psalm 34, Vers 1 und 15) Dieser Satz ist für viele Menschen das Motto für das Jahr 2019, die sogenannte Jahreslosung.

Verrückt. Da hat David doch gerade noch selber gelogen und getrickst, hat Städte erobert und Völker ausradiert und nun schreibt er einen Friedenstext. Ist er tatsächlich wahnsinnig geworden?

Ich glaube: Frieden ist gar nicht anders möglich als mit einer gewissen Portion Wahnsinn. Der Clown in mir ist viel friedvoller als der Vernunftmensch.

Morgen erinnern wir uns an den Wahnsinn des Naziregimes, insbesondere an die Ermordeten der Konzentrationslager. Für manche Menschen ist das nur ein Vogelschiss auf der Deutschen Geschichte. Dieser Art Wahnsinn kann man nicht mit Vernunft begegnen. Vielleicht aber mag es helfen, wenn wir auch verrückt werden. 2019 könnte das Jahr werden, in dem wir den Clown in uns entdecken. So fangen wir den Frieden.

Andreas Behr, Pastor und Dozent für Konfi-Arbeit am Religionspädagogischen Institut Loccum

Liebe Leserin, lieber Leser,

alle Jahre wieder: Im Januar platzt das Fitness-Studio aus allen Nähten. Der Parkplatz voll, Geräte und Kurse gut ausgelastet – die guten Vorsätze zeigen Auswirkungen! Denn für eine bessere Haltung oder ein reduziertes Körpergewicht sind viele Maßnahmen nötig: Weniger essen, schweißtreibende Aktivitäten. Aber um des Zieles willen nehmen wir das auf uns – wenigstens bis März. Dann kehrt der alte Trott zurück. Hängt es also am Ziel, was ich bereit bin, mittel- und langfristig zu investieren?

Was ist das Ziel Ihres Lebens? Mit fortschreitendem Alter merke ich, dass die Ziele übersichtlicher werden. Was ich bis jetzt beruflich nicht erreicht habe, werde ich nicht mehr erreichen. Es gibt erste Anzeichen dafür, dass auch bei mir Gesundheit ein vergängliches Gut ist. Und bei nüchterner Betrachtung stelle ich fest, dass deutlich mehr Leben hinter als vor mir liegt. Was ist das Ziel meines Lebens?

Die Offenbarung des Johannes stellt uns ein faszinierendes Bild vor Augen: Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

Das sind gute Aussichten. Die Verheißung eines Lebens, in dem all das, was Leben und Glauben oft schwer macht, keinen Platz mehr hat. Zu einem solchen Leben lädt uns Christus ein. Wer ihm vertraut und so lebt, wie er es uns vor Augen gemalt hat, der soll Platz haben in dieser neuen Welt.

Ein guter Freund von mir hat sich für dieses Jahr vorgenommen, jeden Tag in der Bibel zu lesen. Er ist nicht auffallend fromm, aber am Glauben interessiert. „Ich lese jeden Tag etwas fett Gedrucktes – und dann nehme ich mir fünf Minuten Zeit um darüber nachzudenken und mich zu fragen, ob das etwas mit meinem Leben zu tun hat und zu welchen Handlungen es mich antreibt.“ Der Einsatz ist übersichtlich: Ein paar Minuten jeden Tag. Und die Ausdauer sollte mindestens genauso gut sein wie bei der Pflege unserer irdischen Hülle. Das Ziel – das sollte überzeugen. Das Leben!

Ich wünsche Ihnen gesegnete Wege im neuen Jahr – behalten Sie Ihr Ziel im Auge!

Ihr

Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen

Am Anfang eines neuen Jahres ticken die Uhren scheinbar anders. Irgendwie ein bisschen langsamer. Zumindest für mich. Es ist ein Innehalten.

Ich hatte das große Glück Urlaub zu haben. Das tat gut. Das sind die viel zu seltenen Momente, wo die Zeit stillzustehen scheint. Da denke ich gerne an das vergangene Jahr zurück.

Zugleich denke ich aber auch an das beginnende Jahr. Womit wird sich die Zeit füllen, die sich vor mir auftut? Womit lohnt es sich, den Kalender zu füllen? Pläne gibt es viele. Die Urlaubstage für dieses Jahr sind mit meinem Chef und den Kollegen bereits abgestimmt. Und wichtige Geburtstage und Ereignisse stehen ohnehin schon darin. Bei Jahresbeginn nehme ich mir die Zeit abzuwägen, wofür ich meine Zeit im neuen Jahr hergebe und wofür besser nicht. Später im Jahr nehme ich mir seltsamerweise kaum die Zeit für solche Gedanken, sondern mache einfach. Dann läuft mir die Zeit oft etwas davon.

Der Jahresanfang ist so etwas wie eine Sitzbank auf einem Weg. Einen kleinen Moment Pause, dann geht es mit neuer Kraft weiter. Mit viel Kraft aus dem Weihnachtsfest, was noch gar nicht allzu lang hinter mir liegt. Da habe ich es wieder gehört, ich darf die Gewissheit haben, dass Gott ganz nahe ist. Er will mich mitten im Trubel des Alltags immer wieder merken lassen, dass er da ist. Er ist es, der mir immer wieder Grund zur echten Freude und Gelassenheit geben will.

Mir fallen dazu Worte aus einem Gedicht von Wolfgang Poeplau ein. Gelesen habe ich es im letzten Adventskalender „Andere Zeiten“:

„Alles ist gut -

wenn das Notwendige getan

und das Überflüssige verworfen,

wenn das Zuviel verschenkt

und das Zuwenig verschmerzt ist,

wenn alle Irrtümer aufgebraucht sind,

kann das Fest des Lebens beginnen.“

Das ist wohl wahr. Wenn ich in meinem Kopf und in meiner Seele quasi aufgeräumt habe, dann bin ich bereit für das, was mir das neue Jahr bringen mag. Möge das Fest 2019 beginnen.

Karin Puy,  Lektorin in der Kirchengemeinde Luthe

 

Friede ist etwas Schönes. Und noch mehr als das: Friede und die damit verbundene Unversehrtheit ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Jeder Mensch wünscht sich Frieden – in jeder Größenordnung: Ob zwischen Völkern, Religionen oder auch zwischen Nachbarn und in den Familien. Und auch, wenn wir uns den Frieden herbeisehnen, ist er doch in unserer Realität nicht immer, was unser Ego verlangt. Denn der Friede zwischen mehreren Parteien basiert auf einem Kompromiss und das erfordert Zugeständnisse. Während es beim Konsens um Übereinstimmung geht, gibt beim Kompromiss jeder etwas auf. Und so muss beim Frieden jeder etwas aufgeben. Sind wir immer dazu bereit?

Wir können immer wieder merken, wie der künstliche Friede uns unglücklich macht – zu Weihnachten zum Beispiel. Ein Freund berichtete mir, wie furchtbar der zweite Weihnachtsfeiertag war mit einem enormen Streit mit einem schizophrenen Schwager. Da gibt es das Bedürfnis, zu Weihnachten „gemütlich zu sein“ und es gibt keinen Frieden. Ist das schlimm?

Die Jahreslosung, die uns durch das Jahr 2019 begleiten soll, steht im Psalm 34 und lautet „Suche Frieden und jage ihm nach!“ Zuerst dachte ich, dass das ein toller Begleiter ist. Aber dann kam die Frage: Will ich den Friede jagen, so wie ich den Begriff jagen verstehe? Was passiert, wenn ich ihn gejagt habe? Wer auf die Jagd geht, erlegt meistens auch. Und das hat mit Frieden so gar nichts zu tun.

Suche den Frieden – das mache ich sehr gerne. Aber um jeden Preis? Ist es nicht manchmal besser, auch Konflikte auszutragen, das, was der Volksmund das „reinigende Gewitter“ nennt? Man kann streiten: enthusiastisch und emotional. Und sich vertragen, weil ich meine(n) Gegenüber wertschätze. So kann ein Streit zum Friedensuchen beitragen, wie auch unser Bundespräsident in der Weihnachtsansprache sagte: „Sprechen Sie mit Menschen, die nicht ihrer Meinung sind.“ Das weitet den Horizont und schafft Verständnis; das Verständnis führt zu Frieden. Ohne Jagd, sondern ganz unaufgeregt und gut für die Seele. Ein menschliches Grundbedürfnis.

Prädikant Jörg Mecke, Idensen