Was sucht ihr!? - 16.12.17

Wonach suchen Sie, wonach sucht Ihr? Worauf wartest Du? Manchmal fragt man sich an Kreuzungen, worauf Menschen warten, die da stehen. Ein äußerer Anlass für das Warten ist zuweilen nicht erkennbar. Vielleicht ist der Ort zu dem jemand will nicht verzeichnet auf dem Schild an der Kreuzung? Zugegeben, im Zeitalter des Navi könnte man wissen, wo es lang geht. Aber man hat es ja nicht immer an und nicht jede und jeder hat eines. Manchmal ist Menschen auch die Situation zu unübersichtlich: Bin ich dran? Darf ich abbiegen? Wie schnell sind die Anderen? Schaffe ich das rechtzeitig?

Warum warten Sie? Was suchen Sie? Den richtigen Weg? Vielleicht noch eine zündende Idee für ein schö-nes Weihnachtsgeschenk? Eine Woche noch, dann ist Heilig Abend. In diesem Jahr sind wir dem Ziel schnell nahe gekommen. Nur drei Wochen Zeit, rauszufinden, was wir anderen schenken wollen, was wir uns von anderen wünschen … Geht es darum?

Aber halt: Wer beschränkt sich auf die Zeit der Vorbereitung zur Vorbereitung? Es ist doch alles schon fertig. Im September haben die Geschäfte uns erinnert, dass es Zeit ist für Stollen, Kekse und andere Leckereien. Da ist doch jetzt alle Zeit um zur Ruhe zu kommen und nicht mehr suchen zu müssen, oder?

Was sucht Ihr? Genauer müsste es eigentlich heißen: „Wen sucht ihr?“ oder „Wonach?“

Johannes der Täufer, Jesu Cousin, ist im Gefängnis. Er schickt seine Jünger zu Jesus und läßt sie seine Frage stellen: „HERR, bist Du es auf den wir gewartet haben?!“ Wenn der Advent die Zeit der Erwartung ist, die Zeit der Vorbereitung auf die Ankunft Jesu auf der Erde, worauf warten wir dann in diesen Tagen? Wo-nach suchen wir in dieser Zeit der Lichter und Kerzen, von Plätzchen und Glühwein? Erwarten und suchen wir noch etwas? Warten wir auf Gottes Erscheinen in unserer Welt und unserem Leben und hoffen wir da-rauf, dass Gott bei uns, bei jeder und jedem Einzelnen ankommt?

Vielleicht ist er auch längst da und erscheint uns in den Augen der Kinder, die voller Erwartung staunend sich umschauen, wenn es schneit, wenn der Nikolaus kommt – längst nicht nur am 06. Dezember, und deren Augen leuchten, manchmal an jedem Tag, wenn sie eine Tür oder ein kleines Päckchen am Adventskalender öffnen können. Vielleicht aber leuchten auch Ihre Augen, wenn sie etwas entdecken für sich. Das muss ja nicht immer ein Geschenk sein. Es kann eine freundliche Geste, eine eigene Entdeckung  im Miteinander mit anderen oder aber eine Entdeckung sein, die den eigenen Glauben breichert.

Ich habe einen Adventskalender mit Bildern und Geschichten. Obwohl ich ihn nicht zum ersten Mal habe, freue ich mich jedes Mal und bin gespannt, was die Macher sich Neues ausgedacht, was sie gefunden und entdeckt haben für die Zeit bis zum Dreikönigsfest.

Außerdem: Der Kalender mit seinen Bildern und Geschichten bringt mir jeden Tag ein paar Minuten zum Innehalten. Zeit für mich, Zeit für die Vorbereitung darauf, dass Gott wirklich an Weihnachten ankommen kann – nicht irgendwo, sondern bei mir. „Macht Euch bereit“, heißt es im Lied „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ am Ende des alten Kirchenjahres vor dem 1. Advent. Ich hoffe, ich bin dann soweit, bin bereit, wenn es in einer Woche Heilig Abend ist, dass ich ganz da bin – beim Weihnachtsfest, bei Gottes immer wieder sich zu uns aufmachen und seiner Ankunft – dann hoffentlich bei Ihnen und mir.

von Diakon Heinz Laukamp