Vom Brot des Lebens - 3.8.19

Der Familienmittagstisch in meiner Kindheit ist mir in guter Erinnerung: 3 Generationen saßen an dem großen Küchentisch. Vater und Großvater einander gegenüber an den Kopfenden. Mutter und Oma den kurzen Weg zum Herd im Rücken. Ich....saß mit dem Rücken zur Wand. Ja, jeder hatte seinen festen Platz. Essen gab es erst, wenn alle (!) da waren.... und mittags waren ALLE da. Es wurde erzählt, immer schön der Reihe nach, und auch innegehalten. Ein „Nun wollen wir mal wieder..“, löste dann die Tischgemeinschaft auf. Für mich ist die Erinnerung deshalb so besonders, weil es eine Zeit spiegelt, in der die Familie (unbeschwert und vollzählig) beieinander war. Austausch, Lachen, Trost und stille Gedanken, alles hatte hier seinen Platz.

Essen und Trinken, Feiern, Teilen und vor allem Gastfreundschaft gehören von je her zum christlichen Miteinander. Jesus Christus hat die Tischgemeinschaft mit seinen Jüngern intensiv gepflegt. Er selbst hat Essen und Trinken wertgeschätzt! Denn da wurde neben dem körperlichen vor allem auch der seelische  Hunger durch Wort und Gebet gestillt. Als ein Vermächtnis hat er uns das „Abendmahl“ hinterlassen. Der Überlieferung nach befolgten die Jünger schon kurz nach dem Tod und der Auferstehung Jesu seine guten Tipps fürs Leben und für den guten Glauben, die er nach biblischem Zeugnis bei seinem letzten Mahl seinen Jüngern gesagt hat: „Das tut zu meinem Gedächtnis.“

Diese enge Gemeinschaft, die Jesu mit seinen Jüngern verband, setzt sich bis heute fort. Über Generationen hinweg treten wir beim Abendmahl  mit dieser ersten Abendmahlsrunde in Verbindung. Wir werden so mit einbezogen in die Tischgemeinschaft all jener, die schon vor uns Gäste und Freunde Jesu sein durften. Es ist doch bemerkenswert: das Abendmahl überdauert nun schon die gesamte Zeit der Kirche. Es verbindet  uns mit denen, die an ihrem Anfang standen. Und mit allen, die seither daran teilgenommen haben. Die christlichen Gemeinden pflegen die Tradition des Abendmahls bis heute. Es wird niemand ausgeschlossen, auch Kinder sind willkommen. Damals wie heute gilt: in Brot und Wein (oder Traubensaft) des Abendmahls ist der gekreuzigte und auferstandene Jesus Christus uns nahe.

„Als sie ... aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ (Mt 26,26–28)

Das Abendmahl ist eine Quelle der Kraft und des Trostes für den, der ernst nimmt, was Jesus damals gesagt hat. Als Zeichen für die Gemeinschaft mit Gott und untereinander ist es vielen Menschen wieder sehr ans Herz gewachsen. Gefeiert wird es mit Wein oder Saft, mit Brot oder Oblaten.

Aber auch darüber hinaus haben unsere Gemeinden ein vielfältiges Angebot um die christliche Gemeinschaft zu erleben und darin gestärkt oder auch einmal getröstet zu werden. Im Mittag-Essen-Miteinander, in Andachtszeiten zu unterschiedlicher Tageszeit, im gemeinsamen Singen und Reden genauso, wie im Schweigen und Zuhören.

An diesem Sonntag (7.Sonntag nach Trinitatis) wird in vielen Gemeinden in den Gottesdiensten besonders an das Abendmahl erinnert. Sie sind herzlich eingeladen, sich an Gottes Wort zu stärken . „Kommt, denn es ist alles bereit, schmecket und sehet, wie freundlich unser Herr ist“. Und....von diesem Brot des Lebens ist genug für jeden da!

Frauke Harland-Ahlborn, Prädikantin der Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf