Vom Aufgang der Sonne - 12.3.16

Neulich las ich Worte eines Rabbis: „Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe.“ Spontan sang ich leise „Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn.“ Ein Enkelkind hörte das und meinte vorwurfsvoll „Aber dazu macht man doch Bewegungen, Oma!“ Nun ging es los mit dem Heben der Arme, um die aufgehende Sonne zu begrüßen und weiter mit dem Bücken, um den Niedergang zu begleiten und dazu fröhliches  Klatschen, um Gott zu loben. Wunderbar, diese Begeisterung, der kleine Kerl strahlte. Plötzlich war es für mich ein besonders schöner Lobgesang, der so richtig mitten ins Leben passt. Der Lauf der Sonne umspannt unser Tages-Geschehen, auch den heutigen Tageslauf. Und das tut sie auch, wenn sie manchmal gar nicht zum Vorschein kommt. Sie geht jeden Morgen neu für uns auf und erfreut uns mit ihrem Licht und bald auch wieder mit ihrer Wärme. Am Tagesende zieht sie sich wieder zurück und versinkt am Horizont. Im 113. Psalm ist das schön beschrieben: „Es ist wunderbar, Gott zu loben. Wir wollen deine Knechte sein, lieber Gott, deine Mitarbeiter, Menschen, denen du deine Arbeit anvertraust. Du bist wie die Sonne, über uns und in uns, du bist bei uns und um uns. Du stehst hinter uns und stehst uns bei. Keiner ist so wie du, der Höhen und Tiefen umschließt.“ Inzwischen saß der kleine Enkel auf meinem Schoß und fragte „Wie ist das eigentlich, wenn die Sonne untergeht? Ich weiß, dass die wiederkommt, aber wo bleibt sie denn so lange, wenn es bei uns dunkle Nacht ist? Scheint die dann beim lieben Gott? Ach nee, das geht ja gar nicht, wenn sie in eurer Leine oder in unserem Kanal verschwindet. Ich hol mal ein Buch, da steht das glaub ich drin.“ Es kann viel geschehen zwischen dem Auf-und Untergang: Wiederkehrendes, das uns Halt gibt, die Mahlzeiten, die Zeit der Arbeit und der Ruhe. Wir erleben Freud und Leid, Angst und Hoffnung, Nähe und Einsamkeit u.. Wie gut, dass wir zu Gott singen und beten können. Er versteht uns. Unter seinem Licht dreht sich die Erde, Tag und Nacht.             

Ursula Wiebe Schloß Ricklingen