Versorgung – 16.3.19

Mein Kind ist ausgezogen. Dadurch wurde es zuhause leiser, ruhiger und leerer.

Der Anlass war allerdings ein schöner. Es hat ein Studium in einem anderen Bundesland begonnen.

Am Anfang war jedoch nichts wirklich einfach. Weder für mein Kind, noch für mich. Das lag nicht an der Wahl eines MINT Faches, das bekanntermaßen nicht leicht ist, sondern am Heimweh meines Kindes.

In den ersten Wochen wurde ernsthaft der Wechsel zum heimatnahen Studium erwogen und diskutiert. Herzzerreißende Nachrichten trafen ein. Ganz allmählich wichen sie aber diversen Fotos der Studentenküche.

Inzwischen kommen nur noch zuversichtliche und positive Informationen. Einen nicht unerheblichen Anteil daran hatte meine Ma. Auch sie war, ob der offensichtlichen Unzufriedenheit, unglücklich. Trotz des hohen Alters meiner Eltern, hatten sie den Plan, ihm die Ankunft in der schönen Wohnung in neuer Umgebung zu erleichtern. Dazu packten sie monatlich ein Care-Paket mit unterschiedlichem Schwerpunkt. Von Nahrung wie Nudeln, Dauerwurst und Keksen über Lernmaterial zu Putz und Reinigungsmitteln. Anfang des Jahres lief die Unterstützung dann aus. Das hatte zwei Gründe: leider sind meine Eltern nicht mehr mobil genug, andererseits ist das erste Jahr vorbei.

Das Ende war dann aber noch ein High-Light. Meine Eltern entließen ihr Enkelkind mit einem kleinen Büchlein, in dem alle besonderen, gemeinsamen Erlebnisse dokumentiert wurden. In den Seiten mit ganz besonders schönen Erinnerungen lagen Geldscheine, damit sich mein Kind zukünftig selbst versorgen kann und mit Liebe an seine Großeltern denkt.

Ausgerechnet nach dem Erhalt des Päckchens mit Shampoo und Putzlappen erhielt ich von meinem Kind folgende WhatsApp Meldung: „Ich dachte immer, ich hab mir tolle Eltern ausgesucht. Wie es aussieht hast du dir noch tollere gewählt...“

Der Alten Krone sind Kindeskinder, und der Kinder Ehre sind ihre Väter. Sprüche (17:6)

Gunner Linde-Göers, Stiftsgemeinde