Verrückt nach Frieden, oder: Der Clown in dir - 26.1.19

Game of Thrones in der Bibel: David war auf der Flucht vor Saul. Saul war König, aber sein General David war zehnmal so erfolgreich in der Schlacht. Saul schlug tausend, aber David zehntausend, so sangen es die Fans.

Und David floh vor Saul und kam zu König Abimelech. Auf der Flucht vor Saul kommt David zu einem anderen König. Aber der Gesang ist schon vor ihm da.

Die Großen des Abimelech wittern eine Bedrohung für den Thron.

Und was tut David? Er stellt sich dumm. Er stellt sich sogar wahnsinnig. Er tobt. Er rennt gegen den Türrahmen. Er sabbert in seinen Bart.

Als das der König sieht, herrscht er seine Großen an: Ihr seht doch, dass der Mann wahnsinnig ist. Warum habt ihr ihn zu mir gebracht?

Und dann fügt er hinzu, und das ist mein Lieblingssatz der Geschichte: Habe ich denn zu wenig Wahnsinnige, dass ihr mir diesen bringt?

David wäre also in guter Gesellschaft. An Wahnsinnigen mangelt es nicht bei Hofe. Aber er ist nicht willkommen. Und so macht er sich wieder auf den Weg.

Und bei einer Rast setzt er sich hin und schreibt ein Lied. Und darin heißt es: Suche Frieden, und jage ihm nach. (Die Bibel, Psalm 34, Vers 1 und 15) Dieser Satz ist für viele Menschen das Motto für das Jahr 2019, die sogenannte Jahreslosung.

Verrückt. Da hat David doch gerade noch selber gelogen und getrickst, hat Städte erobert und Völker ausradiert und nun schreibt er einen Friedenstext. Ist er tatsächlich wahnsinnig geworden?

Ich glaube: Frieden ist gar nicht anders möglich als mit einer gewissen Portion Wahnsinn. Der Clown in mir ist viel friedvoller als der Vernunftmensch.

Morgen erinnern wir uns an den Wahnsinn des Naziregimes, insbesondere an die Ermordeten der Konzentrationslager. Für manche Menschen ist das nur ein Vogelschiss auf der Deutschen Geschichte. Dieser Art Wahnsinn kann man nicht mit Vernunft begegnen. Vielleicht aber mag es helfen, wenn wir auch verrückt werden. 2019 könnte das Jahr werden, in dem wir den Clown in uns entdecken. So fangen wir den Frieden.

Andreas Behr, Pastor und Dozent für Konfi-Arbeit am Religionspädagogischen Institut Loccum