Und es ist Urlaub …. - 9.7.16

Wir sind da. Gott sei Dank! Mein Mann und ich sind froh, unser Ziel im Norden Dänemarks ohne Stau, Unfall oder Autoschaden nach knapp 700 kmFahrt auf regennasser Straße erreicht zu haben. Auf 2 Urlaubswochen freuen wir uns. Und dann das:  Das Haus ist nicht sauber, Dreck, Spinnweben und die Hinterlassenschaften der Vormieter erwarten uns. Also: Fakten schaffen. Saubermachen, auspacken und ignorieren! Nein, das habe ich nicht geschafft. Am nächsten Morgen fahren wir an einer kleinen, weißen Kirche vorbei. „Halt doch mal an…“. Ich brauche etwas, was mich wieder aufbaut und ICH weiß, wo ich das finde. Es hat grad der „Gudstjeneste”, der Gottesdienst, angefangen. Die “Præsterin“ mit der weißen „Halsranden” auf dem „Præstekjole” nickt mir – als  Zuspätkommerin – von der Kanzel freundlich zu und dann wird gesungen. „Love den Herre…“. Im Gesangbuch sind keine Noten abgedruckt, nur der Text. Und ich singe, wie es der hier übliche stimmgewaltige Vorsänger im Chorraum vorgibt, mit. Manch ein Wort ist vielleicht nicht richtig, aber „Lobe den Herren“ ist mir doch von Melodie und Text bekannt. Dem „Herre sei med deg“ kann ich antworten: „…und mit deinem Geist“. Der Aufforderung zum „Bede“ kann ich ebenfalls folgen. Gott wird doch wohl auch hier hören, was ich ihm antrage. Und dann kommt die Predigt. Ich verstehe kaum ein Wort, nur: „Hellige ånd” –Heilige Geist-, Apostel, Jesus Christus, Testament, …. Amen. Dann stehen alle auf und sprechen die Worte, von denen ich in meiner „Heimatkirche“ immer sage, sie uns mit den Christen dieser Welt verbinden. Auch hier kann ich folgen und bekunde meinen Glauben, wie ich es gelernt habe. Beim Abendmahl orientiere ich mich an den anderen. „Christe Krop“ und „Christe Blod“ bekräftige ich mit „Amen“, wie meine Nachbarn auch. Das „Vaterunser“ erkenne ich am Klang und spreche es mit den mir vertrauten Worten mit. Nach weiteren Liedern, die ich –wie begabt– aus dem skandinavischen Gesangbuch mitsinge, kommt mir auch der Segen vertraut vor. Am Ausgang wünscht mir die Presterin „Glædige Pinse“ zu, ich antworte mit „Frohe Pfingsten, ich bin Urlauberin aus Deutschland“. „Wie schön, dass Sie da sind, ich wünsche Ihnen einen erholsamen  Urlaub“. Sie spricht Dänisch, aber „man“ versteht sich ja… Es überrascht mich - und auch wieder nicht-  aber der christliche Glaube verbindet uns tatsächlich überall auf der Welt.

Die Urlaubs-, Ferien und Sommerzeit steht an. Ich möchte Sie ermutigen, in Ihrem Urlaubort im In- und im Ausland doch auch einmal die Kirche dort aufzusuchen. Zu erkennen, zu erleben, mitzumachen und zu spüren, was uns verbindet. Auch wenn die Sprache uns trennt, die Melodie der Lieder und die überall auf der Welt gesprochenen Worte des christlichen Glaubens geben auch im Urlaub das Gefühl, Teil der großen Gemeinschaft Christie zu sein. Und auch wenn wir nicht jedes Wort verstehen: ER ist da. IHM können wir ÜBERALL klagen und danken und bitten. In jeder Sprache, in jedem Land, zu jeder Zeit. Gute Erholung. Hier und Dort!

Frauke Harland-Ahlborn, Lektorin in der Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf