Türen - oder Begegnung ist möglich - 17.6.17

Es gibt viele Türen: Der Großteil davon wird jeden Tag ein paarmal benutzt. Ebenso die Schlüssel, die dazu gehören. Es gibt auch Türen, die sind so fest verschlossen, als wären sie seit Jahren nicht mehr geöffnet worden. Als wäre der passende Schlüssel nicht mehr vorhanden. Wo aber Türen einladend offen stehen, können sich Menschen begegnen. Und wenn die „Tür“ zwischen zwei Menschen offen ist, kann echte Begegnung stattfinden. Doch manchmal fallen Türen zwischen Menschen ins Schloss. Die Menschen verschließen sich voreinander, finden keinen Zugang mehr zueinander. Begegnung findet nicht mehr statt. Der „Schlüssel“ passt nicht mehr, die Tür lässt sich nicht mehr öffnen. Vielleicht will man sie gar nicht mehr öffnen oder manch einer merkt es gar nicht, dass er eine Tür zugeknallt hat. Traurig ist es dann, wenn niemand versucht, die zugeschlagene Tür wieder einladend zu öffnen. Wenn keiner versucht eine Begegnung zu ermöglichen.

Aber nicht nur zwischen Menschen können Türen zufallen, sondern auch zwischen Gott und uns Menschen. Bei ihrer Konfirmation bekräftigen  Konfirmanden das Versprechen, das ihre Eltern und Paten bei ihrer Taufe gegeben hatten. Sie sagen „Ja“ zu einem Leben mit Gott. Nichtsdestotrotz  fällt für viele danach die Tür zu Gott ins Schloss. Sie finden keinen Zugang mehr zu ihm, halten die Verbindung mit ihm für überholt. Sozusagen nicht mehr zeitgemäß. Manchmal  - nach Jahren -  merkt manch einer, dass da eine Tür zu Gott ist, eine Tür die man selbst öffnen kann. Zu der sie selbst den Schlüssel haben. Dieser Schlüssel heißt Vertrauen, Vertrauen in Gott, der uns auf allen Wegen unseres Lebens begleitet. Auch wenn wir es oft nicht wahrnehmen. Mit diesem Schlüssel des Vertrauens kann die Tür zu Gott wieder geöffnet werden. Gott schlägt keine Tür zu. Und mit dem Schlüssel des Vertrauens kann auch die Tür zu anderen Menschen wieder geöffnet werden.

Jeder Tag bietet die neue Chance, nach den Schlüsseln für die ins Schloss gefallenen und somit verschlossenen Türen zu suchen. Ein solcher Schlüssel kann die Bereitschaft zur Vergebung sein, kann neues Vertrauen, ein Lächeln, ein klärendes Wort sein. Und ein Gebet, ein Gespräch mit Gott.

Marlene Richter, Prädikantin, Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf