So war's

Auf dieser Seite sammeln wir Berichte über Ereignisse im Kirchenkreis. Die Sammlung wurde im Oktober 2014 gestartet.

Wunstorfer Kirchen feiern „Lange Nacht“

Zehn Kirchen bieten vielfältiges Programm

Wunstorf. Um Punkt 18 Uhr begrüßen Pastoren, Diakone und Prediger in zehn Kirchen gleichzeitig die Besucher: Die „Lange Nacht der Kirchen“ ist eröffnet. Bis 24 Uhr gab es am vergangenen Freitagabend in den Wunstorfer Kirchen Bandauftritte, Theateraufführungen, Lesungen oder Aktionen zum Mitmachen.

„Es ist das erste Mal, dass diese ökumenische Veranstaltung hier stattfindet“, sagt Superintendent Michael Hagen nicht ohne Stolz. Zusammen mit Hinrich Tiunmann von der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) eröffnete Hagen die „Lange Nacht“ in der Stiftskirche Wunstorf: „Gemeinschaftlich für Gottes Wort arbeiten – das ist sehr gut“, sagte Tiunmann. Einige Schritte weiter begrüßte Schulpastorin Franziska Oberheide Jugendliche in einem umgebauten Bauwagen. Hier wird gefragt: „Was erwarte ich von Kirche?“. Und in der benachbarten Stadtkirche gab Diakon Sebastian Krüger Antworten „wie man glücklich werden könne“. Auf der anderen Seite von Wunstorf las die Lektorin  in der St. Johanniskirche jüdische Geschichten vor, und im Zentrum für Jugendliche „Kurze Wege“ zündeten die Pfadfinderein ein Lagerfeuer an.

Zahlreiche Besucher haben die Lange Nacht der Kirchen genutzt, um im halbstündigen Takt die Orte zu wechseln, dabei gab es Musik, Lesungen, Diskussionen, Workshops, Filme und Andachten. In der Stadtkirche war unter anderem ein Poetry Slam, zudem sang ein Gospelchor. Die methodistische "Gemeinde mittendrin" hatte ein "Forum für Atheisten, Zweifler, Gottsucher und Christen" im Angebot. Und in der Corvinuskirche schilderte der Chor "Voice!" eine "Reise von Martin Luther in das Jahr 2017".

Die evangelische Kirche feiert bis Oktober dieses Jahres 500 Jahre Reformation. 1517 hatte Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht, die er der Überlieferung nach am 31. Oktober an die Tür der Wittenberger Schlosskirche nagelte. Der Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in die evangelische und die katholische Kirche zur Folge hatte.

Stiftskirche und Stifts-Gemeindehaus

Superintendetn Hagen gestaltet die Eröffnungsandacht

Viel Andrang am Grill des Männerkreises

Die Weinstube aus Bokeloh war gut gefülltDer Tanzkreis aus Kolenfeld

Die Singing FriendsDie Singing Friends

Nachtkonzert mit dem "Musikalischen Tafelkonfekt"Nachtkonzert mit dem "Musikalischen Tafelkonfekt"

Nachtkonzert mit dem "Musikalischen Tafelkonfekt"

Stadtkirche und Marktplatz

Das ReformhäuschenAm Spielmobil

In der StadtkircheIn der Stadtkirche

In der StadtkircheIn der "Baustille"

In der "BAustille"

St. Johannes und "Kurze Wege"

Bei Kurze WEgeBei Kurze WEge

Die Pfadfinder bei Kurze WegeDiakonisch-kirchliches Zentrum St. Johannes

Diakonisch-kirchliches Zentrum St. JohannesDiakonisch-kirchliches Zentrum St. Johannes

Diakonisch-kirchliches Zentrum St. Johannes

St. Bonifatius

Michaelisempfang 2016 in der Wunstorfer Stiftskirche

180 Gäste beim Kirchenkreisempfang in der Wunstorfer Stiftskirche

„Wir sollen frei sein, um dem Menschen zu dienen“ – zehn Kinder singen Martin Luthers Grundidee in der Stiftskirche. Hinter Ihnen steht eine mannshohe Playmobilfigur, in der linken Hand eine Feder zum Schreiben, in der rechten Hand eine Bibel. Es ist Martin Luther als Spielfigur. Der Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf hat zum Michaelsempfang eingeladen, „eine gute Möglichkeit um sich seines lutherischen Profils zu vergewissern“, sagt Superintendent Michael Hagen.

Und so spielerisch wie die Figur hat Dr. Melanie Beiner von der Evangelischen Erwachsenenbildung den 180 Gästen die reformatorische Grundidee erklärt. Nach und nach zieht sie eine Schaufensterpuppe an: Auf den Kopf setzt Beiner der Puppe einen Hut mit Feder – die Feder als Zeichen dafür, dass Menschen sprachfähig sein sollten durch Bildung. Die Feder ist auch Zeichen der Freiheit: Vernunft statt Macht, Kritik statt Gehorsam, „das ist der protestantische Geist“, sagt die Rednerin.

Als Oberbekleidung wählt Beiner ein leichtes Hemd: Denn Protestanten sollten sich auch verletzlich und ohne dickes Fell zeigen können. „Allein aus der Gnade Gottes sind wir das, was wir sind“, betont die Theologin. Um den Hals legt sie der Puppe eine Kette mit einem Kreuz: solus christus (nur durch Christus) werden wir Freunde Gottes, sagt sie. Zum protestantischen Profil gehört auch immer harte Arbeit: so drückt sie der Schaufensterpuppe ein paar Sonnenblumen in die Hand. Denn jeder Prostestant ist auch ein Gärtner, der sich die Hände schmutzig macht, um  anderen Menschen zu helfen oder radikales Gedankenunkraut auszureißen. Das Schuhwerk ist leicht gewählt – ein Sommerschuh. Denn die Protestantin weiß: aufgrund des Glaubens steht sie auf festem Grund, müsse sich aber stets umschauen in der Welt, um den Glauben weiterzugeben. So wie Martin Luther, der einst vor 500 Jahren sagte: „Man muss dem Volk aufs Maul schauen.“ Durch diese Einstellung wurde die Kirche reformiert – vom Scheitel bis zur Sohle.

Geistlicher Impuls Kirchenkreistag „Kirche und Kommunalpolitik“

Die Pharisäer, die Oberschlauen der damaligen Zeit, wollen Jesus eine Falle stellen und fragen ihn: Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen? Sie wollten Jesus damit testen, denn der Kaiser steht ja für die weltliche Macht. Sie wollen die weltliche gegen die göttliche Macht ausspielen. Da nimmt Jesus eine Münze und zeigt ihnen das Bild des Kaisers darauf. Und er sagt: Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört! Steuern also für den Römer. Aber Jesus fährt noch fort: Und gebt Gott, was Gott gehört. Tja, das war’s dann mit dem Gegeneinander-Ausspielen. Und was bedeutet das heute? – Verstehen wir Jesus richtig, dann sind Glaube und Welt, Kirche und Staat klar getrennt. Damit einerseits der Glaube nicht instrumentalisiert wird und die Kirche andererseits sich nicht staatliche Autorität anmaßt und so tut, als könne sie die bessere Politik machen. Vom Glauben her bleibt die Kirche immer ein Gegenüber zum Staat. Etwas wie ein Gottesstaat kommt für Jesus nicht Frage.

Ja, die Trennung von Kirche und Staat hat in unserem Land so gute Gründe. Und es gibt auch gute Gründe, warum es an manchen Stellen eine vertrauensvolle Zusam-menarbeit gibt: Weil der Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantie-ren kann. Und weil die Kirche und der Staat sich in bestimmten Bereichen mit gemeinsamen Anliegen gut ergänzen: in Kindertagesstätten, in Beratungsstellen oder in der Pflege etwa. Dazu braucht es auch Strukturen. Beten allein reicht da nicht. Die Bibel ist gut zweitausend Jahre alt. In vielen Dingen ist sie aber als Denkanstoß aktueller als vielleicht gedacht: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört!“ Ok. Doch dann gebt auch Gott, was Gott gehört.

Der Frage, was dies für unser Miteinander bedeutet, hier vor Ort, in unseren beiden Städten und in unserem Kirchenkreis mit seinen 26 Kirchengemeinden, wollen wir heute Abend gemeinsam nachgehen. Ich bin sehr gespannt darauf. Und Gott segne unser Reden und Hören. Amen.

Superintendent Michael Hagen

Ephoralbericht

Nach dem in den letzten Jahren immer wieder Pastoren und Pastorinnen aus unserem KK ein Studiensemester gemacht, habe ich mich nach knapp 30 Dienstjahren auch auf den Weg ins Ev. Studienhaus Göttingen gemacht. Als ein Schwerpunkt hat sich in dieser Zeit  die Beschäftigung mit dem Islam und den vielen sehr alten christlichen Kirchen im Nahen Osten ergeben, deren Mitgleider heute kurz vor der Ausrottung stehen.

Dadurch habe ich mir eine größere Kompetenz im Dialog mit Muslimen erworben, mit denen ich sowohl bei zwei Moscheegemeinden in meinem Kirchenkreis als auch bei der Begleitung des Modellversuches eines islamischen Religionsunterrichtes an unserer evangelischen IGS in Wunstorf zu tun habe. Schon während meines Studiensemesters erwuchs daraus der Impuls zu einem multireligiösen Gebet für Toleranz und Verständigung in Neustadt, das im Zusammenhang mit einem Steinwurf in das Fenster der dortigen Moschee in den Tagen des terroristischen Anschlags auf die Redaktion der französischen Satirezeitung "Charlie Hebdo" stattfand.  

Zudem wurde ich noch einmal in besonderer Weise für die Situation und die Schwierigkeiten der Zuwanderer und Flüchtlinge in meinem Kirchenkreis sensibilisiert.  Wir müssen wissen, dass 2zeidrittel Drittel der Menschen, die zur Zeit als Flüchtlinge zu uns kommen, Christen sind. Konkret gab es dadurch gleich Anregungen für das inhaltliche Begleitprogramm der am Sonntag in Neustadt eröffneten Ausstellung "Gesichter des Christentums". Am kommenden Mi.,den 18.3. um 19.30 Uhr, erwarten wir den Nahostreferenten Dr. Kamil Sido, der im Rahmen der Ausstellung in Liebfrauen über die Situation der Christen u.a.relig. Minderheiten spricht, die dort von Ausrottung bedroht sind. Diese Menschen brauchen unsere Solidarität.

An dieser Stelle sei unserer Diakonin Frau Baron-Turbanisch herzlichst gedankt, die sich sehr dafür eingesetzt hat, dass diese Wanderausstellung der Landeskirche in unseren Kirchenkreis gekommen ist. Mit einem großen Kreis von Ehrenamtlichen sorgt sie für die verlässlichen Öffnung und Führungen, die immer wieder stattfinden. Nutzen Sie die Gelegenheit bis Mitte April zum Besuch!

Wichtige Hinweise zur Dialog- und Anschlussfähigkeit mit anderen Kulturen aus einer Ringvorlesung können gewiss auch fruchtbar sein für das ökumenische Engagement wie die Indienpartnerschaft oder die langjährige Partnerschaft unseres Kirchenkreises mit der Synode Uruquai im südlichen Brasilien. Mitte Mai erwarten wir wieder eine Delegation von 10 Gästen aus der Synode Uruquai, mit denen wir am Wochenende 6./.7. Juni das 25jährige Bestehen dieser Partnerschaft begehen wollen. Auch sonst wartet ein volles Programm auf unsere Gäste. Ende Mai gibt es eine Fahrt mit ihnen zu den Stätten der Reformation, die ebenfalls von Frau Baron-Turbanisch geplant wird. Interessenten für diese Fahrt dürfen sich gerne bei ihr melden. Und nach unserer sehr anregenden Berlinfahrt im Rahmen des Jahresthemas “Kirche u. Politik” mit 50 hauptsächlich Ehrenamtlichen aus unserem Kirchenkreis fahren wir mit unseren Brasilianern in einer etwas kleineren Runde noch einmal zum Besuch des Bundestages nach Berlin. Falls jemand noch für einige Tagen einen Gast aufnehmen möchte, melden Sie sich am Besten in der Superintendentur.  Im Sommer werden wir dann nach knapp 6  Jahren unserer brasil. Pastorenehepaar Dr. Claudet Beiset und Carlos Luiz Ulrich verabschieden. Es war eine sehr anregende und schöne Zeit mit ihnen. Ihre Verabschiedung ist am 19.7. in St. Johannes in unserem dann neu eingeweihten diak.- kirchl. Zentrum. Der Bau unter bewährter Leitung von Herrn Haake ist inzwischen fast vollendet und Sie alle sind zur Einweihung am Pfingstsonntag um 15 Uhr in die Barne herzlich eingeladen.

Die eine oder andere Anregung erhielt ich in Göttingen auch aus der  Vorlesung "Grundriß der Dogmatik"  für unseren theologischen Grundkurs "Sich verwurzeln",  den wir im Kirchenkreis inzwischen zum dritten Mal an sechs Wochenenden in der Ev.-luth. Heimvolkshochschule in Loccum durchgeführt haben. Für alle ist dieser Kurs ein großer Gewinn. Sich zu gewissern, warum ich evangelischer Christ bin und was mir das bedeutet, ist wichtiger denn je. Gerade in einer Zeit, wo es immer weniger selbstverständlich ist, Mitglied unserer Kirche zu sein. Wir werden da auch immer wieder befragt. Und da ist es einfach gut, sprach- und auskunftsfähig zu sein. Darum ist es gut, dass für das Jahr 2016 ein 4. Folgekurs geplant ist. Wer mehr darüber wissen will, kann dies sicherlich bei vielen bisherigen TeilnehmerInnen  wie unserem KKV-Mitglied Herrn Jeep oderunseren KKT-Vorsitzenden Herrn Norra oder bei Frau Baron-Turbanisch erfahren, die für die Durchführung mit vielen anderen verantwortlich ist!

Für die Zusammenarbeit mit den Schulen und insbesondere die schulkooperative Arbeit mit weiterführenden Schulen, die ja bisher ein Schwerpunkt in unserem Kirchenkreis bildet, war das Seminar "Religion im Schulleben - sog. Schulseelsorge" eine gute Gelegenheit, unsere bisherige Praxis zu reflektieren und theoretisch zu untermauern. In den nächsten Wochen werden wir uns hier mit der Frage beschäftigen, wie es in diesem Arbeitsfeld und mit der Jugendarbeit im KK überhaupt weitergehen soll. Wie wir uns da für die Zukunft aufstellen. Diese Frage gilt allerdings nicht nur für die Jugendarbeit, sondern für alle Handlungsfelder im Kirchenkreis. Für den neuen Planungszeitraum muss die bisherige Konzeption des KK fortgeschieben werden. Und da sind fast alle Ausschüsse des KKTs gefragt.

Ein guter Nebeneffekt dieses Studiensemesters ist auch, dass ich so viele der Theologiepro-fessoren in Göttingen kennengelernt habe. Es hat dort einen großen Generationswechsel gegeben. Diese Kenntnisse machen es sehr viel einfacher, den einen oder anderen einmal als Referenten einzuladen. Als erster wird so der Alttestamentler Prof. Kratz am 8. Juli in unsere Kirchenkreiskonferenz kommen. Dazu sind auch alle Prädikanten und Lektoren herzlich eingeladen. Mit solchen gemeinsamen Treffen zwischen PrädikantInnen und PastoInnen bei Kirchenkreiskonferenzen tragen wir auch  dem Rechnung, dass PrädikantInnen immer wichtiger für  unsere kirchliche Arbeit werden . Sie sind ein wichtiger Aktivposten!

Sie merken, wie gewinnbringend so ein Studiensemester auch für einen Superintendenten sein kann. Und ich freue mich, dass schon weitere PastorInnen aus unserem KK in den Startlöchern stehen und von dieser tollen Möglichkeit Gebrauch machen. Möglich wird es auch durch die freundliche und verlässliche Vertretung durch Pastor Brusermann, der gerade auch dafür als Springer in unserem KK ist. Übrigens wird es im SS 2016 auch ein Studiensemester für DiakonInnen und SozialarbeiterInnen geben.  Nähere Infos gerne auch bei mir!

Personalia

Neu besetzt werden konnte die Pfarrstelle in Luthe erst einmal für 3 Jahre mit einer Pastorin zur Probe. Wenn bis dahin dann die Region ihre Hausaufgaben bezüglich des Stellenabbaues gelöst hat, kann sich Frau Pn. Ritzenhoff dann endgültig auf diese Stelle bewerben. Nach einer Lösung zur Wiederbesetzung der in Basse nur bis Sommer zur Versehung besetzten Stelle suchen wir zu Zeit auch noch. Ende Mai wird der langjährige Pastor  im Stift Dirk Wulf aus gesundheitlichen vorzeitig in Ruhestand gehen. Bis zur endgültigen Klärung in der Region wird im Stift eine halbe Stelle gesperrt und soll Frau Pn. Dr. Pabst mit der Versehung der verbleibenden halben Stelle befristet beauftragt werden.

Verabschieden müssen wir auch unseren Diakon und Dipl.rel. Päd. Herrn Thomas Schlichting. Nach dem er viele Jahre in St. Johannes tätig war, hat er in den zurückliegenden Jahren hier im KK und dem KK Grafschaft Schaumburg sehr erfolgreich als Fundraiser gewirkt. Ab Mitte April wird er Geschäftsführer der renommierten Damannstiftung in Hildesheim. Dazu herzlichen Glückwunsch! Verabschieden werden wir ihn am Di., d. 28.4. um 17 in Bokeloh. Seit heute ist die Stelle zur Wiederbesetzung ausgeschrieben. Gern können Sie Personen, die für eine solche Stelle in Frage kommen, darauf hinweisen. Nähere Infos Stellenbörse der EKD!

Ja, Sie sehen es wird nicht langweilig! Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Superintendent Michael Hagen

Im Oktober 2013 hielt ich zum ersten Mal den Flyer für den Kurs „Sich verwurzeln – Glauben heute“, der 2014 in der Heimvolkshochschule Loccum stattfinden sollte in den Händen. Ein Angebot des Kirchenkreises Neustadt-Wunstorf an sechs Wochenenden von Januar bis November 2014 für Menschen, die ihren Horizont erweitern und sich mit Themen aus Kirche und Theologie beschäftigen wollen. Die Idee für diesen Kurs kommt aus unserem Partnerkreis, der  „Sinodo Uruguai“ im südlichen Brasilien, wird aus Mitteln der Ev.-luth. Landeskirche Hannover und des Kirchenkreises Neustadt-Wunstorf unterstützt und richtet sich insbesondere an kirchliche Laien.

Ein interessantes Angebot für mich, der seit 2012 im Kirchenkreistag mitarbeitet und sich im Bereich der Partnerschaftsarbeit engagiert und für meine Frau, die seit zwei Jahren Mitglied des Kirchenvorstandes der Kirchengemeinde Schloß Ricklingen ist. Die Möglichkeit mich fortzubilden und in theologischen Fragen mitreden zu können reizte mich, zumal das letzte Mal, dass ich mich so intensiv mit meinem Glauben beschäftigt habe während der Konfirmandenzeit war, und die liegt schon lange zurück. Andererseits ist meine Zeit eh schon knapp bemessen und es fällt mir schwer, mich für sechs Wochenenden zeitlich zu binden, die ich vielleicht anders oder besser nutzen kann. Dennoch haben sich meine Frau und ich für das Seminar angemeldet. Aber was wird uns erwarten?

Zwanzig Teilnehmer aus verschiedenen Gemeinden des Kirchenkreises, die sich dort engagieren und sehr unterschiedliche Vorkenntnisse und sicherlich auch unterschiedliche Erwartungen haben trafen sich am 24. Januar 2014 das erste Mal in Loccum. Schon nach kurzer Zeit stellte ich fest, dass es mir überhaupt keine Schwierigkeiten machte mit jedem Teilnehmer ins Gespräch zu kommen, weil uns alle ein gemeinsames Interesse, der Glaube, verbindet. Und schon bald merkte ich, dass mir unsere Dozenten, den ich an dieser Stelle herzlich danken möchte, eine Tür für eine Welt öffneten, die für mich bis dahin weitestgehend im Nebel lag. Die Themen, die wir besprochen haben,

  • wie wir die Bibel verstehen können (Entstehung, Aufbau, Kerntexte, Übersetzungen – Auslegungstraditionen – Umgang mit der Bibel heute – Gotteswort und Menschenwort),
  • wie wir von und mit Gott reden können (Gott und Gottesbilder in der Bibel – Gottesvorstellungen heute – Schöpfung und Evolution – Gott und das Leid),
  • woran wir uns orientieren können (Christliche Grundwerte und biblisches Menschenbild: Zehn Gebote, Nächstenliebe, Feindesliebe – Einzelthemen, wie z.B. Sterbehilfe),
  • wie Glaube Gestalt annehmen kann (Die Institution Kirche und ihre Strukturen – Verlautbarungen der Kirche: Vom Credo bis zu den Denkschriften heute – Diakonie – weltweite Kirche),
  • was es bedeuten kann evangelisch-lutherisch zu sein (Martin Luther – Taufe und Abendmahl) und
  • wie wir in unserer Gemeinde Glaube leben und feiern können Gottesdienst verstehen – Die Vielfalt des Gemeindelebens – Möglichkeiten sich zu engagieren – einladende Gemeinde)

waren sehr interessant. Jedes Thema hat meine Neugier geweckt. Die Inhalte wurden gut vermittelt, von den Dozenten und anderen Teilnehmern wurden Antworten gegeben, die für mich aber wiederum neue Fragen aufwarfen, so dass ich mich auch nach dem jeweiligen Seminarabschnitt weiter mit den Themen beschäftigen wollte. Am Ende jeden Wochenendes konnte ich kaum unser nächstes Treffen in zwei Monaten erwarten.

Mittlerweile hatten wir unser letztes Treffen im November und für mich stellt sich Frage, wie es weiter gehen soll. Auf das Treffen mit den anderen Teilnehmern, mit weiteren Einblicken in das Geheimnis der Bibel und der Auseinandersetzung mit Fragen des Glaubens will ich nicht verzichten. Und auch den anderen Teilnehmern geht es offensichtlich genauso, so dass wir unsere nächsten Treffen im Mai und Dezember 2015 bereits geplant haben. Im Mai wollen wir uns intensiv mit dem Johannes-Evangelium im Neuen Testament beschäftigen und im Dezember wollen wir ein Bibliodrama kennenlernen.

Ich freue mich schon das Wiedersehen mit meinen „neuen Freunden“.  

Andreas Mertsch,  Schloß Ricklingen

Wer sich für eine Teilnahme am nächsten Durchgang an sechs Wochenenden im Jahr 2016 interessiert, wende sich bitte an Claudina Baron-Turbanisch - Tel: (05032) 95 64 72 oder an die Superintendentur.

Kirchenkreistag tagt in der Stiftskirchengemeinde in Wunstorf

Wunstorf. „Nicht die Dinge laufen lassen, sondern jetzt handeln“, das ist die Devise von Superintendent Michael Hagen wenn er an die Zukunft des Kirchenkreises Neustadt-Wunstorf denkt. Beim Kirchenkreistag im Gemeindehaus der Stiftskirchengemeinde haben sich mehr als 40 Delegierte aus den 27 Kirchengemeinden des Kirchenkreises mit der zukünftigen Pfarrstellensituation beschäftigt.

Laut Prognose werden für die 27 Kirchengemeinden im Jahr 2033 noch 14 Pfarrstellen vorhanden sein, ein Drittel weniger als jetzt. Gründe dieser Entwicklung sind weniger Kirchenglieder, weniger hauptamtliches Personal wie etwas Pastoren sowie geringere Finanzen.

Es sei notwendig, gute Startbedingungen für Pastorinnen und Pastoren zu schaffen, sagt Hagen. Kirche müsse weiterhin in der Fläche präsent sein und entsprechend attraktive Pfarrstellen anbieten. Dafür sollen 14 Pfarrsitze geschaffen werden, „wo die Menschen auch gerne leben und arbeiten“, sagt Hagen und referiert damit die Ergebnisse der AG Zukunft. Demnach würden sich etwa die Dörfer Niedernstöcken, Helstorf und Mandelsloh einen so genannten Pfarrsitz gemeinsam teilen.

Auch in der Region Süd-Stadt stehen Veränderungen an. Pastor Thomas Gleitz macht jedoch deutlich, dass es für Wunstorf auch einen leichten Zuzug an Bürgern gibt, und „damit die Pfarrstellensituation hier sich anders entwickeln wird“, so Gleitz. Ulrike Norzel-Weiß aus Mariensee spricht für die Region Nord des Kirchenkreises, die vor allem ländlich geprägt ist: „Bei uns ist allem Fluß, wir müssen schon jetzt eine halbe Pfarrstelle kürzen.“

Was den theologischen Nachwuchs angeht, so verzeichnet der Kirchenkreis Erfolge: „Zurzeit gibt es acht Theologiestudierende aus dem Kirchenkreise, die Pastoren werden wollen“, sagt Superintendent Michael Hagen.

Marcus Buchholz

IGS Wunstorf fördert geistliches Leben auf dem Schulhof

Wunstorf. Seit einigen Tagen steht etwas Einmaliges auf dem Schulhof der Evangelischen IGS Wunstorf: Die BauStille – ein mobiler Andachtsraum in Form eines extra für diesen Zweck hergestellten Bauwagens. Schulpastorin Franziska Oberheide und Fundraiser Thomas Schlichting hatten die Idee für dieses Projekt: „Da die Schule in den nächsten Jahren noch eine Baustelle ist, brauchen wir für die Schüler einen Ort der Stille und des Rückzugs.“

Der Bauwagen ist sechs Meter lang und 2,20 Meter breit, so dass eine Gruppe von etwa 20 Schülerinnen und Schülern dort gut Platz finden kann. Der Altarbereich ist mit drei versetzten Fenstern als sakraler Raum erkennbar. Außerdem ist durch die insgesamt neun Fenster der Innenbereich hell.

Die Schulpastorin hat vor, mit den Schülern in dem Bauwagen regelmäßig Andachten zu feiern und Seelsorge anzubieten. Die Schülerinnen und Schüler fertigen im Religionsunterricht kleine Holzkacheln für den Innenraum an unter der Fragestellung: Gott ist im Moment für mich wie? Eine Schülerin hat ihre Kachel bereits im Innenraum aufgehängt. Darauf zu sehen ist ein rotes Herz vor blauem Hintergrund.

„Jeder, der den Andachtsraum benutzt, wird auch in Zukunft so eine Holzkachel gestalten – so dass mit der Zeit Gott auf immer vielfältigere Weise sichtbar wird“, sagt Oberheide. Auch die Außengestaltung übernehmen Jugendliche: In einem Wahlpflichtkurs mit dem 8. Jahrgang werden derzeit Symbole und biblische Geschichten als Bilder erarbeitet, die schließlich auf die Längsseite der BauStille gebracht werden. Und wenn Ferien sind, dann ist der Bauwagen Begleiter bei Freizeiten.

„Widerstehen Sie der Islamophobie in Deutschland!“ Mit diesen mahnenden Bitte entließ uns Dr. Ulrike Dufner, Leiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Istanbul, nach ihrem bewegenden Vortrag zur Situation von Minderheiten in der Türkei. 20% der türkischen Bevölkerung sind Kurden. Unter dem Einfluss der herrschenden AKP distanziert sich  die sunitisch-muslimische Mehrheit immer stärker von den Kurden im eigenen Land. „Sie werden zum Feind der Nation hochstilisiert“, analysiert Frau Dufner die politische Lage. „Nicht der Kampf gegen die IS steht im Interesse der Politik, sondern die Ausgrenzung der Kurden.“ Eine „Kurdophobie“ habe eingesetzt und werde politisch angeheizt. Die Gefahr, die von den Muslim-Brüder und der IS ausgeht,  werde hingegen relativiert. So finde der Nato-Vertragspartner USA in der Türkei gegenwärtig wenig Unterstützung, die Nutzung von Militärbasen in der Türkei zum Kampf gegen IS werde ihnen verweigert und etwa die Schaffung eines Korridors, um Zugang zum stark umkämpften Kobane zu erlangen, strikt verworfen. Vom Schicksal traumatisierter Kinder, die vor den IS-Milizen aus Syrien geflohen sind, berichtet Frau Dufner aus eigener Anschauung. „An sich habe ich immer guten Zugang zu Kindern gehabt. Doch als ich in der letzten Woche bei den Flüchtlingen an der Grenze zu Syrien war, liefen die Kinder vor mir weg. Das habe ich noch nie erlebt. Ich war so erschrocken, wie tief ihre Angst ist vor jedem, der auf sie zukommt.“ `Ein Zelt für die Jesiden´ nennt sich die Kampagne, die Frau Dufner startet, um vor Einbruch des Winters beheizte Zelte für die Flüchtlingsströme bereitzuhalten. „Die Türkei macht ihre Grenzen auf und lässt die Flüchtlinge rein, überlässt sie dann aber ganz ihrem Schicksal.“ So ist auch bereits das Stadtbild in Fatih, dem Stadtteil von Istanbul, der als Migrationsmagnet gilt, geprägt vom Bild bettelnder kleiner Kinder, die als Flüchtlinge aus Syrien ihr Überleben zu sichern versuchen. Für Saisonarbeiten auf dem Feld erhält ein türkischer Arbeiter 20 Lira am Tag, syrische Flüchtlinge verdingen sich, um zu überleben, für 8 Lira am Tag. „Arm steht gegen Arm. Die sozialen Spannungen steigen.“, erklärt Frau Dufner die Folgen der Flüchtlingswelle und sie empfiehlt eindringlich, den politischen Dialog mit der Türkei gerade in der jetzigen Zeit nicht abreißen zu lassen. „Die Türkei fühlt sich als Opfer. Wird sie international ausgegrenzt, verstärkt sich dieses Gefühl.“ Und im Blick auf die restriktive Asylpolitik in Europa fühlt sich Frau Dufner gegenüber türkischen Vertretern sowieso oftmals in Erklärungsnot. Denn die Türkei gibt den IS-Flüchtlinge immerhin Zuflucht. Wir haben nach dem Gespräch den Eindruck, in Frau Dufner einer klugen und engagierten Kämpferin für die Rechte von Minderheiten begegnet zu sein. Sie lässt sich vom Leid der Menschen berühren. Sie deckt Leid auf und sie macht auch uns damit zu Wissenden. Und sie zeigt Handlungsmöglichkeiten auf, weiß um die Grenzen von Hilfsmaßnahmen und macht an ihrem eigenen Verhalten aber auch deutlich, wie Spenden als letzter Protest gegen die Übermacht von Gewalt und Krieg alternativlos sind und zum Zeichen der Hoffnung werden können. 600,-€ kostet ein Zelt für die Jesiden. Damit können einige zumindest den nächsten Winter überstehen.

Tilman Kingreen

Die beeindruckende Größe und Erhabenheit der Kuppel der Blauen Moschee, fand ihren Gegensatz im Büro des Imam, in dem sich zum interreligiösen Austausch etwa 37 Personen (die Frauen mit bedecktem Haupthaar) versammelten.

Die Reisegruppe verteilte sich auf allem, was sich zum Sitzen eignete -  einschließlich des Fußbodens – und füllte so das Büro komplett aus.

Das Gespräch wurde auf Englisch geführt und der Imam  „Isaak“ beschrieb zunächst routiniert die Voraussetzungen für seine Tätigkeit.

Als Imam muss er den Koran auswendig kennen und er ermunterte seine Gäste direkt dazu, ihn zu prüfen. Ein Imam ist kein „Geistlicher“ sondern ein Lehrer und Beamter des (türkischen) Staates.

Er leitet die ritualisierten Gebete (fünfmal am Tag), die von Gesten und Bewegungen begleitet werden und sehr stark von Wiederholungen geprägt sind. Manche Gebetsformeln werden mehr als 30mal nacheinander gesprochen. Frauen und Männer beten getrennt und in der blauen Moschee sind den Frauen vor allem die Emporen vorbehalten. Sie dürfen aber auch zu Hause beten, wenn sie die Kinder und den Haushalt versorgen müssen.

Der Imam unterrichtet außerdem an Koranschulen und kümmert sich um Besuchergruppen.

Islam bedeutet „Unterwerfung“ unter Gottes Willen, der im Koran durch den Propheten Mohammed wortwörtlich festgehalten wurde. Darum sollte der Koran möglichst in arabischer Sprache gelesen werden, weil jede Übersetzung auch Veränderung bedeutet.

Die Unterschiede zum Christentum deuten sich schon im Grundbekenntnis des Koran an: Allah ist groß und Allah ist einer.

Der Imam drückt es so aus, dass Gott keine „Familie“ hat. Zwar wird Jesus im Koran als Prophet gesehen, aber der trinitarische Gedanke (Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist) ist im Koran undenkbar.

Danach gefragt, ob Christen für ihn, bzw. aus Sicht der Muslime „Ungläubige“ seien, sagte der Imam: Gott hat den Menschen den Koran gegeben und jeder, der danach lebt, kann ins „Paradies“ gelangen. Und jeder kann immer noch umkehren und sich zum Islam bekennen...

Auf die Frage nach seiner Beurteilung sogenannter „Ehrenmorde“, weist der Imam darauf hin, dass der Koran die Gegenwehr erlaubt, wenn das eigene Leben oder das eines anderen, mir nahestehenden Menschen bedroht wird. Dann darf man sich wehren und ggf. auch dem anderen das Leben nehmen.

Es wäre sicher lohnend gewesen, manche Themen zu vertiefen, aber dafür fehlte die Zeit.

Astrid Hoidis

 

Die historische Altstadt von Fatih liegt zwischen dem Viertel Eminönü im Osten und der Theodosianischen Landmauer im Westen. Getrennt werden die Stadtteile heute vom Atatürk Bulvarı, einer Schnellstraße, die über die Atatürk-Brücke eine zweite Verbindung zum Norden der Stadt herstellt. Der Atatürk Bulvarı wird überspannt vom im 4. Jahrhundert erbauten Valens-Aquädukt (Bozdoğan Kemeri), der Fatih und Eminönü verbindet. Fatih ist seit Sultan Mehmed dem Eroberer berühmt für seine Medresen und Moscheen und war ein Bezirk der Gelehrten und Dichter.

Blick vom Marmarameer auf FatihDer Donnerstag endet mit einem Gespräch mit einem Lokalpolitiker, Ramiz Polat zu dem uns Mustafa Erkan aus Neustadt den Kontakt vermittelt hat. Begleitet wird er von Frau Nilüfer Türütgen (Beraterin des Bürgermeisters), die zu allen von uns angesprochenen Themen spontan die Fakten und Zahlen erläutern kann. Sie beeindruckt durch ihre Sachkompetenz! Wir werden zu einem leckeren Abendessen am Meeresufer eingeladen. Danach nehmen sich die beiden Vertreter viel Zeit für unsere Fragen.

Fatih ist ein Stadtteil von Istanbul und umfasst den ältesten Kern der Stadt. Heute wohnen in diesem Bereich rund 460000 Einwohner. Der Stadtteil hat - wie alle anderen Statteile - ein eigenes Parlament und einen eigenen Bürgermeister, Mustafa Debir. 37 Stadtverordnete sind für die Leitung dieses „Ortsrats“ zuständig. 25 davon gehören seit der Wahl im Sommer 2014 der Regierungspartei an, 12 sind Sozialdemokraten. Die Vertreter der Ortsräte bilden gleichzeitig das Parlament der Großstadt. Ihre Zahl richtet sich nach der Bewohnerzahl der Stadtbezirke. Sie sind wie auch unsere Ortsräte ehrenamtlich tätig.

Ein großer Teil der Aufgaben, die in Deutschland kommunal gelöst werden, sind in der Türkei der Zentralregierung in Ankara vorbehalten, etwa Schule und Polizei.

Der Vertreter berichtet uns von den Erfolgen der AKP in den letzen beiden Amtsperioden. Kurz vor unserem Besuch sind sie mit der beschriebenen deutlichen Mehrheit wieder gewählt worden. So wurden z.B. die Grünflächen in den vergangenen 13 Jahren versiebenfacht. Die Stadt hat verschiedene der renovierungsbedürftigen (oder nicht erdbebensicheren) Häuser aufgekauft und sanieren lassen. Nun werden sie mit Gewinn selber betrieben. So ist z.B. das Restaurant, in dem wir sitzen im Besitz der Stadt. Direkt am Bosporus-Ufer gelegen, werden Gerichte knapp über dem Selbstkostenpreis angeboten, so dass auch für einfache die Bürger Gelegenheit ist, in exzellenter Lage gut essen zu gehen. Im Keller ist ein schöner Trauungsraum entstanden. Uns erscheint er riesig, aber offensichtlich werden Trauungen hier größer gefeiert als bei uns. In den 13 Jahren konnten 4700 der denkmalgeschützten Häuser im Stadtteil restauriert werden.

Ramiz PolatIm ganzen Stadtteil gibt es kein Seniorenheim. Der Familienzusammenhalt sei so gut, dass dafür kein Bedarf bestehe. Dafür gibt es verschiedene Unterstützungsangebote für die Pflege in den Wohnungen.  In Fatih werde z.B. an 2500 Personen Essen auf Rädern ausgeliefert. Diese Zahl erscheint uns angesichts der Größe des Bezirks allerdings recht niedrig.

Es hat in der Vergangenheit eine deutliche Wanderungsbewegung aus Anatolien in Richtung der Großstadt Istanbul gegeben. So sind zuerst die Väter gekommen, um zu arbeiten. Diese hätten dann die Familien nachgezogen. Im Alter würden dann die Eltern in die Heimat zurückkehren, die Kinder aber im städtischen Kontext bleiben. Erst allmählich gelingt es der Regierung die Wanderung auch in die anderen türkischen Großstädte zu leiten.

Auch von den syrischen Flüchtlingen wandern zurzeit viele nach Fatih und in die anderen armen Bezirke Istanbuls. Sie verursachen mittlerweile erhebliche soziale Spannungen. Im Straßenbild fallen sie durch die z.T. organisierte Bettelei der Kinder auf. Diese wurde bislang aus humanitären Gründen geduldet, nun soll aber doch durch Verbote gegengesteuert werden.  Ein großer Teil der in Fatih lebenden Syrer seien relativ wohlhabend. (In anderen Gesprächen haben wir anderes gehört: Die Syrer arbeiten als Tagelöhner für rund zwei Euro und ruinieren damit den bisherigen Tageslohn, der sich bei rund acht Euro eingependelt hatte. Große Teile der türkischen Familien verlieren dadurch gerade ihr notdürftiges Einkommen). Zur Integration der Flüchtlinge werden kostenlose Sprachkurse, medizinische Versorgung und kostenlose Teilnahme am Schulunterricht angeboten.

Es besteht ein reger Austausch zwischen Fatih und der Partnerstadt Wiesbaden. Auf Nachfrage wird deutlich, dass im Wesentlichen deutsche Delegationen nach Istanbul reisen. Gegenbesuche sind recht selten.

Gemeinsames Essen mit den Vertretern der StadtEine große Herausforderung für die Stadtverwaltung ist die Infrastruktur. Der tägliche Verkehrskollaps hindert eine weitere wirtschaftliche Stabilisierung. So fehlen vor allem in den Wohnbereichen Parkplätze für die Anwohner. Parkgaragen unter den Häusern sind kaum zu realisieren, da unter dem gesamten Stadtgebiet die Vergangenheit ruht und vor Grabungen erst umfangreiche archäologische Sicherungen vorgenommen werden müssten. Auch die Sicherung der Gebäude vor zu erwartenden Erdbeben (in den kommenden 10-15 Jahren wird mindestens ein Erdbeben der Stufe 7 erwartet) ist eine große Herausforderung. Per Gesetz sind alle Hausbesitzer dazu verpflichtet. Viele können das aber finanziell nicht tragen. (Wie wir aus anderen Quellen wissen, hat das teilweise zu Enteignungen und Grundstücksspekulationen geführt).

Bereits in Angriff genommen wurde die Erstellung eines Registers aller historischen Gebäude (auch der jetzt nicht sichtbaren), um die zukünftige Stadtplanung zu erleichtern. Dabei sind nach bisherigem Stand allein in Fatih rund 10000 Objekte zu erfassen.

In Istanbul wird die Arbeitslosigkeit auf rund 10% geschätzt. In Fatih soll es sogar eher noch weniger geben. Die Stadtverwaltung betreibt parallel zur offiziellen Arbeitsvermittlung (von Ankara gesteuert) eine eigene Arbeitsvermittlung, die stärker die Qualifikation der Arbeitssuchenden berücksichtigt. Als Arbeitslosengeld werden 2/3 des Mindestlohns ausgezahlt.

Zur Überwindung des Verkehrschaos wird entlang der alten Stadtmauer ein Rad- und Fußweg ausgebaut, von dem aus man in wenigen Minuten alle Punkte der Altstadt erreichen kann. Auch unser Gesprächspartner und der Bürgermeister sind begeisterte Fahrradfahrer (auch wenn das Rathaus zurzeit wegen der Baustellen mit dem Fahrrad nicht erreichbar ist). Auch dass zum Bau dieses Radwegs ein großer Teil des osmanischen Gärten eingeebnet werden mussten, erfahre ich erst später aus dem Internet.

Gegen die Gewalt gegen Frauen wurden regionale ehrenamtliche Beratungsstellen in den Vierteln eingerichtet. Ziel der Beratungen ist es, die Familienstruktur wieder herzustellen. In der Familie seien die Frauen am besten geschützt. (Dieser Illusion können wir aus unserer Beratungsarbeit nicht folgen.)

Zum Abschluss erhält Superintendent Michael Hagen von Nilüfer Türütgen einen Gedenkteller und revanchiert sich mit Neustädter Pralinen.

Thomas Gleitz

Auf dieser Seite sammeln wir Berichte über Ereignisse im Kirchenkreis. Die Sammlung wurde im Oktober 2014 gestartet.