So viel Zeit!!! - 9.1.16

Was mich so froh gestimmt ein neues Jahr begrüßen lässt ist dieses Lebensgefühl: Da liegt so viel vor mir, und es ist noch alles offen, fast wie eine unberührte Schneelandschaft. Ob ein bisschen neblig trüb oder sonnenstrahlenklar – es ist vieles noch bedeckt, nur zu erahnen.

Ich weiß, unter dem Schnee regt sich schon was, die Narzissen hatten schon angefangen auszutreiben. Ebenso steht schon manches im Kalender, ist in Vorbereitung.
Ich weiß: Ich kann es anpacken, mitgestalten dieses neue Jahr. Geschenkte Zeit, soviel davon.

Ein bisschen müde beginnt es meist, aber dann will ich auch raus, an die frische klare Luft, und die Weite erspüren. Ich versuche dieses Gefühl zu behalten, mindestens bis zum T6. Januar, dem Tag der heiligen drei Könige.

Auf meine ersten Wege nehme ich die Jahreslosung mit. Ein Bibelwort vom Propheten Jesaja, das uns Christen in 2016 begleiten wird: „ Gott spricht: Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet.“

Das sagt mir was, mütterlicher Trost ist mir in guter Erinnerung. Sie hat mich immer bestärkt und gesagt: „Nimm nicht alles einfach so hin. Und vor allem: Lege die Hände nicht in den Schoß!“ Ich habe es in der Hand. Ich bin nicht (nur) Opfer der Mächte, Spielball der Zeiten, sondern kann im Rahmen meiner Gaben und Fähigkeiten vieles tun, zum Guten, hoffentlich. Ich weiß, das neue Jahr wird nicht einfach nur gut werden.

Was da in Köln geschehen ist, aber auch schnellen Urteile vieler im Internet lassen mich verzweifeln.

Aber ich weiß mich ‚von Guten Mächten wunderbar geborgen’ (Bonhoeffer). Ich weiß um Probleme und Schwierigkeiten, die vor mir und uns stehen, auch in diesem Jahr. Aber ich weiß auch: Wer kämpft kann verlieren, aber wer nicht kämpft hat schon verloren!

Eine offene, tolerante Gesellschaft für alle sollten wir uns erhalten und uns vor allen Extremen verwahren.

Vor allem weiß ich: ich gehe nicht allein in dieses Jahr. Es hat mit dem Läuten der Kirchenglocken, mit der Einladung zum Gebet begonnen: Ich habe dann immer wieder ein sehr altes Neujahrsgebet vor Augen: Aus dem Jahr 1883 von Hermann Kappen,

Pfarrer von St. Lamberti zu Münster:

Herr, setze dem Überfluss Grenzen – und lasse die Grenzen überflüssig werden.

Lasse die Leute kein falsches Geld machen – und auch das Geld keine falschen Leute.

Nimm den Ehefrauen das letzte Wort – und erinnere die Männer an ihr erstes.

Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit – und der Wahrheit mehr Freunde.

Bessere solche Beamte, Geschäfts- und Arbeitsleute, die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind. Gib den Regierenden gute Deutsche und den Deutschen eine gute Regierung.

Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen – aber nicht sofort. Amen

Seien Sie Gott befohlen! Ein gesegnetes 2016-!

Ele Brusermann, Pastor im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf