Selber machen! - 10.6.17

In dieser Woche und erst Recht heute, am Sonnabend, müsste man es eigentlich spüren: die Kirchen müssten herausgeputzt sein, die Kirchenvorsteher und Ältesten müssten bei Prozessionen anzutreffen sein, die Pastoren und Bischöfe müssten, mit aufgekrempelten Ärmeln, die Kirchenräume noch einmal durchputzen, Plakate müssten aufgehängt, flammende Reden zur Zukunft der Kirche gehalten werden, Diskussionsgruppen aller Altersstufen müssten über die Zukunft ihrer Gemeinden diskutieren, Jugendgruppen müssten Pläne schmieden, um sich vorzubereiten auf die baldige Übernahme der Verantwortung in ihrer Kirche …

Warum? Nun, am Sonntag wird Trinitatis gefeiert. Der lateinische Name lässt die Bedeutung nur schwer erkennen: das Fest der Dreieinigkeit. Was damit gemeint ist, wird im Vergleich zu den großen Kirchenfesten gern unterschätzt. Mit dem Trinitatissonntag beginnt nämlich das sogenannte Halbjahr der Kirche. Weihnachten kommt Gott auf die Erde, uns nah und erkennbar. Ostern überwindet er den Tod und macht mutig gegen alles Todbringende und Angstmachende auf der Welt und Pfingsten schüttet er seinen Geist auf die aus, die in diesem Geist leben und wirken wollen. Von Weihnachten bis Pfingsten - das nennt man das Halbjahr des Herrn - macht Gott sich der Welt bekannt, sagt wer er ist, was er will und wovon wir leben können. Danach, also ab Trinitatis, gilt: Selber machen! Es ist ein bisschen so, wie mit dieser Baumarktwerbung: Respekt wer’s selber macht! Die Kirche soll von diesem Wochenende an sich selbst ausprobieren, soll reden und handeln, wie Gott gehandelt hat. Sie hat sein Wort, seine Macht, seinen Geist.

Tut sie das? Eine kleine Gruppe von Verantwortlichen tut es. Sie denkt, plant, organisiert und arbeitet eigenverantwortlich, manchmal begeistert, manchmal mit Mühe. Aber beim Blick auf die ganze Gemeinde habe ich oft den Eindruck, dass Menschen sich den Glauben, das Angebot der Gruppen und Kreise eher vorsetzen lassen wie eine Mahlzeit, die andere gekocht haben.

So ist aber Kirche nicht gedacht. Dafür hätte sich keiner ans Kreuz nageln lassen müssen.

Ich stelle mir vor, dass Gott freundlich auf die herab sieht, die in seinem Sinn einfach loslegen und höre ihn allen mutigen und fleißigen Verantwortlichen seiner Kirche zuflüstern: „Respekt, wer’s selber macht!“

Pastor Axel Sandrock, Hagenburg