Salz - 23.7.16

Sommerurlaub am Meer. Ich spüre wie meine Füße im Sand versinken und mir der Wind durch die Haare fährt. Kinderstimmen vermischen sich mit dem Geschrei der Möwen - es riecht nach Sonnencreme. So ein Tag am Meer folgt seinen eigenen Regeln: Nicht der Stundenzeiger auf meiner Armbanduhr gibt den Takt an, sondern der Stand der Sonne. Morgens geht es mit dem Licht des Tages raus an den Strand und erst wenn die Sonne im Wasser versinkt, werden die Handtücher zusammengerollt und die Kühltasche zurück ins Ferienhaus getragen. Noch am Abend merke ich, wie sich das Salz des Meeres anfühlt. Es ist überall – auf der Haut, in den Haaren und sogar noch als ganz leichter Geschmack auf meiner Zunge.

Mir schießt ein Satz aus der Bibel in den Sinn. „Ihr seid das Salz der Erde!“ (Matthäus 5, 13). Diese Worte hat Jesus zu Menschen gesagt, die nichts Besonderes zu sein schienen. Fischer, einfache Leute, Frauen mit zweifelhaftem Ruf. Auch Salz wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Nicht bunt und schillernd, sondern schlicht und einfach weiß. Nicht groß und stark, nur winzig kleine Körner. Vielleicht kommen wir uns manchmal so klein und unbedeutend wie ein Salzkorn vor. Was kann ich schon ändern? Lohnt es sich überhaupt, mich für etwas zu engagieren? Jesus fragt genau andersherum: „Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen?“ Die Kraft des Salzes entfaltet sich erst, wenn es eingesetzt wird. Es gibt dem Essen Geschmack und Würze.

Ich glaube, so ähnlich ist es auch im Leben: Es macht einen Unterschied, ob wir uns und unsere Kräfte einbringen oder nicht. Das hat weniger mit rauschendem Erfolg zu tun als vielmehr mit Spuren, die wir im Alltag hinterlassen. Wenn sich immer mehr und mehr Menschen als Salz dieser Erde einbringen, dann verändert sich im Laufe der Zeit doch etwas und das Leben bekommt einen anderen Geschmack.

Andrea Dorow, Pastorin in Steinhude