Richtigstellung - 28.4.18

Eine Richtigstellung bringt eine Zeitung immer dann, wenn es etwas falsch vermittelt wurde. Dann gibt es eine Randnotiz mit der Korrektur. Solche Korrekturen brauchen wir heutzutage vermehrt. Denn irgendwie scheint die Welt aus den Fugen geraten: Selten fühlte sich ein weiterer Weltkrieg so nah an wie im Moment, selten konnte man den Mächtigen dieser Welt subjektiv so wenig trauen wie zu dieser Zeit.

Als Gregor Gysi vor gut drei Wochen in Idensen zu Gast war, sprach er über die wichtige Rolle der Kirchen heutzutage. Eine moralische Instanz bräuchte diese Welt, meinte er und es gibt so niemanden mehr, der diese einnähme. Bei Moral mag manch einer an Wertvorstellungen des Zusammenlebens denken, aber Gysi bezog sich auf Größeres: Wie leben Menschen zusammen, wie interagieren Nationen, wie gehen wir mit den Schwächsten unserer Gesellschaft um?

Die Kirche schweigt, jedenfalls kommt kaum etwas in der Bevölkerung an? Wo ist die Richtigstellung? Warum mischen sich Christinnen und Christen – egal ob hauptamtlich oder einfach nur gläubig – nicht einmal ein? Gysi als Nicht-Gläubiger hat recht. Die Kirche muss mehr tun.

Wir erleben momentan eine Kultur der Vorverurteilungen ohne stichhaltige Beweise. Im Zweifelsfall ist Wladimir Putin schuld. Gibt es einen neuen Computer-Virus? Putin. Ein Agent wird attackiert? Putin. Auch wenn ich Putin vieles zutraue, ich traue anderen Regierungen auch viel zu. Die Isolation von einer Macht verhärten sich nur die Fronten und die Kommunikation wird eingestellt – keine diplomatische Lösung in Sicht.

Die Kirche als „moralische Instanz“ hat hier einen klaren Leitsatz aus dem Matthäus-Evangelium, den sie kundtun sollte: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn wie ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden.“ Nimmt man die Bibel ernst – und es kann guttun, es zu tun – würde es zu mehr Offenheit in der Diskussion führen.  Und möglicherweise zu mehr Frieden auf der Welt.

Jörg Mecke, Prädikant in Idensen