Oh du selige… - 24.12.16

Weihnachten! Unsere Seele macht sich auf den Weg. Sie verlangt nach Heimat. Sie sucht ihr Zuhause. Wo gehöre ich hin? Alle Jahre wieder ergreift uns diese Sehnsucht. Wir fragen: Wer gehört zu mir? Stirbt ein Mensch, den wir liebten, so gibt es beim ersten Weihnachtsfest nach seinem Tod den Brauch, aus dem eigenen Weihnachtsbaum einen großen Zweig herauszubrechen. So unersetzbar bist du. Du hinterlässt eine Lücke. Sie wird bleiben.

Weihnachten nimmt unsere Seele neu Maß. Sie durchmisst Himmel und Erde. Sie gewichtet alle Orte: Wer trägt die Lebenden und die Toten? Unser Getragensein hat ein Woher: Den Mutterleib, die Herkunftsfamilie mit den Generationen vor uns. Und ein Wohin: Das Grab und eine Erinnerung bei den Nachfahren. Und vielleicht mehr! Wir verstehen nicht allzu viel von dem, was uns alles vorausgetragen worden ist. Noch viel weniger verstehen wir, was uns nachgetragen werden wird und wohin wir getragen werden nach dem Tod. Am ehesten verstehen wir etwas vom Getragensein zwischen Aufwachsen und Sterben. Wenn brauchen Tragfähiges in unserer Gegenwart.

Der Glaube kann zu etwas sehr Tragfähigem werden. An ihn kann ich mich hängen. Doch nur ein Glaube, der ergriffen wurde, kann sich selbst begreifen. Eine Kraft von außen muss unsere Seele berühren. Dann erwacht Glaube. Dann wächst er als innere Kraft in uns. Die Weihnachtslieder in unseren Gottesdiensten, die biblischen Worte, unsere Gebete, für die Augen die Krippe, für die Ohren die Predigt! Welch großer Reichtum ergießt sich zu Weihnachten über uns und unsere Seele! Vielleicht stimmen wir ja zaghaft mit ein in den Engelsgesang „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ (Evangelist Lukas, Kapitel 2, Vers 14) Wo Glaube erwacht, kommt der Himmel auf die Erde. Wir feiern die Geburt unseres Glaubens. Alle Jahre wieder soll es Weihnachten werden. Unsere Seele kehre ein zu dem, der Anfang und Ende allen Lebens ist.