Na, ist Ihnen schon einer begegnet??? - 27.5.17

Jedes Jahr wenn sich der Frühling breit macht, dann ist sie wieder da, die große Frage: „Ob ich wohl dieses Mal einen Maikäfer entdecke?“ In Kindestagen, da ließen sich die „Burschen“ ja fast gar nicht blicken. Nur die Alten erzählten von Maikäferplagen vergangener Tage. In den zurückliegenden Jahren tut sich nun aber was. Wohl nicht in jedem Frühling, jedoch immer häufiger entdecke ich welche. Manch einen finde ich nur noch erdrückt auf Straße und Bürgersteig. Um so größer ist dann meine Begeisterung, wenn tatsächlich so ein „Geselle“ brummend an mir vorbeischwebt.
Vier Jahre brauchen sie unter der Erde, um dann das Licht der Welt zu erblicken. Und nur vier Wochen später ist es um sie geschehen. Was für ein Aufwand - wie viel Energie und Vorbereitungszeit um grade mal vier Wochen so etwas wie „Insektenkönig der Lüfte“ zu sein! Aber während ich das schreibe, denke ich: So ganz anders ticken wir Menschen auch nicht. Ganz abgesehen von der langen Vorbereitungszeit, die wir brauchen, um Schule, Berufsausbildung oder Studium zu einem krönenden Abschluss zu bringen: Wie oft schlummern auch sonst Ideen, Hoffnungen, große und kleine Ziele über Jahre hinweg in uns, gären so vor sich hin und absorbieren zwischenzeitlich eine Menge Energie. Und längst nicht alles was wir so erwartungsvoll aushecken erweist sich dann im Nachhinein als so genial, wie wir uns das vorher versprochen haben – manches verliert relativ schnell seinen Glanz, anderes ist gar nicht erst lebensfähig. Aber neben all dem, was da glanzlos am Boden liegen bleiben mag, brummt dann doch der ein oder andere „Geselle“ an uns vorbei und begeistert uns – gelingt uns das ein oder andere unserer Ziele recht gut und erfreut je länger desto mehr das Herz.
Ich mag an dieser Stelle das Gebet des König Davids (Psalm 139,23-24), der mit einer gesunden Skepsis sich selbst und den eigenen Vorstellungen und Plänen gegenüber die Worte spricht: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich´s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Wege.“

Pastor Claus Carsten Möller, St. Johannes Wunstorf