Meine Nationalität?- Mensch - 10.11.18

Der 9. November ist es ein geschichtsträchtiges Datum. Es steht für den 9. November 1918, als vor 100 Jahren Philipp Scheidemann die Republik ausrief und für den Berliner Mauerfall vor 29 Jahren. In diesem Jahr jährt sich aber auch zum 80. Mal die Reichspogromnacht: In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden Tausende Juden geschlagen, verhaftet oder sogar ermordet. Jüdische Geschäfte wurden zerstört und fast in jeder Stadt brannten die Synagogen. Der grausame Weg zum Holocaust war hiermit vorgezeichnet. An diese Ereignisse erinnert der Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf mit einer Reihe von Veranstaltungen. Dazu gehört auch die Plakataktion „Farbe bekennen“. Schüler, Konfirmanden oder Jugendliche haben dazu Entwürfe erstellt. Eine Jury hat zehn Entwürfe ausgewählt. Inzwischen sind sie auf 17 Plakatwänden in Neustadt und Wunstorf zu sehen. Eins davon ist das Plakat „Meine Nationalität?- Mensch!“ Dieser Entwurf stammt von Svenja Wöhler und Laura Henke aus Bordenau. Sie wollen mit ihrem Plakat deutlich machen, dass das Entscheidende menschlicher Identität das Menschsein ist. Sie macht die Würde eines jeden Menschen aus. Sie macht das Leben jeden Menschen wertvoll und einzigartig.

Die Mütter und Väter des Grundgesetzes haben uns dies nach der Katastrophe des dritten Reiches ins Stammbuch geschrieben. Grenzen und Andersartigkeit haben für die Menschenwürde keine Bedeutung: Egal welche Religion und Bräuche Menschen haben oder welche Sprache sie sprechen, die Würde jedes Menschen sollte geachtet werden. Auf dem Plakat haben die vielen verschiedenen Figuren alle andere Hautfarben und bunte Kleidung an, aber gleichzeitig fast alle die gleiche Silhouette.  Damit wollen die beiden Bordenauerinnen zum Ausdruck bringen, dass alle friedvoll miteinander umgehen und leben können bzw. sollten!

Auch 80 Jahre nach der Reichsprogramnacht ist es wichtig an die Ereignisse zu erinnern, damit sich solche Geschehnisse nicht wiederholen. Vor Kurzem erschütterte uns der Anschlag auf die jüdische Synagoge im amerikanischen Pittsburgh, bei der elf Menschen starben. Solche Taten rufen uns dazu auf, Farbe zu bekennen. Gegen Hass, Gewalt und Ausgrenzung aufzustehen. Das können wir mit einer Plakataktion machen oder indem wir im Alltag für Menschen einstehen, die diskriminiert werden.

Michael Hagen