Mein kleiner Beitrag zum diesjährigen Motto „Frei-Räume“ - 21.9.19

Als ich das hörte, sah ich merkwürdigerweise gleich unseren Garten vor mir, meinen Frei-Raum. Wie oft zieht es mich mal eben raus, nicht immer, um da gleich zu arbeiten– nein, um neue Kraft und Energie zu tanken und mich an so vielem, was da wächst und fliegt und kriecht, zu freuen…oder nachzusehen: Ist die Pflanze nun für immer eingegangen, vertrocknet , erfroren oder kann ich sie noch retten? Wird der Rasen wieder grün? Muss ich störende Zweige abschneiden? Brauchen die Tränken frisches Wasser? Warten die Vögel schon auf neues Futter? Jeder Gang macht mir Freude, und oft bin ich unserem Schöpfer für dies kleine Paradies dankbar. `Man ist dem Herzen Gottes nie so nah wie im Garten`. Las ich einmal. Ich könnte mir denken, dass nicht alle Mitmenschen so vom Garten schwärmen. Als früher, besonders nach dem Krieg, die großen, aber auch kleinen Gärten, fast nur Nutzgärten waren und oft die Familie versorgen mussten, gab es viel Arbeit, Mühe, Schweiß, Erfolge und Misserfolge in der Ernte .Alles musste verarbeitet, gegraben, gesät, gehackt, gewässert und gepflegt werden. Manchmal wurde sicher der Winter herbei gesehnt, um die lahmen Knochen wieder ein bisschen zu mobilisieren. In diesem Jahr gibt es noch einen anderen Grund, nicht nur zu schwärmen. Die enorme Trockenheit hat vieles vertrocknen lassen und besonders unsere Landwirte oft zur Verzweiflung gebracht. Jeder Regentropfen wird zur Zeit freudig begrüßt. Ähnlich war es sicher auch im Garten Eden, dem Paradiesgarten, wie er in der Schöpfungsgeschichte beschrieben wird: Als Adam die Augen aufschlägt, hat Gott wie ein umsichtiger, liebevoll gründlicher Gärtner den Garten des Lebens schon angelegt. Bäume, Sträucher, Gras und Blumen, Kartoffeln, Reis, Gemüse, Kräuter und Früchte, was der Körper braucht, ist da – Lebensmittel für Leib und Seele, herrliche Düfte, üppige Farbenpracht…Lebenslust. Das beschriebene Bild von Gott,  ist es übrigens, das mich zu dieser Andacht anregte .1.Mose 2,8 Dann pflanzte der Herr Gott einen Garten in Eden im Osten. Und da hinein setzte er den Menschen, den er gebildet hatte. Eden= Wonne oder Glück. Es wächst miteinander, was Menschen satt und zufrieden macht. In Persien heißen die üppigen Fruchtgärten und Parkanlagen PARDES, darüber wird der Garten Eden in den Sprachen und Träumen vieler Völker zum Paradies.

Ich denke, wir alle haben „unseren Paradiesgarten“ vor Augen. Eden ist kein Wolkenkuckucksheim, sondern ein wirklicher Ort auf der wirklichen Erde, aber auf keiner Landkarte zu finden. Wenn wir im 1.Mosebuch weiterlesen, erfahren wir, warum dieser Garten, den Gott in seiner großen Schöpfung so liebevoll angelegt hat, mit Adam und Eva und dem Sündenfall verschwand. Und doch lohnt es sich, die Erinnerung an den Paradiesgarten wachzuhalten – um des Wassers und der Tiere willen, um der Sprache und um Gottes willen müssen wir die Spuren des Verlorenen in unserer Gegenwart suchen. Lasst sie uns immer wieder finden!

Ursula Wiebe, Schloß Ricklingen