Leibniz der Langschläfer - 4.6.16

Eine Rechenmaschine hat er erfunden. Der bekannte Knusperkeks ist nach ihm benannt. Studierende in Hannover gehen zur gleichnamigen Uni. Er war Physiker, Diplomat und Jurist: Vor 370 Jahren erblickte der Hannoversche Denker Gottfried Wilhelm Leibniz das Licht der Welt. Das gesamte Jahr über gibt es in Hannover Veranstaltungen und Ausstellungen über und zu dem Universialgenie.

Zum Beispiel hier: An einem Baum im Herrenhäuser Garten. An seiner Rinde hängt ein Bild. Ein Schüler hat darauf drei Bäume gemalt. Zwei große mit kräftigen Stämmen und Gesichtern in der Krone, das eine Gesicht lacht, das andere schaut traurig drein. Zwischen ihnen ein kleiner Baum mit grünen Blättern. Das Bild trägt die Überschrift: „Bäume haben auch ein Leben und Gefühle. Bis November präsentieren 300 Schülerinnen und Schüler an 300 Bäumen quer durch Hannover ihre so genannten „MitdenkKunstwerke“ zum 300sten Todestag von Leibniz. Die Jugendlichen wollen darauf aufmerksam machen, dass Bäume auch Lebewesen sind, die wir schützen und mit Respekt behandeln sollten. Sie knüpfen damit an den Gedanken von Leibniz an: „Es gibt nichts Totes!“ oder anders gesagt „Alles lebt!“

Doch Leibniz war nicht nur Universalgelehrter dessen letzte Ruhestätte die Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis in Hannover beherbergt. Er war auch ganz Mensch. Er lebte in einer Zettelwirtschaft – so die Legende. Unaufhörlich füllte der Langschläfer und Nachtarbeiter Blatt um Blatt mit seinen Einfällen. Über seine Arbeitsweise sagte er selbst einmal: „Mir kommen manchmal morgens, während ich noch eine Stunde im Bett liege, so viele Gedanken, dass ich den ganzen Vormittag, ja mitunter den ganzen Tag benötige, um sie mir durch Aufschreiben klar werden zu lassen.“

Auf handgeschöpftem Papier notierte Leibniz alles nacheinander und über alle Fächer der Wissenschaften hinweg: Eben noch schrieb er eine Idee zur Mathematik auf, eine Zeile später war er bei der Philosophie oder Theologie.

Die Zettelwirtschaft wird gerade von Fachleuten geordnet.

Seine Einfälle sind bis heute entscheidend: Der von ihm erfundene Binärcode ist Grundlage für komplizierte Rechenaufgaben in Computern. Wie hilfreich. Passend dazu sein Lebensmotto: „für das öffentliche Wohl zu arbeiten, ohne mich zu sorgen, ob es mir jemand dankt. Ich glaube, dass man damit Gott nachahmt, der sich um das Wohl des Universums sorgt, ....“

Marcus Buchholz ist Pastor an der Liebfrauenkirche in Neustadt.